zur Navigation springen

Serie Sylter Köpfe : „Einmal Pastor, immer Pastor“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In der heutigen Folge der Serie „Sylter Köpfe“ erzählt Jochim Hartung davon, wie aktiv sein Ruhestand als ehemaliger Morsumer Pastor ist.

shz.de von
erstellt am 10.Feb.2014 | 06:00 Uhr

Ein himmlisches Engelsheer umrahmt Jochim Hartung. Die kleinen Holzfiguren aus dem Erzgebirge sind die letzten Boten des vergangenen Weihnachtsfestes. Doch auch wenn sie nun ihren Platz auf der Wohnzimmer-Kommode endgültig räumen müssen, so begleiten Engel und Gott den Hausherrn doch rund um das Jahr.

Jochim Hartung ist Pastor im Unruhestand. Als er 1996 mit 65 Jahren vorschriftsmäßig in Rente gehen musste – „gegen meinen Willen“, wie er nachdrücklich betont –, sollte das noch nicht das Ende sein. „Einmal Pastor, immer Pastor“, sagt Jochim Hartung und fand einen Weg aus der Misere: Als Vertretungspastor ist er aus den Kirchen Morsums und Wenningstedts heute nicht mehr wegzudenken. Gewissenhaftigkeit strahlt der Mann aus, der sein Leben Gott verschrieben hat. Dabei spricht aus Jochim Hartung kein Pathos, sondern gelebte Religiosität. Die Nächsten und die Nächstenliebe haben sein Wirken stets bestimmt. Und sind zugleich seine Sorge: „Zeit für andere zu haben – das fällt vielen Menschen in unserer heutigen schnelllebigen Zeit leider schwer.“

Den Mut selbst aber hat Jochim Hartung nicht verloren. Er lächelt oft während des Gesprächs und sagt: „Ich blicke zufrieden auf das zurück, was bislang war.“ Was sein Leben durchweg bestimmen sollte, das wurde ihm gleichsam in die Wiege gelegt: Der Großvater, der Vater, der Onkel – alle standen sie als Pastoren im Dienst der Kirche.

Als Hausgeburt hatte Jochim Hartung 1931 im Keitumer Pastorat das Licht der Welt erblickt. Fünf Jahre später wurde der Vater von Keitum nach Reinbek versetzt, wo der Filius behütet aufwuchs und sich schon in jungen Jahren in der kirchlichen Jugendarbeit engagierte. Nach dem Abitur erwog Hartung kurz, Medizin zu studieren, entschied sich dann aber doch für das Studium der Theologie. Nun unter anderem Griechisch und Hebräisch zu erlernen, erforderte ein hohes Lernpensum, an den Abenden wie an den Wochenenden. „Aber was ich machte, das wollte ich ganz machen.“ Dazu fand der Student noch die Zeit, anderen Kommilitonen beim Lernen zu helfen. Und selbst in den Semesterferien begleitete ihn die Berufung seines Berufs, wenn er daheim in Reinbek Vertretungsgottesdienste abhielt.

Die erste Pfarrstelle führte den gebürtigen Nordfriesen im Alter von 33 Jahren nach Ostfriesland. Hier, in den verstreuten Dörfer seines Bezirks, galt es bis zu vier Gottesdienste an einem Tag abzuhalten und dazu in den Schulen Religionsunterricht zu erteilen.

Seine einstige Heimat aber hatte Jochim Hartung nie vergessen und als 1969 der Morsumer Pastor Hans Ingwers in Ruhestand ging, beerbte er ihn in seinem Amt. Es war anfangs nicht leicht, die alten Friesen im Dorf für sich zu gewinnen. Doch zahlreiche Hausbesuche ebneten dem neuen Pastor den Weg. Und der zeigte sich in der Kirchenarbeit gar nicht konservativ, sondern sehr kreativ: Viele Veranstaltungen, die noch heute Bestand haben, wurden durch Jochim Hartung initiiert. Er lud zu Gesprächsabenden und begründete die sommerlichen Konzertreihen – schon früh konnte er dafür den bekannten Trompeten-Virtuosen Ludwig Güttler gewinnen, der noch heute die Zuhörer reihenweise in die Morsumer Kirche lockt.

Auch die Orgelvespern und die Nachtwanderungen führte Jochim Hartung ein, der 1971 selbst vor dem Traualtar stand. Große Freude bereiten ihm bis heute die 1974 erstmals unternommenen Kirchenfahrten. Gemeinsam mit bis zu 40 Syltern wurden Länder wie Norwegen und Polen, Italien und Irland erkundet, was nicht nur neue Eindrücke bot, sondern auch „die Gemeinschaft und den Glauben förderte“. Schon jetzt freut sich der Pastor auf die nächste Fahrt, die im Mai nach Frankreich führen wird.

Bei Spaziergängen und im Garten, wo das Ehepaar etwas Gemüse zieht, findet Jochim Hartung Entspannung. Geben ist seliger denn Nehmen – doch woher nimmt man ein Leben lang die Kraft, für andere da zu sein? „Von Gott. Und ihm danke ich jeden Abend dafür, dass er mir wieder einen Tag geschenkt hat.“





zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen