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Umfrage am Syltshuttle : Eine Strecke, zwei Anbieter: „Konkurrenz wird das Geschäft beleben“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Was erwarten Insulaner und Urlaubsgäste vom künftigen Wettbewerb beim Autozug? Die Sylter Rundschau hat vor Ort nachgefragt.

shz.de von
erstellt am 03.Sep.2015 | 10:24 Uhr

Ab Mitte Dezember sollen zwei konkurrierende Unternehmen mit Autozügen nach Sylt fahren. Die Railroad Development Corporation (RDC) hat noch vor Ablauf der Einspruchsfrist am heutigen Donnerstag erklärt, alle von der DB Netz AG angebotenen Trassen anzunehmen und mit je acht An- und Abfahrten in das lukrative Transportgeschäft einzusteigen. Überwiegend werde RDC morgens und abends fahren, tagsüber aber zum Beispiel auch um 13.30 Uhr ab Westerland oder um 15.35 Uhr ab Niebüll, bestätigte Geschäftsführer Carsten Carstensen. Obwohl RDC wesentlich weniger Fahrten durchführen kann als erhofft, will das Unternehmen auf rechtliche Schritte verzichten. Damit wird es so kommen, wie von vielen erwartet und von manchen befürchtet. Doch was sagen die betroffenen Nutzer des Autozuges zum künftigen Konkurrenzkampf auf der Strecke? Die Sylter Rundschau hat Insulaner und Urlaubsgäste an der Verladestation in Westerland befragt.

Stefan Bröker (30) aus Berlin fährt regelmäßig mit dem Syltshuttle zum Arbeiten auf die Insel. „Die Konkurrenz zwischen der Deutschen Bahn und RDC wird das Geschäft sicher beleben. Wenn du Platzhirsch bist, dann brauchst du über deine Qualität nicht nachzudenken. Wenn du Konkurrenz bekommst, dann musst du drüber nachdenken – und dann wirst du meist besser“, ist er überzeugt. Bröker erwartet, dass im Dezember mehr Züge fahren, die Wartezeiten – die derzeit seiner Meinung nach viel zu lang sind – kürzer werden und die Preise sinken könnten.

Auch Miro Meyer (37) aus Himmelpforten bei Stade kommt regelmäßig mit dem Autozug nach Sylt, um Verwandte zu besuchen, die hier leben. Für ihn mache es keinen Unterschied, ob die Strecke von einem oder zwei Unternehmen befahren wird. „Solange sich die Preise stabil halten und ich den Zug so nutzen kann wie jetzt, ist das in Ordnung“, sagt der Niedersachse. Bisher sei er immer sehr zufrieden gewesen mit dem Syltshuttle. „Ich bin da ohne Kritikpunkte.“ Dass die Kunden große Veränderungen erwarten, wenn RDC und Deutsche Bahn die Strecke bedienen, kann Meyer sich nicht vorstellen.

Das sieht Rolf Henze (74) von der Insel ganz anders: „Die müssen sich einigen – ich weiß nicht, wie RDC das hinkriegen will, wenn die – sagen wir mal – fünf oder sechs Fahrten haben, mit dem Kassieren und so weiter“, sagt er. Zwar ist auch Henze der Meinung, dass Wettbewerb beleben kann: „Nur, so wie sie das jetzt vorhaben, bringt es uns nicht weiter“, ist er sich ganz sicher. „Da sind ja noch keine Waggons gebaut, die haben auch die Lokomotiven noch nicht und ab Winter wollen sie schon fahren. Wir haben die Probewagen gesehen – das war so ähnlich, wie solche, die wir vor dem Krieg gefahren sind, mit den Anhängern da“, ärgert sich der Sylter Senior, der regelmäßig mit dem Autozug unterwegs ist.

Genauso wie Michael Kreuzfeld (32) – der Insulaner fährt beruflich täglich ein bis zwei Mal mit dem Shuttle zwischen Sylt und dem Festland. Dass der Autozug bald von zwei Anbietern betrieben wird, findet er problematisch. An eine belebende Wirkung durch die Konkurrenz glaubt er nicht – ganz im Gegenteil: Das werde nur Probleme verursachen. „Wir haben jetzt zwei Züge, die mehrmals täglich fahren, wenn da jetzt noch einer zwischengrätscht, haut das nicht hin. Außerdem könnte der Streckenausbau problematisch werden. Da müsste der Bahnhof in Niebüll und in Westerland größer werden und hier ist gar kein Platz dafür“, sagt er. So, wie es im Moment läuft, ist Kreuzfeld sehr zufrieden. „Wir kommen hier täglich rüber und es läuft. Okay, kleine Probleme gibt es immer, aber das liegt meistens nicht an der Bahn.“

Der Österreicherin Eva Klug (54) ist die Debatte um den Autozug relativ gleichgültig: „Für mich ist es wichtig, dass ich auf die Insel komme und wieder zurück. Welches Unternehmen für den Transport verantwortlich ist, davon habe ich keine Ahnung“, sagt die Urlauberin vor ihrer Abreise aufs Festland. Sollten die Bahn und RDC die Trasse bedienen, rechnet sie damit, dass die Takte kürzer werden und der Andrang zu Stoßzeiten minimiert wird.

Frank Scholl (54) aus Waiblingen in Baden-Württemberg erhofft sich von der Konkurrenzsituation sinkende Preise für die Überfahrt von der Insel und auf die Insel. Wer für die Verladung und den Transport zuständig ist, sei auch für ihn nicht entscheidend. „Von der Serviceseite her gibt es keinen Handlungsbedarf beim Autozug – das finde ich alles prima und es klappt auch sehr gut mit der Bahnverladung“, sagt er. Wichtiger findet Scholl, dass das Bahnhofsumfeld in Westerland schöner gestaltet wird. „Ich denke das immer wieder, wenn man um den Bahnhof herumfährt: Der Teil könnte echt verschönert werden, die Skulpturen vor dem Bahnhof finde ich aber klasse“, sagt er. Große Veränderungen werde es, seiner Meinung nach, im Winter durch die neue Situation mit zwei Betreibern der Strecke nicht geben: „Verschlechterungen erwarte ich nicht durch die Konkurrenz – weil, die Anlagen existieren ja und das Konzept wird sich auch nicht ändern.“

Das sieht die Sylterin Corinna Dechant (43), die gerade auf dem Weg zu einer Fortbildung auf dem Festland ist, etwas differenzierter. „Das größte Problem wird die Reservierung sein und zu gucken, welches Auto mit welchem Autozug fährt. Bei den Schlangen, die hier im Sommer sind, da weiß ich nicht, wie die das hinbekommen wollen. Ich glaube, das wird nicht gut funktionieren.“ Auch die Preise für den Transport sind Dechant zu hoch. Außerdem wünscht sie sich eine eigene Spur für Insulaner: „Gerade, wenn man im Sommer irgendwo hin muss, zu einem Arzttermin oder zu Veranstaltungen auf dem Festland, muss man teilweisestundenlang warten, um von der Insel runter zu kommen“, klagt sie.

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