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Mensch des Jahres : Elke Wenning: „Ich habe das Glück, dass ich stark bin“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Elke Wenning ist eine unserer Kandidatinnen zur Wahl Mensch des Jahres. Wir stellen die Powerfrau an der Spitze der Sylter Aidshilfe vor

shz.de von
erstellt am 10.Nov.2014 | 09:52 Uhr

Als sie nach viereinhalb Jahren aus Afrika nach Deutschland zurückkehrte, hatte sie selbst Angst. Angst davor, sich vielleicht doch irgendwie mit dem Hi-Virus infiziert zu haben. Sie traute sich kaum, das Ergebnis ihres HIV-Tests abzuholen und an die Erleichterung, als er negativ war, kann sie sich noch heute gut erinnern. Als dann auf Sylt die Aidshilfe gegründet wurde, war für Elke Wenning sofort klar: Da bin ich dabei. Das war 1995 und dabei ist sie bis heute. Vielmehr noch, sie ist das Herz und Hirn der Aids-Hilfe Sylt aktHIV für Nordfriesland. Jedes Jahr organisiert sie die Spenden-Gala, regelt die Finanzen des Vereins, und hat immer ein offenes Ohr für die Menschen die sie brauchen. „Für Menschen, denen es schlecht geht, kann man sich immer Zeit nehmen“, sagt sie. Berührungsängste hat sie keine.

Eigentlich ist Elke Wenning Veranstaltungsmanagerin, kein Event der Sylt-Quelle fand bisher ohne sie statt. Bis Anfang des Jahres war sie auch noch Hauptschöffin am Jugendgericht. Die 59-Jährige ist im Dauereinsatz. Sie sprüht vor Energie, eine echte Powerfrau. Woher sie die Kraft für ihren unermüdlichen Einsatz nimmt, weiß Elke Wenning selbst nicht so genau. „Ich habe sie einfach“, sagte sie und lacht. Sie habe ihr ganzes Leben lang kämpfen müssen. „Ich bin als Vollwaise in Pflegefamilien aufgewachsen. Andere wären daran vielleicht zerbrochen, aber ich habe das Glück, dass ich ganz stark bin“, so die gebürtige Oldenburgerin.

Anstatt ihr Abitur zu machen, ging sie von der Schule ab. Sie machte eine Ausbildung zur Krankenschwester, weil sie unbedingt auf eigenen Beinen stehen wollte. Danach zog es sie nach Heidelberg, wo sie mit 22 Jahren die jüngste leitende Anästhesie-Schwester wurde. Später kam sie nach Sylt. „Ich weiß noch genau, es war Winter und alles war zugenagelt“, erzählt die Vorsitzende der Aidshilfe. Sie arbeitete im Krankenhaus, lernte dort ihren Mann kennen und zusammen gingen sie nach Lesotho in Südafrika. Viereinhalb Jahre lebte und arbeitete das Ehepaar dort. Ihre zwei Söhne wuchsen dort auf. Als auf Sylt eine chirurgische Stelle frei wurde, packten sie die Gelegenheit und kamen zurück. Es war 1989, als Elke Wenning das zweite Mal nach Sylt zog. Schon damals sei Sylt eine Hochburg für homosexuelles Zusammenleben gewesen. „Es hat zwar keiner darüber gesprochen, aber Sylt war schon relativ offen, kein Vergleich zu dem Rest von Nordfriesland“, so Elke Wenning.

Sechs Jahre später wurde die Aidshilfe gegründet, Elke Wenning gehört zu den Gründungsmitgliedern. Doch auch auf der weltoffenen Insel war das schwierig. „Ich bin noch nie den leichten Weg gegangen. Es fällt mir aber auch nicht schwer, den anderen zu nehmen“, so Elke Wenning. Das gilt auch für ihr selbst gewähltes Ehrenamt. Als sie die Arbeit bei der Aidshilfe begann, musste sie sich oft fragen lassen, warum sie nicht etwas anderes macht. „Aids gehörte damals in die Schmuddelecke“, so Elke Wenning. Gerade das spornte sie nur noch mehr an.

Jeden Tag ist sie für eine Stunde im Büro der Aidshilfe, doch ihr Telefon hat sie Tag und Nacht griffbereit. Einige ihrer Schützlinge kennt sie seit Jahren, begleitet sie durch alle Höhen und Tiefen, hat engen Kontakt zu ihnen. Sie weiß um die riesigen psychischen Belastungen einer Erkrankung für die ganze Familie. In den Anfangsjahren sei der Schwerpunkt der Arbeit die Sterbebegleitung gewesen. Heute liegt der Fokus auf der Prävention. „Ich habe das Gefühl, dass man heute eher weniger über Aids weiß als früher“, so Elke Wenning. Viele vergessen, dass die Krankheit trotz höherer Lebenserwartung immer noch tödlich ist. „Sie leben heute besser mit HIV aber, sie sterben trotzdem – nur nicht mehr so spektakulär wie früher“, sagt Elke Wenning.

Die Zahl der Aids-Kranken ist wieder gestiegen. Das ärgert Elke Wenning und so kämpft sie weiter, will weiter für ihre Schützlinge da sein. „Ich mach das solange wie ich fit bin, und bis ich jemanden gefunden habe, der mich ablösen kann.“ Die nächste große Veranstaltung ist bereits in Planung: die Aids-Gala, die Elke Wenning in diesem Jahr zum 19. Mal organisiert.

Sie können sich auf vielfältige Weise an der Aktion „Menschen des Jahres“ beteiligen. Nutzen Sie den Coupon, kreuzen Sie Ihren Favoriten an, und schicken Sie den Ausschnitt bis zum 23. November an die Sylter Rundschau, Andreas-Dirks-Straße 14, 25980 Sylt / OT Westerland, oder geben ihn einfach dort ab.

Sie können für Ihren „Mensch des Jahres“ auch anrufen (für 14 Cent pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunk mehr) oder per SMS abstimmen. Die Leitungen sind bis zum 23. November um 24 Uhr geöffnet.


Die Sylter Kandidaten und

ihre Rufnummern:


>Elke Wenning:

01375 / 80 40 04 88-01

>Björn Nielsen:

01375 / 80 40 04 88-02

>Renate und Wolfgang Krüger

01375 / 80 40 04 88-03

>Karsten Kossowski

01375 / 80 40 04 88-04

SMS mit dem Inhalt „shz sr“ plus Kandidatennummer (01-04) an die Nummer 42020 (Kosten tarifabhängig, wie eine normale SMS).Email mit dem Namen Ihres Mensch des Jahres an redaktion.sylt@shz.de.


Oder stimmen Sie online ab auf www.shz.de/menschdesjahres

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