Mobil auf Sylt : „Eine autofreie Insel wäre die Ideallösung”

Die Sylter Grünen, Maria Andresen, Margot Böhm, Rolf Bünte, Timm Kress und Silke Lieser (v.l.n.r.), begrüßten Dr. Andreas Tietze (mi.) in List.
Die Sylter Grünen, Maria Andresen, Margot Böhm, Rolf Bünte, Timm Kress und Silke Lieser (v.l.n.r.), begrüßten Dr. Andreas Tietze (mi.) in List.

Der Parteivorsitzende den Grünen in Nordfriesland, Andreas Tietze, besuchte seine Parteifreunde in List.

shz.de von
23. April 2018, 05:23 Uhr

Bereits seit 1982 existiert auf Sylt eine Ortsgruppe der Partei Bündnis 90/ Die Grünen, die seit diesem Jahr von einer Gruppierung im Inselnorden unterstützt wird. Margot Böhm, Rolf Bünte, Timm Kress, Silke Lieser, Manuela Poppinga, Rune Michaelis und Anne Schacht werden im Mai erstmalig in List zur Kommunalwahl antreten. Am Donnerstagabend hatten sie zu einem Impulsvortrag von Dr. Andreas Tietze in die ehemalige Lister Schule eingeladen, der zum Thema „Mobil auf Sylt - was geht da noch?” referierte. Tietze ist Mitglied des Landtages Schleswig-Holstein und seit der letzten Landtagswahl auch Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses und Sprecher für Mobilität, Wohnungsbau und Tourismus vom Bündnis 90/Die Grünen. Da er selbst 25 Jahre auf Sylt gelebt hat und ihm die alte Heimat noch immer sehr am Herzen liegt, war es ihm eine große Freude, die frischgegründete Ortsgruppe List zu unterstützen – „Dem Ort tun ein paar Grüne richtig gut”, startete Tietze seinen Vortrag.

Zentrales Thema war der Verkehr, „über den man auf Sylt nicht sprechen kann, ohne einen dicken Hals zu bekommen”. Die katastrophalen Zustände auf Straße und Schiene „nerven nicht nur, sie kosten uns auch wertvolle Pendler und damit Arbeitskräfte und sie sorgen auch dafür, dass es mit unserer Natur bald zappenduster ist”, so Tietze. Da Mobilität aber nun mal ein Grundbedürfnis der Menschen sei, müssen neue, innovative und nachhaltige Konzepte her, die den Verkehr in neue Bahnen lenken – „Und zwar ökonomisch, ökologisch und sozial”, so Tietze. Um die Dringlichkeit des Ganzen zu belegen, legte er die Zahl von sechs Millionen Tonnen CO2 vor, die jedes Jahr allein in Schleswig-Holstein durch Diesel- und Benzinmotoren ausgestoßen werden. „Da auch unsere Ressourcen an fossilen Brennstoffen langsam knapp werden, kann die Antwort darauf nur in der Elektro- und Wasserstoff-Technologie liegen, damit Mobilität in Zukunft klimakompatibel wird”. Zusätzlich seien neue Mobilitätsnutzungskonzepte nötig, die über emissionsfreie Fähren, Züge und Autos funktionieren und mit E-Car-Sharing-Modellen arbeiten. „Ein Vorbild hierfür ist Oslo, das ab 2030 keine Verbrenner mehr in die Innenstadt lässt und sämtlichen Verkehr konsequent auf Elektroantrieb umstellen wird”, berichtete Tietze.


„Es muss cool und sexy werden“

Doch was genau kann List, bzw. die Insel Sylt denn nun tun? Tietze präsentierte daraufhin ein Neun-Punkte-Konzept, das komplett auf Elektromobilität basiert und neueste Technologien zum Einsatz bringt. Dazu gehören eine gut ausgebaute E-Lade-Infrastruktur, E-Flotten, E-Quartiere, E-ÖPNV und ein Belohnungssystem für alle, die auf E-Mobilität umsteigen. Als echte Zukunfts-Visionen präsentierte er Ideen aus China, wo man sich Gedanken über einen E-Zug macht, der wie ein begehbares Smartphone funktioniert oder über ein fliegendes Auto. „Es muss einfach richtig cool und sexy werden, mit einer Elektrobahn zur Sansibar und zurück zu fahren”, so Tietze, doch bis dahin ist es dann noch ein sehr, sehr langer Weg. Allerdings gibt es bereits heute sehr viele eingeführte Technologien, die man sofort umsetzten könnte, wie zum Beispiel der Schweizer Ort Zermatt zeigt, der komplett autofrei per Elektro-Infrastruktur funktioniert. „Eine autofreie Insel mit perfekter Elektro-Infrastruktur wäre für Sylt die Ideallösung, doch ich wäre schon froh, wenn wir erst mal eine Reduzierung der Automassen hinbekommen würden”, so Tietze „und dafür müssen jetzt dringend neue Konzepte her!”


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