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Sylter Rundschau

14. Dezember 2017 | 00:16 Uhr

Eine Stadtkirche mit Größe

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der achte Teil der SR-Serie über die Geschichte und Architektur der Sylter Gotteshäuser widmet sich der Westerländer Stadtkirche St. Nicolai

von
erstellt am 31.Dez.2013 | 00:33 Uhr

Vom Alter her kann die Westerländer Stadtkirche St. Nicolai mit ihren 105 Jahren nicht mit anderen Gotteshäusern auf der Insel konkurrieren. Wenn es um die Größe geht, übertrifft sie allerdings alle: St. Nicolai ist mit ihren 650 Sitzplätzen die größte Kirche im Kirchenkreis Nordfriesland. Das Platzangebot war auch der Hauptgrund für den Bau von St. Nicolai als zweite evangelische Kirche in Westerland neben St. Niels. Die Dorfkirche war für die Menschen des Ortes einfach zu klein geworden, wie die ehemalige Mitarbeiterin der Sylter Rundschau, Carla Petersen, auf der Internetseite der Kirchengemeinde schreibt: Waren es 1885 noch 859 Einwohner, so verdoppelte sich die Bevölkerung innerhalb von zehn Jahren. Rasanter noch wuchs die Zahl der Kurgäste, trotz der umständlichen Reise über das Wattenmeer. Bis Westerland 1905 - fünfzig Jahre nach der Gründung des Bades - die Stadtrechte verliehen wurden, waren es über 20 000.

Trotzdem war es ein steiniger Weg, bis der Bau der Kirche schließlich begonnen werden konnte. Denn als die Insulaner 1898 in Berlin bei Oberpräsident Köller vorsprachen, lautete die Antwort: „Kommen Sie nach 30 Jahren mit Ihrem Kirchenbau wieder“. Aber man ließ sich nicht entmutigen. Das Grundstück in der Maybachstraße wurde für 9 000 Deutsche Mark erworben und 1906 begann der Bau nach Plänen des Geheimen Oberbauraths Hosfeld. Die Bauaufsicht übertrug man dem Westerländer Architekten Bomhoff. Von den Gesamtkosten von 125 000 DM wurden 35 000 DM durch Westerländer Bürger und Kurgäste aufgebracht.

Dass es schließlich mit der Finanzierung geklappt hat, hing laut Pastor Christoph Bornemann auch mit dem Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten zusammen. Denn 1869 bauten die Katholiken auf Antrieb des österreichischen Jägers Wenzel Wohner eine Kirche im Zentrum des blühenden Seebades. „Die evangelische Kirche hingegen war viel zu klein und befand sich noch dazu am Ortsrand“, erklärt Bornemann.

Die evangelischen und katholischen Christen waren zu jener Zeit nicht gerade gut aufeinander zu sprechen. „Als die Katholiken ihre neue Kirche hatten, wuchs auch bei den Protestanten der Wunsch nach einem eigenen großen Gottesdienst im Zentrum Westerlands“, so Bornemann. So kam es dazu, dass 1906 der Grundstein für St. Nicolai gelegt wurde und der Bau zwei Jahre später fertig wurde.

1963 entschied man sich für eine Renovierung. Praktisch wurden alle Schnitzereien und Dekorationen aus dem Gotteshaus verbannt und die Wände und sogar der bronzene Kronleuchter grau gestrichen. „Man wollte von dem Überladenen des Kaiserreichs und der Kriegszeiten weg und alles loswerden, was vom Gebet ablenkt“, so Bornemann. „Heute würde man so etwas einen Kahlschlag nennen.“ Viele der Kunstschätze aus der Kirche landeten auf verschlungenen Wegen in der Sylter Bevölkerung und bis heute kehren immer wieder Stücke in die Gemeinde zurück. Erst 30 Jahre später wurde die Kirche auch wieder bunter. Die Gemeinde finanzierte die Arbeitsmaterialien und die Malerinnung stellte die Arbeitskraft ihrer Lehrlinge kostenlos zur Verfügung, um die Kirche wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

Eine weitere Entwicklung der jüngeren Geschichte war die Beschaffung neuer Glocken. Die ursprünglichen Bronze-Glocken waren bereits während des ersten Weltkriegs eingeschmolzen und durch Stahlglocken ersetzt worden. Diese waren Anfang des 21. Jahrhunderts aber nicht mehr zu gebrauchen und die Gemeinde sammelte zwischen 2004 und 2006 Geld, um drei neue Glocken in Karlsruhe gießen zu lassen. Seitdem gibt es wieder ein vierstimmiges Geläut in St. Nicolai. 2008 wurde auch das Foyer neu gestaltet. „Man hat alte Holzstützen, die in den 60er Jahren zugemauert wurden, wieder aufgedeckt und Hans-Jürgen Westphal aus Keitum gestaltete die Schöpfungsgeschichte aus Glas“, sagt Pastor Bornemann. „Damit verbindet das Foyer Altes und Neues auf eine sehr stimmige Art und Weise – ebenso wie auch die Kirche eine Brücke zwischen Geschichte und Gegenwart schlägt.“





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