zur Navigation springen

Kommentar : Eine Ohrfeige, die niemandem etwas bringt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Politik der Gemeinde Sylt präsentiert sich gerade nicht sonderlich vorteilhaft, findet unsere Autorin.

„Da kann sich Frau Reußner ja freuen, jetzt hat sie morgen wieder ordentlich was zu schreiben“, kommentierte ein bitterer Oliver Ewald am Donnerstag die Debatte der Gemeindevertreter über die Verwaltungsreform von Bürgermeister Nikolas Häckel. Freue ich mich? Klar, als Journalistin ist es in der Tat spannend, über Themen zu schreiben, die eine gewisse Sprengkraft besitzen. Als Bürgerin dieser Gemeinde aber freue ich mich nicht. Als Bürgerin der Gemeinde Sylt bin ich entsetzt. Entsetzt über die Politik, die hier derzeit betrieben wird, bei der offenbar niemand mehr in der Lage ist, mal drei Meter vor der Eskalation abzubremsen. In diese Kritik schließe ich den Bürgermeister übrigens in Teilen mit ein. Er macht auch Politik, ob er es nun will oder nicht. Debatten wie die am Donnerstagabend sind schädlich - da gebe ich Oliver Ewald recht.

Aber zum eigentlichen Thema, um das es am Donnerstag ging:

Ist eine Verwaltungsreform sinnvoll? Für denjenigen, der den Laden leitet, offenbar schon. Dass neue Chefs, egal ob in Behörden oder in der freien Wirtschaft, Dinge gern nach ihren Vorstellungen ordnen wollen und sollen, ist nicht außergewöhnlich.

Versucht Nikolas Häckel, Macht bei sich zu bündeln? Das ist genauso offensichtlich wie die Tatsache, dass es bei dieser Aktion natürlich auch um Personalfragen geht, nicht nur um „Prozesse“, wie der Bürgermeister gern betont. Unter anderem, um das mal klar zu sagen, geht es darum, den derzeitigen Bauamtsleiter Martin Seemann zu entmachten.

Darf man Nikolas Häckel deshalb für diese Reform kritisieren? Klar. Man darf ihn auch bei der nächsten Bürgermeisterwahl abwählen. Wenn man der Ansicht ist, dass er jetzt schon untragbar ist, kann man als Politiker auch jetzt schon versuchen, ein Abwahlverfahren zu starten.

Wenn dem aber nicht so ist - und das scheint der Fall zu sein – dann sollte man Nikolas Häckel einfach seine Arbeit machen lassen. Das sind die Spielregeln, an die sollte sich die Politik halten. Ihre Aufgabe ist es, klare, sinnvolle, durchführbare Beschlüsse im Sinne dieser Insel zu treffen. Die hat Nikolas Häckel mit der Verwaltung dann umzusetzen. Das mit den klaren Beschlüssen kriegt die Politik aber derzeit nur begrenzt hin. Vielleicht wäre das einmal ein Thema, was die Herren und Damen tiefergehend diskutieren sollten. Ein klares Signal zu senden, daran ist die Politik übrigens auch am Donnerstagabend gescheitert: Das Ergebnis der Abstimmung ist zwar eine schallende Ohrfeige für den Bürgermeister – trotzdem kann er machen, was er will. Wenn die Politik die Reform wirklich für so schädlich hält, dass man sie hätte verhindern müssen, dann hätte sie sich so weit zusammen raufen müssen, dass die nötige Zweidrittel-Mehrheit zustande kommt. Ich hätte das für falsch gehalten. Aber für konsequenter und würdevoller als diese Scharade.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

zur Startseite

von
erstellt am 18.Dez.2015 | 17:48 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen