zur Navigation springen
Sylter Rundschau

18. Oktober 2017 | 23:03 Uhr

Pflege auf Sylt : Eine Frage der Bezahlung

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Seniorenheime der Insel suchen dringend neue Fachkräfte. Leiden auch andere Institutionen auf der Insel unter Personalnot?

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2016 | 06:35 Uhr

Die Kritik an der Situation der Seniorenheime, die im jüngsten Sozialausschuss der Gemeinde Sylt laut wurde, sorgte in den vergangenen Tagen für Aufsehen. Ihr Kernpunkt: Fehlende Fach-Pflegekräfte in den Einrichtungen sorgen dafür, dass viele Insulaner beklagen, dass die Pflegesituation auf der Insel nicht mehr ideal ist (wir berichteten). Handelt es sich hierbei um ein spezifisches Problem der Pflegeheime oder haben auch andere Institutionen die gleichen Sorgen? Wir haben nachgefragt:

Michael Pade, Betriebsleiter der Sylter Werkstätten in Tinnum, sieht die Ursache für den Fachkräftemangel ganz klar in den schlechten Gehältern im Altenpflegebereich und findet deutliche Worte: „Alte Leute sind der heutigen Gesellschaft leider nichts mehr wert.“ Die Rahmenbedingungen, unter denen das Pflegepersonal in der Bundesrepublik arbeiten müsse, seien „so dermaßen schlecht“, dass die Situation seinem Empfinden nach „unhaltbar“ ist. „Wenn sie sich dann auch noch an einem teuren Ort wie Sylt befinden, gibt es früher oder später natürlich enorme Personalprobleme – wie jetzt bei den Johannitern“, so Pade. Die Sylter Werkstätten hätten zwar keine Personalnot, allerdings würden die Gehälter der Einrichtung auch nicht aus der Pflegekasse, sondern aus einem anderen Topf, der Eingliederungshilfe, fließen: „Bei uns verdienen die Mitarbeiter zwar auch nicht besonders viel, aber im Gegensatz zu den Fachkräften in den Pflegeberufen, können wir wenigstens noch vernünftige Gehälter zahlen“, so Pade.
Dass die gesamte Situation für Pflegefachkräfte auf der Insel schwierig ist, bestätigt auch Kurt Windolf, Vorsitzender des Ortsvereins der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Westerland, die bis zum vergangenen Jahr das Seniorenheim im Wenningstedter Weg betrieben hatte. Ähnlich wie Pade sieht auch er die geringe Entlohnung des Personals als das Haupt-Problem des Fachkräftemangels, gleich gefolgt von dem insularen Fehlen von Dauerwohnraum. „Selbst, wenn mal eine Wohnung frei sein sollte, können sich Pflegekräfte diese nicht leisten, weil sie einfach zu wenig verdienen“, sagt er enttäuscht. Außerdem gebe es kaum noch Anreize, einen Pflegeberuf zu lernen: „Der Job in der Pflege ist einer der wenigen Berufe, bei man in der Ausbildung Geld mitbringen muss, und danach bekommt man so wenig, dass es gerade mal zum Leben reicht“, klagt er. Zusätzlich müsse die Pflege bis spät abends erfolgen, „dann haben viele keine Lust mehr, von der Insel aufs Festland zu pendeln“, so der AWO-Vorsitzende.
„Ohne Wohnung auf der Insel geht es nicht“, sagt auch Karl-Heinz Kroll vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), das auf der Insel ein Pflegeheim betreibt. Personalprobleme habe das DRK auf Sylt nicht, seine Pflegedienst-Mitarbeiter bekämen allerdings auch Personalwohnungen zur Verfügung gestellt, „die auch bezahlbar sind“, betont Kroll. Außerdem werde auf ein gutes Betriebsklima geachtet: „Fachkräftemangel in der Pflege gibt es in der gesamten Bundesrepublik“, weiß er, „daher ist es wichtig, dass die Mitarbeiter zufrieden sind und einfach das ganze Paket um die Arbeitsstelle stimmt, und das versuchen wir hier zu schaffen.“
Auf ein gutes Betriebsklima achtet auch Marco Oliver Pohl, Geschäftsführer der Lebenshilfe Sylt. Personalnot gebe es bei ihm derzeit nicht: „Wir haben genug Mitarbeiter und bekommen regelmäßig neue Bewerbungen, obwohl wir auch nicht besser bezahlen können als andere soziale Einrichtungen“, so Pohl. Ähnlich wie Kroll legt er viel Wert auf ein gutes Betriebsklima : „Wir kümmern uns um zufriedene Mitarbeiter und versuchen, ihnen Sicherheit in ihrem Job zu vermitteln“, sagt er. „Denn jeder möchte heutzutage doch sicherstellen, seine Familie ernähren zu können.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert