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Schliessung Sylter Geburtenstation : „Eine Lösung ist auf Sylt möglich“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Kieler Direktor der Universitätsfrauenklinik, Prof. Dr. Walter Jonat, äußert sich zur Problematik der Geburtshilfe auf Sylt

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Die seit Monaten heiß diskutierte Problematik der Sylter Geburtshilfe wird auch von einem Mann verfolgt, der als häufiger Gast auf der Insel ist: der Kieler Direktor der Universitätsfrauenklinik Prof. Dr. med. Walter Jonat. Der Gynäkologe ist als Chef der schleswig-holsteinischen Hebammenschule und Präsident und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe tief vertraut mit den Risiken und Chancen, die ein Modell wie das des „Sylter Kreißsaals“ birgt.

Für Jonat ist dabei vor allem die Schnittstelle zwischen Entbindung und ärztlicher Versorgung der Neugeboren der sensibelste und wichtigste Punkt. „Ich muss da eine Lanze für die Hebammen brechen, die sich nicht auf das Risiko einlassen können, nur mit Belegärzten im Hintergrund zu arbeiten. Das bedeutet, dass sie fast allein die Risiken zu tragen hätten, die bei jeder Geburt auftreten können.“

Für Jonat ist dieses Risiko nur gemeinsam mit Ärzten zu tragen, die sofort zur Stelle sind, wenn das Kind zum Beispiel als Frühgeburt eine akute Versorgung benötigt. Doch eine solche Lösung kostet Geld, viel Geld, denn die Ärzte wollen angemessen gut bezahlt werden. Der Kieler Mediziner sieht deshalb in dem Konflikt um die Aufrechterhaltung der Geburtshilfe auf Sylt zu allererst ein „wirtschaftliches Problem, weil die Investition enorm wären, die Erträge aber nicht.“

Jonat fragt sich allerdings, „warum hat man uns nicht gefragt, welche Chancen die Geburtshilfe auf Sylt mit den vorhandenen Möglichkeiten hat? Mit den Hebammen eine Lösung zu finden, halte ich für denkbar. Ich glaube, dass sich die bisherige Einrichtung erhalten lässt. Nach meinem Verständnis muss auch der Träger eines Krankenhauses, also Asklepios, eine solche Einrichtung vorhalten. Er kann ja nicht einfach sagen, ich mache diese Versorgung nicht mehr. Dann muss er aus dem Krankenhausbedarfsplan gestrichen werden.“

Der Chef der Uniklinik weiß aber auch, dass die Forderung, die Geburtshilfe auf Sylt zu erhalten, angesichts der aktuellen Entwicklungen ein Luxus ist. „In allen anderen Ländern Europas gibt es schon lange keine Geburtshilfe mehr in kleineren Ortschaften, sondern eine Konzentration auf Geburtskliniken, bei denen die Entbindungszahlen bei bis zu 6 000 Entbindungen pro Jahr liegen. Was haben wir also: Eine massive Konzentration, weil zum einen Ärzte fehlen, aber man es sich auch wirtschaftlich nicht leisten kann. Die Zentralisierung gibt es überall. Die wird es auch in Deutschland vermehrt geben. Die Tatsache, dass jede Frau in einem Radius von wenigen Kilometern eine Klinik findet, in die sie gehen kann, ist ein Luxus, den wir uns bald nicht mehr leisten können. In vielen Ländern gibt es den nicht mehr. Das macht die Sache so schwierig.“

Mit Blick auf die Politik, deren Vertreter immer gern versprechen, in ihren Orten und Gemeinden auch zukünftig Geburtshilfe zu erhalten, fordert Walter Jonat, „ehrlich zu sein, denn man muss wissen, was das kostet und wer das bezahlen soll.“ Kliniken an private Betreiber zu verkaufen, um sich damit von allen Verpflichtungen zu entbinden, scheint ihm nach den aktuellen Erfahrungen nicht die Ideallösung zu sein.

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