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Fusion : Einheitsbürger: Der Blick nach vorne

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Der Entscheid für eine Fusion von Sylt-Ost und Westerland war ein großer Erfolg für die "Bürger für Sylt als Einheit". Am Mittwochabend diskutierten sie das künftige Vorgehen.

Sylt | Eine Bürgerin aus Wenningstedt-Braderup stand sinnbildlich für die Aufbruchsstimmung bei den "Bürgern für Sylt als Einheit", die sich am Mittwochabend in der Alten Post trafen. Sie sei nach dem positiven Bürgerentscheid vom Wochenende voller Elan und wolle am liebsten schon am nächsten Morgen durch ihren Ort ziehen und Unterschriften für die Fusion sammeln. "Ich brauche nur noch einen Zettel." Dann war die Dame verschwunden.

Genau diesen Eifer wünschen sich die Einheitsbürger in den kommenden Monaten. Fünfeinhalb Jahre lang hatten sie sich in der Alten Post einmal monatlich getroffen, um auf das jetzt erreichte Ergebnis hinzuarbeiten. "Jetzt ist es endlich soweit. Der Bürgerwille hat gesiegt und den neu gewählten Politikern einen eindeutigen Auftrag mit auf den Weg gegeben", freute sich Katja Petersen. Und Edda Raspé ergänzte: "Heute haben wir einen guten Grund zu feiern."
Man muss den Gemeinden Lust auf Fusion machen

Aber mehr als ein - wenn auch großer - Etappensieg war es nicht. "Unser Ziel bleibt die Gesamtfusion", betonte Petersen. "Wir wollen den Moment nutzen, um an die Gemeindevertreter und Bürger der anderen Orte zu appellieren, dass auch sie das Instrument des Bürgerentscheids nutzen können." Bernd Juris-Diehle aus Hörnum verdeutlichte aber, dass es in den anderen Orten nach wie vor Vorbehalte gegen die Fusion gebe. Er warnte: "Wir sollten den Erfolg jetzt nicht durch eine Zwanghaftigkeit kaputt machen." Vielmehr müsse man den Bürgern nun die Angst nehmen und den Gemeinden Lust auf die Fusion machen.

Doch der Glaube an den Kerngedanken des deutschen Föderalismus - "Einheit in Vielfalt" - scheint auf kommunaler Ebene nicht so einfach in den Köpfen anzukommen. "Was ist beispielsweise, wenn in einer fusionierten Großgemeinde Rantum keine Stimme im Insel-Parlament bekäme, da es einen Wahlkreis mit Hörnum bildet?", machte sich Boy Carstensen um das Mitspracherecht seines Ortes Sorgen. Genau in dieser Frage erkannte Karl-Rydgard Andersen das wesentliche Problem in der Fusionsdiskussion. "Der Westerländer ist nach der Fusion nicht mehr nur Westerländer, er ist ebenso Rantumer. Hier wird ein Umdenken einsetzen müssen."

Dass sich auch die anderen Orte früher oder später einem Anschluss an ein gemeinsames Amt nicht mehr verschließen können, darüber waren sich alle Beteiligten einig. "Es gibt nur die eine Lösung auf der Insel", sagte Andreas Tietze (Grüne). "Man muss jetzt aber die Gestaltungsfreiheit nutzen und konstruktiv verhandeln." In die gleiche Kerbe schlug Gerd P. Werner (Grüne), der monierte, was viele Sylter noch gar nicht begriffen hätten: "Wir werden diese Freiheit zu gestalten nicht ewig haben. Irgendwann wird einfach zwangsfusioniert." Seiner Einschätzung nach lägen Wenningstedt und List "weit vorn", wenn es um die Fusionsbereitschaft geht. Leo Wittmeier, Alt-Bürgermeister der nördlichsten Inselgemeinde, wurde gar drastisch: "Sieben Kurverwaltungen auf dieser kleinen Insel - das kotzt mich an. Diese Größenordnungen können wir uns hier in Zukunft nicht mehr leisten." Sein Ort sei gut beraten, sich alsbald einer Fusion anzuschließen.

Und während die Einheitsbürger auf ihren (Teil-)Erfolg mit einem Glas Sekt anstießen, wurden in Wenningstedt wahrscheinlich schon Blöcke und Stifte für den nächsten Tag gezückt.

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erstellt am 05.Jun.2008 | 05:55 Uhr

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