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Neujahrsbaden auf Sylt : Ein ziemlich cooler Start ins neue Jahr

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Beim Neujahrsbaden stürzen sich rund 120 Unverfrorene in die Nordsee. Sylter Rundschau-Autor Martin Tschepe wagte den Selbstversuch.

Eiskaltes Wasser fühlt sich an wie tausend Stecknadeln. Die Haut scheint sich zusammenzuziehen. Das Atmen fällt von Sekunde zu Sekunde schwerer. Als erstes schwindet das Gefühl in den Fingerspitzen, dann in den Füßen. Routiniers gewöhnen ihren Körper an solch widrigen Bedingungen durch Wiederholung, sie schwimmen einfach weiter, immer ein bisschen weiter. Alle anderen hingegen verlassen das Eiswasser lieber ganz schnell wieder. Und das ist auch gut so.

Egal ob Wiederholungstäter oder Novize - nach dem Neujahrsbaden im knapp sieben Grad kalten Meer vor Wenningstedt ist für alle Akteure die Kälte blitzschnell wie weggewischt. Speziell bei blauem Himmel, strahlendem Sonnenschein und zehn Grad Lufttemperatur wie an diesem 1. Januar 2016.

Die rund 120 Wenningstedter Nordseebader haben sich um Punkt 14 Uhr unter tosendem Applaus ungezählter Schaulustiger ins Meer gestürzt, manche verkleidet - etwa als Wikinger oder als Prinzessin. Bei gefühlt noch mehr Beifall haben sie das Wasser dann wieder verlassen. Der Moderator hat mehrmals über Mikrofon erklärt, dass es nicht darum gehe, möglichst lange im Meer zu bleiben, möglichst schnell oder möglichst weit hinaus zu schwimmen. „Wir wollen nur das neue Jahr im Meer begrüßen.“

Das tut Inken Holst schon immer. Die 51-jährige Erzieherin mit dem strahlenden Lachen war bereits bei der Premiere des Neujahrsbadens in der Nordsee 1999 mit dabei. Sie sagt, sieben Grad bei Regen fühlten sich viel kälter an als an Tagen wie diesem. Frau Holst ist schon bei 0,8 Grad Wassertemperatur und minus sieben Grad Lufttemperatur geschwommen. Diese Frau ist aber auch ein - wie soll man sagen - Spezialfall. Bereits als Mädchen ist die gebürtige Sylterin selbst im tiefsten Winter gelegentlich ins Meer gesprungen. Ihr Vater hat damals als Wasserinstallateur gearbeitet und hin und wieder die Strandsauna repariert. Klein-Inken war dabei. Und wer von Kindesbeinen an die Gelegenheit hat, der hüpft halt rein ins Meer - ganz egal wie kalt das Wasser ist.

Inken Holst schätzt, dass gut die Hälfte aller Neujahrsbader Jahr für Jahr wieder kommen. So wie Margot und Hans-Hermann Schmiechen aus Mühlacker. Warum tun sie sich das Baden im Eiswasser an? Blöde Frage. „Weil es sich so super anfühlt“, sagt Frau Schmiechen. Wie das Ehepaar aus dem Badischen denken viele. Die 120 Plätze fürs Neujahrsbaden waren jedenfalls im Nu vergeben. Unmittelbar vor dem Start wurde die Liste mit den Namen der potenziellen Nachrückern länger und länger. Wobei sich vermutliche mehrere Urlauber und Einheimische an die unter vorgehaltener Hand gemachte Aussage des Moderators gehalten haben dürften: „Wir können niemanden davon abhalten ins Meer zu springen.“

Der 13-jährige Mattes aus Marburg jedenfalls hat so gehandelt. Nach dem Baden berichtet der Jugendliche, dass er leider keinen offiziellen Startplatz habe ergattern können, trotzdem sei er als aller erster im Wasser gewesen. „Nach zwei Minuten habe ich meine Füße nicht mehr gespürt und bin lieber wieder raus gerannt.“ Im nächsten Jahr will Mattes unbedingt wieder mitmachen beim Neujahrsbaden am Wenningstedter Hauptstrand.


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