Eine kleine Wahlnachlese

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01. Juni 2013, 03:59 Uhr

Während sich die alten und einige neue Kommunalpolitiker in den Sylter Gemeinden auf die Übernahme ihrer politischen Mandate vorbereiten, schwelt es hinter den Kulissen. Wenn es dumm kommt, droht nicht nur den Inselgemeinden, sondern womöglich ganz Schleswig-Holstein eine Wiederholung der Wahl vom letzten Sonntag, weil flächendeckend gegen den Grundsatz der geheimen Wahl verstoßen wurde. Dieser Ansicht ist zumindest der Tinnumer Andreas F., der diesen Grundsatz bei all jenen verletzt sieht, die wie er die Möglichkeit wahrgenommen haben, bereits vor dem Wahltag in der Wahlkabine der Inselverwaltung ihre Kreuzchen gemacht und in den Briefwahl-Umschlag gesteckt haben. Weil er den Wahlzettel in die Hand nehmen und den Umschlag zum Verschließen anlecken musste, stellt er die Frage, ob es überhaupt gesetzeskonform sei, "wenn ich meine Fingerabdrücke und meine DNA auf Wahlzettel und Umschlag hinterlasse". Schließlich sei es so durchaus möglich, die Identität des jeweiligen Wählers zu ermitteln.

Okay, darauf muss man erstmal kommen, aber so ganz Unrecht hat der gute Mann ja nicht. Auch wenn die Ermittlung der Identität erstens ziemlich viel Zeit der Wahlhelfer voraussetzt, zweitens die vorherige Registrierung von Fingerabdrücken und DNA des betreffenden Verdächtigen - pardon, Wählers - und drittens irgendjemanden, den es interessiert, wen Herr F. aus T. gewählt hat.

Aber darum geht es ja nicht, sondern wie so oft ums Prinzip. Oder um einen klitzekleinen Service für pflichtbewusste Staatsbürger. Herr F. wäre nämlich schon zufrieden, wenn in der Wahlkabine einfach ein kleines feuchtes Schwämmchen deponiert würde, wie man es aus dem guten alten Postamt kennt. Unser Tipp für alle besorgten Briefwähler: einfach dünne Handschuhe und eine Tube Alleskleber mit in die Wahlkabine nehmen - wessen Fingerabdrücke und DNA aktenkundig sind, der dürfte solche Utensilien vermutlich stets dabei haben.

Ungeachtet der Folgen des Briefwahl-Skandals wird im Westerländer Rathaus fieberhaft nach einer Lösung gesucht, wie man künftig 36 statt 28 Gemeinderäte im Ratssaal unterbringen soll. Da kann man nur hoffen, dass jetzt keine weiteren Möbel-Monster geordert werden, sondern wenn schon nicht personell so doch wenigstens einrichtungstechnisch verschlankt wird. Unser Tipp: Raus mit dem Eichen-Plunder und den Leder-Thronen und her mit purer Funktionalität. Vor allem bei den Stühlen darf es gerne ein bisschen härter werden - wer unbequem sitzt, wird sich gut überlegen, ob sein Redebeitrag der Wahrheitsfindung dient oder die Diskussion einfach nur in die Länge zieht.

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