Eine Tief-Terrasse in 3-D und Morsums beste Gäste

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29. Oktober 2011, 07:22 Uhr

Ehre, wem Ehre gebührt: Auch wenn in seiner Küche keine Sterne glitzern, hat Herbert Seckler die ihm am Montag verliehene Auszeichnung als Gastronom des Jahres natürlich vollstens verdient. Ebenso wie das Lob von Günter Netzer, der ihn als "Menschenfänger" und seine Sansibar als "Oase der Zufriedenheit" titulierte. Dass der große, kleine Schwabe das selbst bei aller Bescheidenheit sehr wohl weiß, ließ er in seiner kurzen Dankesrede allerdings nur zwischen den Zeilen durchblicken. Mit Blick auf knapp zwei Dutzend hoch dekorierte deutsche und österreichische Spitzenköche verriet er das Geheimnis seines Erfolges: "Ihr seid die Besten, aber wir haben die besten Gäste." Spiel, Satz und Sieg für Seckler.

Einer, der dem ungekrönten König von Sansibar in nichts nachsteht, ist sein Kollege mit dem Plüsch-Hummer in der Hemdtasche. Obwohl manch ein meeresferner Sylt-Urlauber Jürgen Gosch für den Erfinder des Fischs hält, ist und bleibt der Lister Matjes-Höker tief in seinem Herzen ein Maurer. Logisch, dass er da öfter mal auf der Baustelle seines neuen Scampi-Tempels am Wenningstedter Kliff vorbeischaut. Und das ist auch gut so. Fiel seinem Experten-Auge doch sofort auf, dass mit dem Bau irgend etwas nicht stimmte. Sein Kommentar: "Ihr kommt ja gar nicht aus dem Boden raus." Gedacht haben wird das vor ihm vielleicht auch schon der Eine oder Andere, doch wenn Cheffe es ausspricht, misst man lieber mal nach. Und siehe da: Der Keller liegt satte 80 Zentimeter - oder eine Aal-Länge - tiefer als er sollte. Hätte Jünne nicht aufgepasst, müssten wir unser Fischbrötchen im nächsten Sommer auf einer Souterrain-Terrasse verputzen.

Da hat Franz Beilmann den Fusionsgegnern im Sylter Osten einen wirklich grandiosen Steilpass geliefert: Bei der Diskussion über die Erhöhung der Straßenreinigungsgebühr in Westerland regte der Wählergemeinschaft-Veteran an, diese bislang nur in Westerland ausgeschöpfte Einnahmequelle künftig im gesamten Großgemeindegebiet anzuwenden. Allein das dürfte jenseits der alten Gemeindegrenzen schon genügend Stoff für Stammtisch-Tiraden bieten. Dabei wollte Beilmann gerade die Morsumer verschonen weils "da ja keine Bürgersteige gibt". Auweia. Da zahlt ein Morsumer doch lieber freiwillig das Doppelte, als sich so etwas von einem Westerländer sagen zu lassen.

Braucht Westerland ein Stadtmodell aus Bronze? Während der Ortsbeirat von der Idee entzückt war, kam der Vorschlag bei der Sylter Online-Community alles andere als gut weg. Auf der Facebook-Seite von "Gas tropirat Sylt" (Danke fürs fleißige Posten unserer Artikel) hagelte es jedenfalls Hohn und Spott. Tenor der digitalen Meinungsbildung: Nutzlos und teuer, aber immerhin nicht so hässlich wie die grünen Riesen. Neben viel Ironie gabs aber auch konstruktive Kritik. So wie von Jan-Dirk, der ein digitales 3-D-Modell moderner findet. Größter Vorteil: Man kann damit viel schneller auf Abriss und Neubau von Gebäuden reagieren. Super! Schade nur, dass die Blinden und Sehbehinderten, für die das Modell gedacht ist, nix davon haben.

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