Serie zurückgeblättert : Ein toter Koch und Flaute auf der Fähre

In List standen die Schiffsschrauben der Fähre still.
1 von 3
In List standen die Schiffsschrauben der Fähre still.

In unserer Serie „Zurückgeblättert“ geht es heute in den Mai 1979: Damals traten Matrosen in „Wilden Streik“, Heinz Reinefarth starb und die Feuerwehr fand eine Leiche.

shz.de von
05. Mai 2015, 05:36 Uhr

Wie Sylt wurde, was es ist: In unserer Serie „Zurückgeblättert“ lässt Autor Frank Deppe anhand von gesichteten Zeitungsbänden des Sylter Archivs die jüngere Vergangenheit der Insel wieder lebendig werden.

Sylt im Mai 1979: Landtagswahlen in Schleswig-Holstein. Auf der Insel hat die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Peter Aniol die Nase vorn, gefolgt von der SPD, für die Ernst-Wilhelm Stojan antrat. Die neue Partei Grüne Liste trat auf der Insel nur in Westerland an, wo Gerd P. Werner für den Einzug in den Landtag kandidierte. Flaute auf der Sylt-Fähre: Aus ganz Dänemark angereiste Matrosen hatten das Schiff besetzt. Hintergrund des mehrtägigen „Wilden Streiks“: Die Seeleute verlangten von der neuen deutschen Reederei, die die Fährlinie übernommen hatte, Tarifverträge nach dänischem Recht sowie ausstehende Urlaubsgelder, die durch den Konkurs der alten Reederei nicht ausbezahlt wurden. Leidtragende waren nicht nur die Urlauber, wie die Sylter Rundschau gewissenhaft notierte: „Einen Umsatzrückgang meldeten die Verkäufer an den gastronomischen Buden im Lister Hafen.“

Sylts Kurdirektoren auf Reisen: Bei Messen und Pressekonferenzen warben die Repräsentanten der Insel speziell für die Vor- und Nachsaison. Reger Andrang herrschte dabei stets bei den Verlosungen von Freiaufenthalten auf Sylt. Derweil sorgte sich die Söl'ring Foriining um die Entwicklung der Insel: Die fortschreitende und zum Teil ausufernde Bebauung sei nicht akzeptabel. „Trotz vieler Warnungen durch gut gemeinte Initiativen und der Gründung des Planungsverbandes Sylt zeichnet sich noch keine entscheidende Wende ab“, monierte der Heimatverein.

Mit Heinz Reinefarth verstarb im Alter von 75 Jahren eine schon damals umstrittene Persönlichkeit. Die Zeitung allerdings schrieb über den vormaligen Bürgermeister, der danach als Rechtsanwalt und Notar tätig war: „Eine weltweite Diskussion löste seine Haltung bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes 1944 aus. Es kam zu einem langwierigen Prozess, in dem Reinefarth von allen gegen ihn erhobenen Beschuldigungen frei gesprochen wurde. Die Westerländer Stadtvertretung aber sah diesen Rechtsstreit offenbar mehr politisch und wählte Reinefarth als Bürgermeister einstimmig ab. Bei Freunden und früheren politischen Gegnern genoss Heinz Reinefarth wegen seiner Bescheidenheit und steten Hilfsbereitschaft immer ein gutes Ansehen.“

Auch die Stadt Westerland ging in der Nachrufanzeige auf die dunkle Vergangenheit des Ex-Bürgermeisters nicht ein und vermerkte stattdessen: „Uneigennützig hat er sich den kommunalen Belangen gewidmet. Sein erfolgreiches Wirken für die Stadt Westerland wird unvergessen bleiben.“

Die Insel Sylt bekam einen Urologen: Dr. Rudolf Piper eröffnete in Westerland eine Facharztpraxis und erhielt in der Nordseeklinik für stationäre Behandlungen fünf Belegbetten. Zuvor war der 37-Jährige am Klinikum Steglitz in Berlin tätig gewesen. Großalarm in Morsum – doch glücklicherweise ist es nur eine Übung der Sylt-Oster Feuerwehren, die von Morsums Ortswehrführer Helmut Jörgensen geleitet wird. Der simulierte Brand eines Bauernhofs, bei dem zudem vier benachbarte Reetdachhäuser durch die imaginären Flammen bedroht waren, hielt die Helfer auf Trab. Gemeindewehrführer Peter Jan Peters zeigte sich abschließend mit dem Ablauf der Großübung zufrieden.

30 Teams gingen bei der Listland-Rallye an den Start. Soldaten wie auch Zivilisten nahmen an dieser Veranstaltung der Unteroffiziers-Gesellschaft der Marineversorgungsschule teil, wobei weniger Schnelligkeit, als die Lösung kniffliger Aufgaben gefragt war. Als bestes Fahrer-Team konnten sich dabei Dieter Sander und Horst Lawrenz platzieren. Tragische Bilanz eines Feuerwehreinsatzes: In den frühen Morgenstunden mussten die Feuerwehren aus Tinnum, Keitum und Westerland einen Brand in dem Gasthaus Tinnumer Hof löschen. Dabei stießen sie auf die verkohlte Leiche eines 25-jährigen Kochs. Die Kripo vermutete, dass der junge Mann in seinem Bett geraucht hatte und dabei eingeschlafen war.



zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen