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Ausstellungen auf Sylt : Eine Liebe zur Kunst, die vereint und verbindet

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im Kampener „Haus Meeresruh“ zeigen Rainer Herold und sein Sohn Patrick Werke ganz unterschiedlicher Stilrichtungen

shz.de von
erstellt am 03.Jun.2017 | 05:03 Uhr

Vom „guten Klang“ sprach Schiller einst in seinem „Lied von der Glocke“. Dann nämlich, wenn sich Gegensätze zu einem engen Miteinander finden. Nicht anders bei Rainer und Patrick Herold. Vater und Sohn – und zwei Galeristen aus Leidenschaft. Das Kampener „Haus Meeresruh“ vereint unter einem Dach beider Kunsthandlungen, die sich allerdings jeweils unterschiedlichen Stilrichtungen verschrieben haben.

Von jeher fühlt sich Rainer Herold der Norddeutschen Kunst verpflichtet. Seine neue Werkschau, die am Pfingstsonntag, 4. Juni, ihre Pforten öffnet, widmet sich in diesem Jahr „Drei Künstlern der Hamburgischen Sezession: Willem Grimm – Ivo Hauptmann – Eduard Bargheer“, so der Titel. Bekannte Namen, und es will scheinen: auch bekannte Werke. Von wegen! Die etwa 50 präsentierten Bilder – in deren Mitte Herold zwei ausdrucksstarke Plastiken Ernst Barlachs positioniert hat, etwa „Zwei lesende Klosterschüler“ – laden ein zu einer spannenden Entdeckungsreise. Sie reicht von Sylt über Südfrankreich bis ins ferne Nordafrika.

Da drängt sich rasch Willem Grimms Rummelpott-Bild dem Auge des Besuchers auf. Oder seine mit schwarzer Tusche gestaltete „Wattenlandschaft bei Munkmarsch“ von 1960, das mit wenigen Pinsel-Strichen die der insularen Ostseite eigene Stimmung einzufangen vermag. „Sylt-Bilder von Willem Grimm finde ich besonders schön“, bekennt Rainer Herold und weiß zu erzählen, dass der Künstler in den 1930er-Jahren gemeinsam mit Eduard Bargheer häufig die Insel besuchte und immer wieder insbesondere die Strukturen des Wattenmeeres zum Thema erhob.

Ivo Hauptmann, malender Sohn des schreibenden Literatur-Nobelpreisträgers Gerhart Hauptmann, scheint in den unterschiedlichsten Maltechniken und Stilrichtungen zu Hause zu sein. Mal ist es der Expressionismus, dann wieder arbeitet er – etwa um 1905, inspiriert durch einen Parisbesuch – pointilistisch. Als 17-Jähriger lernte er Paul Signac kennen und blieb sein Leben lang mit ihm befreundet.

„Badende an der Elbe“ (Öl, um 1920) zeugt davon ebenso von dieser Technik wie Szenen aus dem südfranzösischen St. Tropez, wo Signac ein Haus besaß.

Auf den ersten Blick beinahe unscheinbar mutet dagegen Hauptmanns in unmittelbarer Nachbarschaft hängendes, impressionistisch gemaltes Pastell „Im Park“ (1908) an.Verleitet und verlockt diese menschenleere Einsamkeit mit ihrer überaus zarten Farbgebung nicht geradeqwegs zum Träumen? Eines der schönsten Werke Hauptmanns positioniert Herold (absichtlich, quasi als Besucher-Lohn der Erkundungen?) ganz in der äußersten Ecke seines „Hauptmann-Kabinetts“. Hier genau findet sich das Aquarell „Lastkähne an der Seine“ (um 1912), zu dem der Galerist wie beiläufig bemerkt: „Seine Aquarelle sind wunderschön!“

Mit Eduard Bargheer geht es von Sylt über Hamburg („Fischerhäuser von Finkenwerder“, Öl, um 1928) in den Süden. Man muss wissen, dass er mit Paul Klee befreundet war und durch dessen Tunis-Reise stark inspiriert wurde. Das Aquarell „Südliche Stadt“ (1957), ganz in abstrakter expressionistischer Manier gehalten, zeugt von einer Nordafrika-Reise Bargheers, die er auf den Spuren seines längst verstorbenen Künstler-Freundes unternahm.

Nur eine Tür weiter und also gleich nebenan: Da tut sich eine ganz andere Welt der Kunst auf. Patrick Herold besitzt die geschickte Hand eines Galeristen, die dem Kunstinteressierten neben angesagten Namen insbesondere gediegene Qualität anbietet – keine „Eintagsfliegen“, die der Kunstbetrieb zu Genüge kennen mag. Gleich am Eingang grüßt Rainer Fettings „Selbstportrait mit Pfingstrosen“ (Öl, 1989) den Besucher. Alle Achtung, ist doch Fetting „einer unserer bedeutendsten zeitgenössischen Künstler, der in über 50 Museen der Welt zu finden ist“, weiß Herold zu erzählen.

Unwillkürlich in seinen Bann zieht den Betrachter der Künstler Walter Stöhrer. Etwa mit einem titellosen Werk voller farbiger Explosionen (1997). Stöhrer (1937 – 2000) wohl einer der „bedeutendsten zeitgenössischen Künstler“ (Herold), Schüler HAP Grieshabers und Vertreter Malerei voller expressiver Abstraktion, pflegte zeitlebens sein eigenständiges, individuelles Profil. Die Grundfarben Rot, Gelb und Blau dominieren zuallermeist seine großflächigen Bilder – Patrick Herold freut sich, diesen Künstler mit gleich zwei bedeutenden Werken seinen Besuchern präsentieren zu können. Daneben gilt es auch in dieser sich der zeitgenössischen Kunst verschreibenden Galerie auf Entdeckungsreise zu gehen. Simon Hehemann (geb. 1982), kubistisch arbeitend und vom Bauhaus inspiriert, will mit seinen „Metaphysischen Komplizen“ (2015) ebenso ergründet werden wie Heini Linkshänder (der einen Arm verlor und nur noch mit links arbeitet – darum sein Künstlername), dessen „Kopf III“ (Öl auf Holz, 2009) sich mir erst nach längerem Hinsehen mehr und mehr erschloss. Schließlich kam er mir beinahe vertraut, gar altbekannt vor. Oder Gotthard Graubner, der sehr wohl und ohne Abstriche mit Künstlern wie Baselitz oder Richter genannte werden darf.

Zwei Ausstellungen also, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie eint nicht nur das gemeinsame Dach, das beide Galerien behütet. Oder die besonders vertrauensvollen familiären Bande. Insbesondere ist es bei beiden die Freude an und die Liebe zur Kunst, die hier vereint und verbindet. Auf unterschiedlichen Wegen und in fruchtbarer Spannung zueinander öffnen beide ihre Türen für alle Kunstinteressierten. Zu Pfingsten können sich die Besucher in beiden Galerien den Werken widmen. Können schauen, bewundern, rätseln und urteilen - und sich an unterschiedlicher Kunst erfreuen. Das wird bestimmt manches Herz höher schlagen lassen!







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