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Sylter Traditionsverein : Einblicke in die Welt der Schützen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Interview mit dem Vorsitzenden des Westerländer Schützenvereins Gerhard Menke im Rahmen des alljährlichen Schützenfestes

shz.de von
erstellt am 29.Mai.2017 | 04:28 Uhr

Herr Menke, Sie sind seit 36 Jahren Vorsitzender des Westerländer Schützenvereins, der seit seit 1890 besteht. Niemand wäre besser geeignet, Einblicke in die Welt der Sportschützen zu geben und den Stellenwert eines solchen Vereins zu erklären. Woher kommt eigentlich die Tradition der Schützenvereine?

Die Schützenvereine gehen zurück auf das 11./12. Jahrhundert, als sich die Männer noch in Bürgerwehren organisierten, um das Dorf oder die Stadt vor Angreifern zu schützen. Daraus entwickelten sich dann die Schützenvereine, die das Schießen als reinen Sport betreiben.

Wo ist der Unterschied zu Jägern oder Polizeibeamten, die auch eine Waffe führen und benutzen dürfen?

Der Unterschied ist riesig und sehr streng geregelt. Wir Sportschützen dürfen nicht mehr als drei Waffen für Sportzwecke besitzen, was auch gar nicht nötig ist, wir müssen die Waffen zuhause in einem verschlossenen Schrank lagern, was auch vom Kreis streng kontrolliert wird, und wir haben keinerlei Munition zuhause. Wenn wir mit den Waffen zu einem Turnier fahren, müssen sie sicher verpackt sein und wenn man aus dem Verein austritt, muss man seine Waffen abgeben. Also keine Waffen ohne Vereinszugehörigkeit.

Die drei erwähnten Waffenarten sind Luftdruck, Klein- und Großkaliberwaffen. Würde es für Sportzwecke nicht reichen, nur mit dem Luftdruckgewehr zu schießen?

Im Grunde genommen ja. Aber die Luftdruckpatronen haben nur eine Reichweite von zehn Metern und wenig Durchschlagkraft. Mit Kleinkaliber kann man schon 20 Meter weit schießen und das Großkaliber kann bis zu 2000 Meter Reichweite haben. Das macht den Sport viel spannender und anspruchsvoller.

Was macht eigentlich die Faszination von Waffen aus?

Schwer zu erklären, ich denke, es ist der laute Knall, der den Reiz ausmacht. Haben wir als Kinder nicht alle Cowboy und Indianer gespielt?

Apropos Kinder. Im Verein sind Jugendliche ab 14 Jahren zugelassen. Was wird den Kids hier vermittelt?

Unsere Jugendwarte betreuen die jungen Menschen sehr umfangreich und führen sie Schritt für Schritt an den Umgang mit der Waffe heran. In den ersten Wochen lernen sie erst mal nur Konzentration, sicheren Stand, Disziplin, Ausdauer und Koordination. Später wird ihnen das Luftdruckgewehr mit seinen Einzelteilen erklärt und sie dürfen erste Schießübungen damit machen. Als erstes lernen sie, niemals auf einen Menschen zu zielen – auch nicht aus Spaß – und Respekt und Verantwortung zu zeigen.

Im Hinblick auf die scharfe Munition kann einer Mutter schon ziemlich mulmig werden…

Nicht nur Müttern, auch uns. Aber unsere Regeln und Sicherheitsbestimmungen sind so streng, dass in 127 Jahren noch nie etwas passiert ist.

Haben Sie schon einmal erlebt, dass sich potenzielle Spinner und Waffennarren im Verein einfinden, die eigentlich nur rumballern wollen?

Ja, solche Menschen gibt es leider, aber da wir jeden Anwärter ein halbes Jahr lang überprüfen und genau beobachten, bevor er bei uns aufgenommen wird, können wir solche Typen meist sehr schnell entlarven. Der direkte Draht zur Polizei und die guten Kontakte auf der Insel, wo jeder jeden kennt, sind da sehr hilfreich. Außerdem muss jeder Interessent erst die Prüfung für den Waffenerwerbsschein bestehen, bevor er selbst eine Waffe kaufen und führen darf, und die Regeln sind da sehr streng. Das ist auch gut so, denn jeder möchte seinen Verein sauber halten.

Die Schützenvereine sind sich also bewusst, dass sie in der heutigen Zeit an ihrem Image arbeiten müssen?

Absolut. Daher ist es uns wichtig zu zeigen, dass wir im Sport und im Vereinsleben sehr viel mehr sehen als nur das Schießen. Geselligkeit und Tradition sind uns sehr wichtig, dazu gehören das alljährliche Schützenfest, der Besuch bei anderen Vereinen, die verantwortungsvolle Ausbildung des Nachwuchses und das harmonische Miteinander.

Wie sehen die Schützenvereine die Entwicklung in anderen Ländern, wie den USA, wo Gewaltbereitschaft und Amokläufe zunehmen? Schaden solche Horrormeldungen den Schützenvereinen und werden Sie mit negativer Propaganda konfrontiert?

Als Mensch kann man von solchen Taten einfach nur geschockt sein. Als Verein sehen wir diese Entwicklung mit sehr großer Sorge und können nicht verstehen, warum es in Amerika möglich ist, dass jeder sich einfach so eine Waffe zulegen kann. Wir sind froh über die strengen Bestimmungen hier in Europa und sind uns unserer Rolle als verantwortungsvolles Vorbild bewusst, denn die Gesellschaft scheint immer gewaltbereiter zu werden. Ich selbst bin durchaus schon mit negativen Kommentaren und Vorbehalten konfrontiert worden, besonders von Seiten der Politik und der Lehrerschaft. Aber bisher konnten wir jeden Zweifel an unserer Seriosität ausräumen.

Glauben Sie, dass ein Schützenverein überhaupt noch zeitgemäß und zukunftsfähig ist?

Ja, das glaube ich. Ich glaube an die Kultur und die Tradition, die hier gelebt und gefördert wird und ich glaube auch, dass es niemals Nachwuchssorgen geben wird. Schließlich gehören die Schützen zur ältesten Sportvereinigung Deutschlands und das Schützenwesen ist seit 2015 als immaterielles Kulturerbe von der Unesco anerkannt. Schützenvereine wird es immer geben.

Das Image der beiden Sylter Schützenvereine aus Westerland und Wenningstedt scheint jedenfalls tadellos, was man auch am beliebten Schützenfest wieder sehen konnte. Der festliche Umzug mit rund 120 Schützen in Tracht, die gestern durch die Stadt zogen, ist bei Touristen und Einheimischen gleichermaßen beliebt. Zu diesem Anlass reisen jedes Jahr auch Gastvereine an. Wer war in diesem Jahr dabei?

Wir durften Vereine aus Bredstedt, Buchholz, Bad Pyrmont, Jesteburg, Vlotho, Berenbostel, Gifhorn, Tornesch und Hamburg begrüßen und wurden durch die Kapelle Brunsbüttel-Ostermoor sowie die Tanzgruppe der Söl’ring Foriining unterstützt.

Und wer konnte sich beim Königsschießen am Sonntag die majestätischen Titel abholen?

Die Titel gingen an Regula Meissner (Königin), Jannik Lehr (König), Gunda Petersen (Prinzessin), Susanne Osthoff (Kronprinzessin), Roman Hofegger (Prinz) und René Pförtner (Kronprinz). Bei den Jugendlichen siegten Leif Jensen (Jugendkönig), Florian Sadetzky (Prinz) und Torben Petersen (Kronprinz).

Das Interview führte Sabine Fleischmann.

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