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60. Hochzeitstag : Ein Strauß Aale anstatt Blumen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Heute feiern die Westerländer Monika und Johann Frank diamantene Hochzeit / Ihren Jubiläumstag wollen die Beiden aber ruhig angehen und sich am liebsten verkrümeln

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2017 | 05:16 Uhr

Ein Bild hat sich bei ihm eingeprägt: „Gesehen habe ich Monika zum ersten Mal in der Tanzschule“, erinnert sich Johann Frank, den alle seit Kindertagen nur „Jonny“ nennen. „Wir haben damals zwar noch nicht miteinander gesprochen und ich musste die Insel auch bald danach wieder verlassen, aber das weiß ich noch genau.“

Dieser „Augenblick“ war im Jahr 1955 – es sollte aber noch ein Jahr dauern, bis sich Monika und Jonny endlich kennenlernen, verlieben und heiraten. Am heutigen Mittwoch haben sie etwas geschafft, das nur wenigen Menschen vergönnt ist: Der 85-Jährige und die 79-Jährige feiern ihren 60. Hochzeitstag und damit ihre diamantene Hochzeit.

Aber zurück in die 50er Jahre: Der geborene Westerländer Jonny Frank war seit 1952 auf Wanderschaft und lebte im Schwarzwald. „Weihnachten 1956 kam ich für einen Kurzurlaub wieder zurück auf die Insel. Da haben wir uns an Silvester kennengelernt“.


1000 Kilometer mit dem Motorrad zu Monika

Der junge Tischler musste nach dem Jahreswechsel wieder zurück in den Süden. „Wir haben uns in der nächsten Zeit sehr heftig geschrieben“, erinnert er sich lachend. Und als die Sehnsucht nach Sylt und vor allem nach Monika zu groß wurde, machte er sich zum Biikebrennen im Februar 1957 aus dem baden-württembergischen Altensteig bei Kälte und Schneefall mit seinem Motorrad auf die knapp 1000 Kilometer lange Strecke.

Die Hochzeit folgte schnell: Noch im gleichen Jahr heirateten die junge Frau und der Hobby-Angler. Die gebürtige Westerländerin erinnert sich: „Wenn man einen Strauß Blumen bekommt, ist das natürlich schön. Aber wenn man einen Strauß frisch geräucherter Aale bekommt, ist das viel schöner. Da war auch meine Mutter ganz glücklich und ich durfte Jonny behalten!“

Allerdings: Ganz so romantisch wie die erste Phase ihrer Liebe war die Hochzeit nicht. „Drei Leute waren dabei“, erinnert sich Monika Frank. Außerdem ging Jonny bereits um 21 Uhr ins Bett, weil er am nächsten Morgen um vier Uhr wieder zur Arbeit musste. „Es waren höchst kümmerliche Verhältnisse“, erzählt er. „Wir hatten keine eigene Wohnung, sondern lebten in einem Zimmer in der Lorens-de-Hahn Straße.“

Nach der Hochzeit zog das frisch vermählte Paar schließlich in die Scheune des Elternhauses von Jonny. „Wir haben ein Zimmer unter dem Dach abgekleidet und lebten dort in Kälte und bitterster Armut.“ Der Umzug ging schnell: „Zwei Mal mussten wir mit dem Kinderwagen gehen, dann hatten wir alle unsere Sachen transportiert“, berichtet Monika Frank. Aber sie blieb positiv: Ihr Mann hatte Arbeit und konnte immerhin die Familie ernähren. Der erste Sohn war bei dem Umzug schon geboren. Drei weitere Kinder folgten: zwei Jungs und ein Mädchen.

Seit 60 Jahren wohnt das Ehepaar jetzt in dem Haus am Bundiswung, viel ist dort passiert. „Lange Zeit haben wir ganz kümmerlich gelebt“, sagt Monika Frank. „Bis etwa 1970 saßen wir unterm Dach in der kleinen Wohnung“, ergänzt ihr Mann. Als die damaligen Mieter, die in der unteren Etage des Hauses wohnten, auszogen, konnte sich das Paar – mit den wenigen Mitteln, die sie hatten – vergrößern. „Bei uns hat jedes Stück Möbel, jedes Stück Holz eine Geschichte. Hier ist alles von Hand gemacht“, sagt Johann Frank. Zum Glück war er Tischlermeister und wusste, wie man mit dem Material umgeht: „Jedes Stück Holz ist hier durch meine Hände gegangen“, sagt er stolz.

Während ihrer Ehe war Johann beruflich in ganz Deutschland unterwegs und nur selten Zuhause. Monika, die mit den vier Kindern auf Sylt blieb, gewöhnte sich an diesen Umstand. „Ich hatte ja genug mit den Kindern zu tun, außerdem hatte ich den Garten“, sagt sie und er ergänzt: „Wir hatten eigentlich immer etwas zu tun und auch unsere gemeinsame Zeit war immer mit Arbeit ausgefüllt.“ Daneben spielte die Kirche und die dänische Gemeinde auf Sylt, zu der die Franks gehören, immer ein wichtige Rolle in ihrem Leben.Sowohl Monika als auch Johann Frank kommen aus alten Sylter Familien. Auch aus diesem Grund gibt es eine Tatsache, die sie von vielen anderen Familien auf der Insel unterscheidet. Alle Mitglieder im Hause Frank sprechen Sölring miteinander – und das sind nicht wenige: Sieben Enkelkinder und einen Urenkel hat das Ehepaar. „Wir können untereinander oder mit unseren Kindern und Enkelkindern gar kein Deutsch sprechen“, sagt Monika Frank. „Und wenn wir es versuchen, rutschen wir immer sofort wieder ins Sölring“.


„Wir mussten viel durchstehen“

Was ihre 60-jährige Ehe stabil hielt? Eine richtige Antwort darauf haben die beiden nicht. „Wir mussten viel zusammen durchstehen, aber genau das hat uns auch miteinander verbunden“, sagt Monika Frank. Außerdem hätten sie manchmal Dinge gemacht, die andere nicht machten, ergänzt Johann augenzwinkernd. „Wir konnten uns finanziell kaum bewegen, da haben wir zum Beispiel dank der Friedrich-Ebert-Stiftung eine große Reise gemacht“. Und die ging nicht irgendwo hin: „Wir sind Anfang der 80er Jahre nach Russland gefahren und haben den Kaukausus bereist. Ein anderes Mal sind wir nach Murmansk“, erzählt er, „da wollte damals kein Mensch hin – wir aber schon.“ Ihr Vorteil: Johann Frank kann kyrillisch schreiben und lesen, außerdem spricht er etwas Russisch.

Auch geschrieben habe er immer viel, erzählt er. „Ich habe eine Art Chronik auf Sölring verfasst, die hat jetzt 540 Seiten“. Außerdem habe er die vier Evangelien auf Sölring übersetzt. „Das war eine gewaltige Arbeit“, erinnert er sich. Unter anderem für diese Übersetzung, aber auch für seine generellen Verdienste um den Erhalt des Sylter Friesisch, erhielt er im Jahr 2006 den C. P. Hansen Preis.

Den heutigen Jubiläumstag wollen die Franks ganz ruhig angehen. „Unser Pastor Jon Hardon Hansen wird sicherlich vorbeikommen, aber sonst verkrümeln uns, oder?“, sagt Monika und schaut ihren Jonny an, der sie nur anlacht und nickt.

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