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Immobiliengeschäfte auf Sylt : Ein unmoralischer Hausverkauf?

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ehemaliger Wohnsitz der früheren Bürgermeisterin Reiber wurde für anderthalb Millionen Euro verkauft. Das sorgt für Unverständnis bei Sylter Gemeindevertretern.

Westerland | Die Energieversorgung Sylt (EVS) hat das so genannte Reiber-Haus verkauft – und muss sich dafür herbe Kritik gefallen lassen. Den Zuschlag für das Einfamilienhaus in der Uthlandstraße 23 soll ein Hamburger Ehepaar erhalten haben – zu einem Preis von knapp 1,6 Millionen Euro. Kay Abeling (CDU) vom Westerländer Ortsbeirat ist enttäuscht: „Wir machen Sylter moralisch dafür verantwortlich, wenn sie ihre Häuser als Zweitwohnungen verkaufen, und verhalten uns selber nicht besser.“

Der Sylter Energieversorger hatte das Gebäude 1998 vom Land Schleswig-Holstein gekauft – auf Wunsch der Stadt Westerland, damit die Bürgermeisterin Petra Reiber mit ihrer Familie dort weiterhin wohnen konnte. Sie war bei ihrem Dienstantritt 1991 in der Uthlandstraße eingezogen. Als das Land sich 1998 von der Immobilie trennen wollte, soll die EVS 978.000 D-Mark für den Kauf gezahlt haben. Im Mai 2015 gab Petra Reiber ihr Amt an Nikolas Häckel ab und verließ die Insel in Richtung Sehestedt. Das 1951 für das britische Militär erbaute Haus an der Uthlandstraße stand seitdem leer.

Schon 1998 gab es Kritik an dem teuren Hauskauf. Doch die Gemeinde wiegelte ab – mit der Begründung, das Gebäude in Strandnähe solle so der Spekulation entzogen werden. Nach dem Auszug der Bürgermeisterin hielt sich die Energieversorgung Sylt (EVS) lange bedeckt, was mit Petra Reibers Wohnsitz geschehen soll. Auf Anfragen der Sylter Rundschau hieß es immer wieder, eine Entscheidung sei noch nicht getroffen worden. Auch Sylter Gemeindevertreter – allen voran Kay Abeling von der CDU – sprachen sich dafür aus, das Haus im Gemeindebesitz zu halten.

Letzte Woche jedoch stellten Geschäftsführer Georg Wember und der EVS-Aufsichtsrat die Gesellschafter vor vollendete Tatsachen: Das Haus ist verkauft, der Vertrag unterschrieben, für einen Rückzug ist es zu spät. Harter Tobak für einige Gemeindevertreter, die sich dadurch brüskiert fühlten. „Um jeden Quadratmeter wird bei uns gerungen“, sagt Kay Abeling. Kommunale Liegenschaften dürften nicht verkauft werden, ohne vorher die Gremien zu hören. Doch hier seien weder die Gemeindevertretung noch der Finanzausschuss oder der Hauptausschuss informiert worden. Dabei erwarte er auch von der EVS, die zu 52 Prozent der Gemeinde Sylt gehört, dass sie die politischen Vorgaben einhält.

Allerdings gehören 47 Prozent der Energieversorgung Sylt der Thüga AG mit Sitz in München, die sich dem Einfluss der Sylter Kommunalpolitiker entzieht. Ob beim Verkauf eine Nutzungsklausel als Dauerwohnraum vereinbart wurde und ob die neuen Eigentümer durch den B-Plan auch in der möglichen Urlaubsvermietung eingeschränkt sind, ist nicht bekannt. Ein Abriss des Gebäudes jedoch ist auf keinen Fall zulässig – es unterliegt der Erhaltungssatzung.

Keine Bedenken gegen den Verkauf hatte offenbar der Aufsichtsrat der EVS – alle Mitglieder votierten unisono dafür. Die Kosten für eine Sanierung des alten Hauses seien auf bis zu 800.000 Euro geschätzt worden, berichteten Aufsichtsratsmitglieder der Sylter Rundschau. So wären zum Beispiel der Keller feucht, die Wände nass, das Dach ohne Wärmedämmung, die Elektrik aus den 60er Jahren, die Sanitärtechnik veraltet.

Zu den Befürwortern des Verkaufes gehört der SPD-Fraktionsvorsitzende Gerd Nielsen. Für die EVS sei das Haus nicht betriebsnotwendig, das Unternehmen müsse in ihr Netz für Strom, Gas, Wasser und Abwasser investieren, nicht aber in den Wohnungsbau. Petra Reiber bestätigt den Sanierungsbedarf – schon bei ihrem Einzug 1991 sei das Haus teilweise veraltet gewesen. Ein Beschluss über den Verkauf des Gebäudes wäre vom EVS-Aufsichtsrat schon vor über zehn Jahren getroffen worden, erinnert sich die ehemalige Bürgermeisterin – noch während sie im Amt war. „Wenn er von der Geschäftsführung umgesetzt worden wäre, hätte ich ohne Wohnung dagestanden.“ Dass es nun tatsächlich verkauft wurde, wundert sie nicht. „Es wäre aber schade, wenn es vom Dauerwohnungsmarkt verschwindet wie bereits andere Häuser in der Straße.“

Bürgermeister Nikolas Häckel wies darauf hin, dass die Mitglieder des Aufsichtsrates zum Wohle des Betriebes zu entscheiden hätten – die Entscheidung zum Verkauf sei nicht leichtfertig getroffen worden. Die hohen Sanierungskosten für das Haus hätten eine sehr hohe Miete ergeben, obwohl es als Personalwohnhaus kaum zu nutzen sei. Mit dem Ertrag könnten deutlich mehr moderne Personalwohnungen auf dem EVS-Gelände geschaffen werden. Über Details des Hausverkaufs wollte sich der Bürgermeister nicht äußern und teilte mit: „Bitte wenden Sie sich zu den Fakten an den EVS-Geschäftsführer Herrn Wember.“

Auf Anfrage der Sylter Rundschau teilte EVS-Chef Georg Wember aber lediglich mit, Inhalt und Beschlüsse der Gremiensitzungen der EVS seien vertraulich und würden in nichtöffentlichen Sitzungen gefasst. Seine kurze Stellungnahme endet mit dem Satz: „Wir bestätigen Ihnen, dass das Wohnhaus Uthlandstraße 23 verkauft wurde.“

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erstellt am 26.Apr.2017 | 23:17 Uhr

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