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Geburten auf Sylt : Eltern fordern neue Geburtshilfe auf der Insel

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nach den turbulenten Not-Geburten ihrer Kinder sammeln junge Sylter Eltern nun Erfahrungsberichte anderer Betroffener.

von
erstellt am 07.Aug.2015 | 05:27 Uhr

So funktioniert es nicht. Mit diesem Satz lässt sich die Haltung von Daniela Petersen, Svenja Sievers-Jacobsen und Lasse Lorenzen zur aktuellen Versorgung schwangerer Frauen auf Sylt zusammenfassen. Petersen und Sievers-Jacobs haben nach der Schließung der Geburtenstation ihr erstes Kind bekommen – und dabei Dinge erlebt, die sie als unzumutbar empfanden. Nun sammeln sie Berichte anderer Sylterinnen, die ähnliches erlebt haben, um über Medien und Politik dafür zu sorgen, dass sich in Sachen Geburtshilfe auf der Insel vielleicht doch noch etwas ändert.

Auch wenn die Geburten der Frauen unterschiedlich verliefen, wenn sie mehr oder weniger dramatisch waren, finden sich in ihren Berichten immer wiederkehrende Themen wieder. So berichten sie davon, sich schon während der Schwangerschaft gesorgt zu haben, was passieren könnte, sollte sie nicht rechtzeitig aufs Festland kommen. In den Fällen, in denen sich diese Befürchtungen bewahrheiteten und die Wehen einsetzten, bevor die werdende Mutter in einem Boardinghaus auf dem Festland untergebracht war, schreiben die Frauen von Stunden der Sorge und der Unklarheiten: Oft erlebten sie eine gewisse Ratlosigkeit der Beteiligten, was nun mit den Frauen gemacht werden soll: „Wir standen dann noch eine Weile in unserer Küche und es wurden noch ein paar Telefonate mit dem Vorgesetzten geführt, da leider keiner genau wusste, was man jetzt darf und wer sich wie haftbar macht“, heißt es in dem Bericht einer Sylterin, bei der in der 32. Schwangerschaftswoche Wehen einsetzten und die befürchtete, eine Frühgeburt zu erleiden.

Zudem werden von den Frauen weitere Komplikationen beschrieben: Mal ist aufgrund der nicht vorhandenen Rufbereitschaft keine Hebamme zu erreichen, mal kein Gynäkologe, in zwei Fällen kann keiner der drei für Sylt zuständigen Hubschrauber die Insel anfliegen. In einem anderen Fall berichtet die Frau davon, wie der Rettungswagen den Autozug verpasst. Eine Geburt, die aufgrund fehlender Verlegungsmöglichkeiten doch in der Nordseeklinik betreut werden musste, wird als sehr improvisiert beschrieben, eine Überfahrt auf einer Trage im Mehrzweckabteil einer Nord-Ostsee–Bahn erlebte eine Betroffene als sehr unangenehm: „Privatsphäre gleich Null“.

Auch wenn all diese Geburten für Mutter und Kind letztendlich gut ausgingen, sind Petersen, Sievers-Jacob und Lorenzen davon überzeugt, dass sich dringend etwas ändern muss. „Wir müssen uns bewusst machen, dass auf Sylt während der Saison Großstadtverhältnisse herrschen“, sagt Lorenzen, „darauf muss unser Gesundheitssystem doch abgestimmt sein. Man stelle sich mal vor, es gäbe in Städten wie Kiel, Lübeck oder Flensburg keine Geburtenstation.“ Er hofft darauf, dass sich eine solche vielleicht noch in Form einer Stiftung umsetzen ließe. Ansonsten pochen er und seine Mitstreiterinnen darauf, dass auf der Insel ein Notfallkonzept umgesetzt wird, das neben einem Bereitschaftsdienst für die Hebammen auch eine Notgeburt mit allen nötigen Beteiligten in der Nordseeklinik ermöglicht.

„So lange die Situation so ist, wie sie ist, weiß ich nicht, ob und wie wir ein zweites Kind bekommen können“, sagt Lorenzen. Von anderen jungen Sylter Familien, bestätigen seine Mitstreiterinnen, hätten sie ähnliches gehört.

 


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