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Sylter Rundschau

21. August 2017 | 09:15 Uhr

„Eine Bankrotterklärung des Landes“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ministerium sieht keine Perspektive für Sylter Geburtshilfe / SSW bringt Boarding-House in Niebüll ins Gespräch

Auch wenn es am Donnerstagmorgen im Zug in Richtung Landeshauptstadt keiner der Reisenden so recht zugeben mochte – die Hoffnung, dass der Besuch im Kieler Landtag neue Perspektiven für die Sylter Geburtshilfe aufwerfen könnte, war noch nicht gestorben. Der Grund für die Fahrt: Der Sozialausschuss des Landtages hatte das Ende der Sylter Geburtshilfe auf die Tagesordnung gehoben. 15 Sylter, darunter Hebammen, Kommunalpolitiker und Bürgermeisterin Petra Reiber, hatten sich deswegen auf den Weg nach Kiel gemacht. „Wir wollen Flagge zeigen“, sagte Inselpirat Christian Thiessen trotzig.

Die Menschenmenge im Konferenzraum ließ erahnen, dass diese Sitzung mit einem populären Thema aufwarten würde. Schließlich nahm Sozial-Staatssekretärin Anette Langner vor einem der Mikrofone Platz und erklärte nochmals detailliert das, was das Gesundheitsministerium bereits am vergangenen Mittwoch verkündet hatte: „Aus der jetzigen Perspektive haben alle Optionen und Modelle nicht zu einer Lösung geführt.“ Neben einem chronologischen Überblick der Bemühungen des Ministeriums, mit den übrigen Akteuren auf und jenseits der Insel eine Lösung zu schmieden und dem folgenden Scheitern dieses „nahezu täglichen Einsatzes“, zeigte Langner auch Verständnis für die Enttäuschung der Insulaner: „Mir ist klar, was wir den Syltern zumuten. Ich wäre gerne in der Situation gewesen hier etwas Gutes zu berichten – aber die Situation ist wie sie ist.“

Schnell zielten die Fragen der Landtagsabgeordneten danach auf die Rolle des Asklepios-Konzerns, dem die Staatssekretärin daraufhin konsequent schlechte Noten ausstellte: „Der Kommunikationsprozess von Seiten der Nordseeklinik war ausgesprochen mangelhaft.“ Immer wenn man im Ministerium geglaubt habe, dass ein Problem gelöst sei, „kam Asklepios mit einem neuen Problem“. Diese Unwägbarkeiten haben am Ende des Tages aber nicht verhindert, dass das Ministerium nun den selben Standpunkt wie der Konzern vertritt und eine Fortsetzung der Geburtshilfe zum jetzigen Zeitpunkt wegen qualitativer Mängel ablehnt.

Auf die Frage von Astrid Damerow (CDU), ob private Träger wie Asklepios einer rechtlichen Kontrolle durch das Ministerium unterworfen seien, räumte Langner ein, dass dies noch nicht der Fall wäre. „Wir arbeiten zurzeit an einem Krankenhausgesetz für Schleswig-Holstein, das auch dies einführen soll.“

Entgegen den Gepflogenheiten des Sozialausschusses durfte Bürgermeisterin Petra Reiber schließlich für die Sylter das Wort ergreifen. Dies tat die Verwaltungschefin der Gemeinde Sylt dann auch mit Nachdruck und kritisierte das Land: „Die Sylter werden das so nicht hinnehmen. Man schmeißt die Flinte zu früh ins Korn.“ Sylt entstehe durch den Wegfall der Geburtshilfe großer Schaden: „Das ist der Einstieg in den demografischen Untergang der Insel. Wenn die Situation so bleibt, dann werden bald nur noch Rentner und Zweitwohnungsbesitzer auf Sylt leben“, machte Reiber ihrem Unmut Luft. Das Fehlen einer Geburtshilfe sei ein Standortnachteil. Dies könne junge Familien davon abhalten, auf die Insel zu ziehen.

Auch der Vorschlag aus den Reihen des SSW, in Niebüll ein Boarding-House einzurichten, war für die angereisten Sylter nicht der erhoffte Silberstreif am Horizont. Schließlich schoss Bürgermeisterin Petra Reiber den Ball unerwartet zurück ins Spielfeld: In einen Gespräch vor Weihnachten habe Nordseeklinik-Geschäftsführer Florian Nachtwey ihr angeboten, eine Geburtenstation für 1,2 Millionen Euro jährlich betreiben zu können. „Wenn sich Kreis, Land und Gemeinde diesen Betrag teilen würden, wäre dieser Weg vielleicht gangbar“, so Reiber.

Nach der Sitzung im Landeshaus mochte sich unter den Syltern nur vereinzelt Optimismus einstellen: „Ich nehme, nachdem was ich gehört habe, einen Funken Hoffnung mit“, sagte Hebamme Anke Bertram. Deutlich anders klang das bei Pirat Christian Thiessen: „Was wir hier gehört haben, war eine Bankrotterklärung des Landes.“




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erstellt am 17.Jan.2014 | 00:34 Uhr

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