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Sylter Köpfe : Ein Sylter Urgestein geht in den Ruhestand

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In der neuen Folge der „Sylter Köpfe“ geht es um Karsten Puck, genannt „Pucki“, der 53 Jahre lang die Busse der SVG über die Insel gelenkt hat - und sich dabei viele Freunde gemacht hat.

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Auf der ganzen Insel ist Karsten Puck nur als „Pucki“ bekannt. Das macht dem 76-Jährigen mit dem freundlichen Weihnachtsmann-Gesicht nichts aus. Ganz im Gegenteil – er steht zu seinem Spitznamen, meldet sich damit am Telefon. „Schließlich kennen mich viele gar nicht unter meinem richtigen Namen.“

Bekannt ist „Pucki“ auf Sylt vor allem als Busfahrer. Selbst nach seiner Pensionierung hat es sich der gebürtige Insulaner nicht nehmen lassen, den gelben Oldtimerbus der Sylter Verkehrsgesellschaft (SVG) bei Hochzeiten und Jubiläen, Geburtstagen und Firmenfeiern über die Insel zu steuern. „Das passte ja auch gut – dass so ein alter Kerl so einen alten Bus fährt“, sagt Karsten Puck lachend. Seit seinem 15. Lebensjahr arbeitet er für die SVG, erst in der Werkstatt und als Schaffner, dann als Fahrer in der Inselbahn und in den verschiedenen Bussen. Über 1000 Mal war Karsten Puck schon mit seinen Touren im Legoland, hat Schüler und Urlauber, Insulaner und Gruppen sicher an ihr Ziel gebracht. Unfälle hatte er dabei fast nie, nur ein paar Blechschäden gab es mal.

Endgültig zu Ende ist seine Karriere als Busfahrer allerdings seit dieser Woche. Da ist der Busschein ausgelaufen, der alle fünf Jahre verlängert werden muss. „Ich wollte nicht mehr – mit 76 Jahren ist es irgendwann auch mal genug.“ Dafür hat „Pucki“ jetzt mehr Zeit für seine über 3000 Modellautos, seinen Oldtimer-Club und seine Familie. Karsten Puck hat einen 45-jährigen Sohn und zwei Enkelkinder.

Seine Frau hat er damals auch bei der Arbeit kennen gelernt: „Meine Frau hat bei der Apotheke gearbeitet und musste immer die Rezepte bei der Inselbahn abholen. Dort haben wir uns dann kennen und lieben gelernt.“

Damals war Karsten Puck 23 Jahre alt, seine spätere Frau Antje 18. Gehalten hat diese Ehe ein ganzes Leben lang und auch heute ist Antje Puck noch sehr stolz auf ihren Mann. Während des Interviews sitzt sie am Computer und liest die Kommentare auf „Puckis“ Ruhestand. Es sind über 50, alle wünschen ihm für den Ruhestand nach 61 Dienstjahren alles Gute.

Mit seinem Humor und seiner Herzlichkeit hat „Pucki“ schnell einen Platz in den Herzen seiner Fahrgäste gefunden. Viele kennen ihn noch aus ihrer Jugend, schreiben ihm Briefe oder besuchen ihn auch mal zu Hause. Aus der Zeit, in der Karsten Puck Schulbusse gefahren hat, kennen ihn viele Sylter. „Wenn ich wusste, dass noch jemand kommen würde, habe ich auch mal zehn Minuten gewartet“, erzählt er, „und auch wenn jemand hinterhergerannt ist, bin ich natürlich immer stehen geblieben.“ Er weiß, dass das heute viele seiner Kollegen nicht mehr machen, „aber heute fahren die Busse natürlich auch öfter. Früher dauerte es manchmal zwei Stunden, bis der nächste kam.“

Am liebsten aber hat „Pucki“ immer die Inselrundfahrten gemacht. „Da ist man nicht so gebunden, kommt überall mal hin. Ich war stolz, den Leuten meine Insel zeigen zu können.“ Woanders Bus zu fahren als auf Sylt – das hat sich „Pucki“ nie vorstellen können. „Schließlich bin ich ja Insulaner. Natürlich bin ich mit dem Bus auch mal auf dem Festland gewesen, aber ich war immer wieder froh, wieder zuhause zu sein.“

Seine Lieblingsstrecke war die nach List hoch, dort findet er die Landschaft mit ihren Dünen und dem Wattenmeer einfach interessanter als im Süden. Nachdem es in den Bussen keine Fremdenführer mehr gab, war es auch „Puckis“ Aufgabe, den Reiseleiter zu spielen. „Ich habe alle Fragen beantwortet“, erklärt er und fügt dann nach kurzer Pause hinzu: „Egal ob falsch oder richtig, das habe ich mir schon zurecht geredet.“ Seine Leidenschaft für Busse lässt auch nach seinem endgültigen Dienstende nicht nach. Vor allem für die ganz alten „die fahren sich zwar anstrengender, haben aber einfach mehr Charakter.“

Da klingt es fast ein bisschen so, als würde er über sich selber sprechen.

 

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