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Eine persönlichere Seite des Peer Steinbrück

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Der SPD-Politiker sprach im Kaamp-Hüs mit Journalist Michael Jürgs über sein Leben und sein neues Buch

Donnerstagabend, der Saal im Kaamp-Hüs ist rappelvoll. Die Zuschauer warten gespannt auf Peer Steinbrück (Foto), den ehemaligen Kanzlerkandidaten der SPD. Am Nachmittag hat er in Westerland schon fleißig sein neues Buch „Vertagte Zukunft“ signiert. Nun soll er darüber vor Publikum sprechen, dem ehemaligen Stern-Chefredakteur Michael Jürgs ist die Moderation des Abends anvertraut. Dieser erhofft sich einen „aufregenden, anregenden“, beizeiten sogar „krawalligen“ Abend. Das, was man sich von einem Politiker wünscht, der für seine Ecken und Kanten, sein Polarisieren bekannt ist.

Krawallig wird es aber nicht. Sondern sehr interessant, weil die Zuschauer hinter die Fassade eines Politikers schauen dürfen. Einen Steinbrück kennen lernen, der im Gegensatz zu Berichterstattung in Zeitung und Fernsehen sehr persönlich wird. Der in der Schule nicht nur einmal sitzen geblieben ist. 1963 als Parkwächter am Stadion vom HSV gedient hat, heute aber Borussia Dortmund die Daumen drückt. Eigentlich Journalist werden wollte. Der in den Siebzigern in seiner Kieler Wohngemeinschaft morgens um sechs aus seinem Bett heraus in den Lauf eines „Heckler & Koch“-Gewehrs vom Verfassungsschutz schauen musste, weil ihm und seinen „basisdemokratischen Mitbewohnern“ Verbindungen zur RAF unterstellt wurden.

Mit einfühlsamen Fragen und Anmerkungen begleitet Michael Jürgs den Politiker durch seine Jugend, bittet um Statements zu „Grexit“, Soli, Flüchtlingsstrom, Steuern und demographischem Wandel. Steinbrück antwortet interessiert und umfangreich. Beschreibt seinen „Varoufakis-Finger“ im Wahlkampf als „großen Fehler“, „da hätte ich eine Alarmglocke gebraucht“ und bedauert das schlechte Image seiner Partei: „Wer wählt schon eine unglückliche Partei, die ständig mit sich hadert?“ Er liest im Verlauf des Abends nur wenige Minuten aus seinem neuen Buch; vielmehr hat sich zwischen Politiker und Journalist ein tatsächlich anregender, teilweise von Humor geprägter Dialog auf Augenhöhe entwickelt. Jedenfalls so weit, wie Peer Steinbrück das erlaubt.

Zum Schluss bittet Michael Jürgs den Autor Steinbrück, das Plädoyer aus seinem Buch zu lesen. Steinbrück leitet das Finale in freier Rede ein. Spontan redet er sich dabei in einen derart leidenschaftlichen Aufruf für das gemeinsame Gestalten von Politik, dass dagegen jede gelesene Zeile erblasst wäre.

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erstellt am 28.Aug.2015 | 18:38 Uhr

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