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Deutscher Zoll : Einsatz auf der „Kniepsand“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Besatzung des Hörnumer Zollbootes kümmert sich um Schmuggler und Umweltsünder, unterstützt aber auch die Seenotretter

von
erstellt am 20.Mai.2017 | 11:24 Uhr

Drogenfunde, Menschenschlepper, Waffenschmuggel – solche Einsätze gab es 2016 nicht für die Männer des Hörnumer Zollbootes „Kniepsand“. Was Fernsehzuschauern in der ZDF-Serie „Küstenwache“ Spannendes gezeigt wird, ist nicht der Alltag der Besatzung. Die „Kniepsand“ fährt vor allem raus, um das Seegebiet zu überwachen – wenn es sein muss, bis weit über die Zwölf-Meilen-Grenze (etwa 22 Kilometer vor Sylt) hinaus.

Das Einsatzgebiet des Hörnumer Zollbootes umfasst den deutschen Festlandsockel, „grob gesagt also die komplette innere Nordsee“, beschreibt Kapitän Torsten Nonn das Tätigkeitsfeld der Crew. Südlich reicht es bis Helgoland, nördlich bis zum dänischen Festlandssockel und westlich bis zum 7. Längengrad. Pro Monat verlässt die „Kniepsand“ zwölf bis 15 Mal den Heimathafen, eine Streife dauert meist zwölf Stunden. Innerhalb der Zwölf-Meilen-Grenze übernimmt die Crew die Überwachung des Warenverkehrs, beaufsichtigt die Fischerei, bekämpft den Schmuggel von Waffen und Rauschmitteln. Die Zöllner kümmern sich um Fälle von Umweltverschmutzung, unterstützen aber auch die Nachbarn von der DGzRS, wenn es um die Rettung von Schiffbrüchigen geht.

Viele Einsätze sind Routine, etwa wenn Hindernisse für die Schifffahrt einzusammeln sind – „das ist unser täglich Brot“, berichtet der Kapitän. Sogar das Bergbaurecht zählt zu den Gesetzen, die die Zöllner auf der „Kniepsand“ kennen müssen. In der Nordsee dürfen nämlich nicht ohne weiteres Rohstoffe und Unterbodenschätze abgebaut werden, wie zum Beispiel Öl oder das Schwermetall Mangan. Die Fischereiaufsicht ist ebenfalls Sache des Zolls – da müssen auch schon mal die Maschen der Netze gemessen werden, die von Fischkuttern in die Nordsee abgelassen werden. Bei Öllachen auf der Nordsee müssen die Zöllner Proben nehmen – die können dann mit Ölproben aus dem Bilgenwasser der Schiffe verglichen werden, die in den Häfen festgemacht haben. „Das lässt sich zu 99 Prozent nachweisen“, weiß Schiffsführer Torsten Nonn aus Erfahrung.

Die Überwachung der Seegrenze zu Dänemark gehört nicht mehr zum Aufgabenbereich der Hörnumer Besatzung, das ist heute eine EU-Binnengrenze. Aber die Zwölf-Meilen-Grenze zählt als EU-Außengrenze, also müssen die Zöllner auch Schmuggler aufspüren. Das können schon Freizeit-Skipper sein, die auf Helgoland kistenweise Zigaretten, Tabak und Alkohol zollfrei einkaufen und im Heimathafen anlanden, ohne vorher die Zollverwaltung zu informieren. „Dabei schützt Unwissenheit nicht vor Strafe“, betont Torsten Nonn. Der 53jährige Bartträger hat zwar ein ausgeglichenes Gemüt, aber wegen eines Zollverstoßes möchte man es sich dann doch nicht mit ihm verscherzen.

Hörnum ist für den deutschen Zoll der nördlichste Standort, die nächsten Schiffe sind in Cuxhaven stationiert. Die erste „Kniepsand“ erhielt 1955 ihren Liegeplatz in Hörnum, gehörte zu den ersten Neubauten der Bundeszollverwaltung und wurde eigens für den Einsatz im Wattenmeer konstruiert. Zur 28-Meter-Klasse zählten auch die zweite „Kniepsand“, die 1986 in Hörnum in Dienst gestellt wurde, und die dritte „Kniepsand“, die dort mittlerweile seit 1996 im Einsatz ist.

Mit drei Motoren und einer Gesamtleistung von 3300 PS schafft die aktuelle „Kniepsand“ bis zu 24 Knoten – das entspricht fast 45 km/h. Zur Besatzung zählen neun Mann – darunter sind ein Nautiker und ein Techniker in der Ausbildung. Zum Auslaufen müssen mindestens fünf an Bord sein, weitere drei werden für das Tochterboot „Odde“ benötigt. Torsten Nonn hat die Leitung des Zollbootes im April 2003 übernommen, als sein Vorgänger Walter von Bargen von Bord ging. Der gebürtige Niedersachse Nonn zählt schon seit November 1989 zur Besatzung des Hörnumer Schiffes.

Aber warum liegt das Zollboot in Hörnum und nicht in List, an der Grenze zu Dänemark? Dort sei zu wenig Platz, erläutert Torsten Nonn, und in Hörnum habe die Zollverwaltung zudem auf bundeseigene Gebäude des Militärs zurückgreifen können.

Einschränkungen für den Zoll durch den möglichen Verkauf des Hörnumer Hafens vom Bund an die Gemeinde befürchtet Kapitän Nonn nicht. Auch in Zukunft werde das Wasser- und Schifffahrtsamt des Landes dort Liegeplätze für Behördenboote vorhalten.

Wer die „Kniepsand“ selbst in Augenschein nehmen möchte, sollte sich das Hörnumer Hafenfest im Kalender anstreichen: Beim „Open Ship“ zwischen dem 28. und 30. Juli steht auch das Zollboot zur Besichtigung offen.

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