zur Navigation springen

Boxkampf gegen Joshua : Ein Sylter nähte Klitschkos Augenlid

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Dr. Christoph Krüss aus Keitum war am Wochenende im Londoner Wembley-Stadion für den Boxer im Einsatz.

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2017 | 05:10 Uhr

Sylt/London | Ein schwerer Schlag mit der Rechten in der fünften Runde – und über Wladimir Klitschkos linkem Auge klaffte eine große Wunde. Es hätte das vorzeitige Aus für den Altmeister im dramatischen Box-WM-Kampf gegen Anthony Joshua bedeuten können. Doch in der Ringpause konnte die klaffende Wunde schnell versorgt werden, der Kampf ging weiter bis Runde 11. Die Operation des Augenlids übernahm ein Sylter Arzt – der Keitumer Dr. Christoph Krüss operierte Wladimir Klitschko noch in der Kabine des Londoner Wembley-Stadions.

Es waren spannende Minuten, die der Chirurg am Sonnabend direkt am Boxring erlebt hat. Krüss (49) war am Nachmittag des WM-Titelkampfs nach London geflogen, um für Klitschko zur Verfügung zu stehen. Eine Aufgabe, die der Arzt schon vor zwei Jahren beim WM-Kampf in Düsseldorf übernommen hatte, als der Ukrainer seinen WM-Thron an den Engländer Tyson Fury abgeben musste.

Christoph Krüss stammt von Helgoland – er ist Großneffe des Kinderbuchautoren James Krüss (1926 – 1997), der zum Beispiel „Timm Thaler“  erfunden hat. Bis zur 10. Klasse ging Christoph Krüss auf seiner Heimatinsel zur Schule, wechselte dann für das Abitur ins damalige Internat im Plöner Schloss. Nach dem Medizin-Studium in Kiel und der allgemeinchirurgischen Ausbildung spezialisierte sich Krüss auf die Plastische Chirurgie und arbeitete unter anderem in der Nordseeklinik, in Basel, Hamburg und Münster. Vor vier Jahren machte sich Krüss selbstständig und wurde Inhaber der Praxisklinik Colonnaden  in Hamburg – seitdem kennen ihn viele als Schönheitschirurgen, obwohl in der Klinik auch Kassenpatienten behandelt werden, zum Beispiel nach Brustkrebsoperationen.  Seinen ersten Wohnsitz hat Krüss aber in Keitum. „Ich bin Wahl-Sylter“, betont der Mediziner.  In der Praxis von Dr. Stefan Köhn bietet er freitags Sprechstunden an, zum Vorgespräch und zur Nachsorge bei plastisch-chirurgischen Operationen, aber auch für ästhetische Behandlungen mit Botox und Hyaluronsäure.

Chirurg Dr. Christoph Krüss.
Christoph Krüss.
 

Am Sonnabend hätten die Juroren schon nach der Verletzung in der fünften Runde auf technisches K. o. entscheiden können, berichtet Christoph Krüss – ein stark blutendes Augenlid hätte Klitschkos Sichtfeld und Reaktionsfähigkeit eingeschränkt. Doch der kalifornische „Cutman“ Jacob „Stitch“ Duran konnte die blutende, drei Zentimeter lange Wunde in der Ringpause notdürftig verschließen. Und Klitschko kam zurück.

Gleich nach dem Kampf bereitete Krüss mit seiner Assistentin Anika Pietsch  in der Kabine die Operation des Ukrainers vor. Als Klitschko nach der Siegerproklamation eintrifft, macht sich der Keitumer sofort an die Arbeit: Mit einem Faden und neun Stichen  schließt er die Wunde, und zwar unter der Haut, mit einem Einstich und einem Ausstich, „für ein ästhetisch schönes Ergebnis“, wie der Arzt betont. Auf eine Betäubung verzichtet der 41-jährige Boxer. Klitschko habe noch so stark unter Adrenalin gestanden, dass er die Schmerzen gar nicht wahrgenommen habe. „Ein zäher Bursche“, sagt Krüss über seinen Patienten.

Zudem hätten die Dopingkontrolleure Klitschko nach dem Kampf nicht aus den Augen gelassen, berichtet Christoph Krüss – auch nicht in der Kabine. Ein Betäubungsmittel hätte sich auf die Dopingprobe auswirken können.

„Es war ein sehr guter Kampf“, zieht Krüss Bilanz. Klitschko habe es seinen Kritikern nochmal gezeigt, dass man mit ihm rechnen muss. Wenn der Ukrainer Anthony Joshua in der sechsten Runde stärker geärgert hätte, wäre ein Sieg möglich gewesen. Bis der Ringrichter Klitschko aus dem Kampf nahm,  hatten die Punktrichter ihn knapp in Führung gesehen.

Am Sonntag landeten Dr. Krüss  und Anika Pietsch nach einem spannenden Wochenende wieder in Fuhlsbüttel.  Nun steht für Klitschko ein Rückkampf aus, aber der Schwergewichtler hat noch nicht öffentlich erklärt, ob er weitermacht. Dr. Krüss wäre gern wieder dabei – „das ist doch Ehrensache“.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert