Verkehr auf Sylt : Ein Sommer ohne Mega-Stau

Am 26. Mai  reichte der Stau vor der Westerländer Verladung über den Kirchenweg bis zur alten Meierei kilometerlang zurück. Aufgrund von Gleisschäden wurde der Abreiseverkehr eine Woche nach Pfingsten nur im Stundentakt abgefertigt. Autofahrer mussten bis zu vier Stunden warten.
Am 26. Mai reichte der Stau vor der Westerländer Verladung über den Kirchenweg bis zur alten Meierei kilometerlang zurück. Aufgrund von Gleisschäden wurde der Abreiseverkehr eine Woche nach Pfingsten nur im Stundentakt abgefertigt. Autofahrer mussten bis zu vier Stunden warten.

Trotz hoher Gästezahlen verlief die An- und Abreise nach Sylt ohne nennenswerte Komplikationen.

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28. August 2018, 17:21 Uhr

Ein Super-Sommer geht zuende, die Gästezahlen schnellten in die Höhe. Staus gab es vor allem an Eisdielen – an der Autoverladung hielt sich der Andrang in Grenzen. Haben die Appelle an die Gäste, nicht am Sonnabend Vormittag abzufahren, etwa gefruchtet? „Unsere Gäste haben clever reagiert“, glaubt Bürgervorsteher Peter Schnittgard, „sie sind auf andere Fahrzeiten und auf andere Verkehrsmittel ausgewichen.“

Bei der Sylter Polizei wird Buch geführt, wann der Verkehr sich am Terminal staut. „Seit Pfingsten gab es dort keine Probleme mehr“, sagt Revierleiter Dieter Johannsen. Die von der Bahn angekündigten Spitzentage seien allesamt nicht relevant gewesen. Johannsen glaubt, der Sonnabend habe seine Bedeutung als Hauptabreisetag verloren.

„Wir stellten fest, dass viele Reisende nicht am Sonnabendvormittag abgereist sind“, bestätigt auch Bürgermeister Nikolas Häckel. „Es wurden Randzeiten genutzt, aber auch andere Abreisetage.“ Die Appelle der Gemeinde hätten dazu beigetragen, dass sich die Anreisesituation trotz sehr vieler Gäste deutlich entspannt habe. Die vorbereiteten Umleitungshinweise und die Bauhofmitarbeiter in Rufbereitschaft seien nicht zum Einsatz gekommen.

Die Auslastung der Sylter Ferienunterkünfte sei stark, viele Deutsche hätten sich für einen Urlaub im eigenen Land entschieden, sagt Bürgervorsteher Schnittgard (CDU). Ein Sinneswandel, der noch von den Streiks im Flugverkehr verstärkt wurde. Gleichzeitig hätten sich viele Gäste neu orientiert und in der Vor- und Nachsaison gebucht. „Unsere Tourismusservices haben gute Arbeit geleistet“, lobt der Bürgervorsteher. Im Schulterschluss mit den Vermietern hätten sie für die bestmögliche Information der Anreisenden gesorgt.

Was beim Autozug recht gut klappte, blieb beim Personenzug auf der Strecke. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit ließen zu wünschen übrig – das war auch gestern Abend Thema beim Bahngipfel in Niebüll mit Verkehrsminister Bernd Buchholz. Schnittgard erinnerte an jahrzehntealte Forderungen, die Information der Passagiere auf dem Bahnsteig zu verbessern. DB Regio habe sich bemüht, es sei aber nicht besser geworden.

Bei den Autozügen habe sich allen Unkenrufen zum Trotz der neue Anbieter RDC etabliert, erklärte Schnittgard. Was im ersten Sommer nicht rund lief, sei in diesem Jahr von beiden Bahnunternehmen „in kooperativer Form“ gemeistert worden. Zu einer Entlastung habe auch der Flugverkehr beigetragen. Die meisten Flugzeuge von und nach Sylt seien gut oder sehr gut ausgelastet.

„In diesem Jahr ist es zu weniger Störungen im öffentlichen Verkehrsraum gekommen, die durch Staus an den Verladeterminals verursacht worden sind“, bestätigte auch eine Sprecherin der Deutschen Bahn. „Insgesamt nehmen wir eine stärkere Verteilung der Reiseströme über die einzelnen Wochentage wahr, was zu einer Entlastung der Wochenenden führt.“ Einzelne Spitzentage hätten sich als nicht so nachfrageintensiv erwiesen wie im Vorjahr. Woran es lag, konnte auch die Bahnsprecherin nicht erklären. „Die Gründe hierfür können eine veränderte Ferien- und Feiertagskonstellation und ein verändertes Reiseverhalten sein.“ Allerdings sei es auch gelungen, die Verkehrsströme an den Terminals besser zu lenken und den Platz besser auszunutzen. Ob die Autozüge in dieser Saison besser oder schlechter ausgelastet waren, wollte die Sprecherin nicht verraten – wegen der Konkurrenz zu RDC.

Beim blauen Autozug nennt man auch keine Zahlen, nur so viel: „Wir sind mit der Auslastung in der Hochsaison sehr zufrieden und freuen uns, dass sich immer mehr Autozugkunden für uns entscheiden.“ Zufrieden ist RDC auch mit der entspannten An- und Abreise. „Zumal das zeigt, dass der Andrang auch mit unseren vorhandenen Waggons bewältigt werden konnte“, sagt RDC-Sprecherin Meike Quentin. An den erwarteten Spitzentagen seien beide Autozuganbieter Volllast gefahren – „auch wir bis zu 24 Mal täglich, inklusive zwei Sonderfrühzügen.“ Zudem könne der blaue Autozug dank eines neuen Beladekonzepts nun deutlich mehr Fahrzeuge pro Zug befördern. Gut funktioniert habe die Online-Reservierung, die RDC seinen Kunden anbietet.

Schließlich zieht auch die Syltfähre eine zufriedene Sommerbilanz 2018: Vertriebsleiter Tim Kunstmann freut sich über mehr beförderte Pkw, vor allem an den Wochenenden eine höhere Auslastung, mehr ausgebuchte Fahrten. Kurz gesagt: Der Sommer hat sich gelohnt.

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