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Sylter Geologe Ekkehard Klatt : Ein Reisender mit festen Wurzeln

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Sylter Geologe Ekkehard Klatt hat schon in Südafrika, Sri Lanka und Indien gelebt – dennoch zog es ihn immer wieder zurück auf die Insel

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2017 | 05:34 Uhr

Dr. Ekkehard Klatt hat viele Berufe: Der 65-Jährige ist Autor, Reisebegleiter bei den Hurtigruten, auf Sylt bietet er verschiedene Wanderungen an und er arbeitet als freier Geologe. Was er davon in erster Linie ist, ist schwer zu beantworten. Denn über jeden seiner beruflichen Bereiche spricht er mit größter Begeisterung. So, als seien alle diese Themen viel weniger Arbeit und viel mehr Hobby.

Im April vor genau 20 Jahren hat der promovierte Geologe die erste Führung zum Morsum Kliff unternommen. „Damals habe ich einfach losgelegt“, erinnert er sich lachend. Einmal habe er das Programm mit etwa 20 Kieler Freunden geübt – die die Tour sofort absegneten. Kurz darauf kamen dann auch Wanderungen zum Roten Kliff in Kampen und um die Hörnum Odde dazu – und das ist bis heute so geblieben.

Alle wichtigen Informationen über die Gebiete las er sich damals an – so gut es eben ging. Heute ist er auf der Insel als der Experte für diese Gebiete bekannt. „Entweder man hat ein Händchen für die ganze Sache oder nicht“, sagt er.

Geboren ist Ekkehard Klatt allerdings weit weg von Sylt, in Hessen. „Im nördlichsten Kaff des Landes bei Bad Karlshafen“, wie er sagt. Aber die Umstände brachten es mit sich, dass er schon als Kind auf die Insel kam: 1964 musste er aus gesundheitlichen Gründen an die See, erzählt er. Der 12-jährige Junge litt unter Bronchialasthma, weshalb seine Eltern mit ihm nach Sylt zogen.

Die gute Seeluft tat das ihrige, dass der Junge vollkommen genesen ist: „Sylt hat mir geholfen, zu 100 Prozent sogar“, sagt er zufrieden. Bis zum Abitur drückte Ekkehard Klatt auf der Insel die Schulbank, 1971 ging er zum Studium nach Kiel und Edinburgh. „1980 bin ich dann auf die große weite Welt losgelassen worden“, sagt er. Und tatsächlich ist Ekkehard Klatt weit in der Welt herumgekommen: Er lebte und arbeitete unter anderem in den USA, in Südafrika, auf Sri Lanka und in Indien.

Auch wenn er jetzt fest auf Sylt lebt, ist das Reisen immer noch ein wichtiger Teil seines Lebens. „Es droht sogar noch mehr zu werden“, sagt er lachend. „Ich habe jetzt eine Planung bis 2020 und da nimmt das Reisen doch einen sehr großen Stellenwert ein“. In den kommenden drei Jahren möchte Klatt noch einmal nach Südafrika, er möchte Kuba erleben und eine Trekking-Wanderung im Himalaja machen, wo er 1988 zum ersten Mal war. „Wandern und Bergsteigen waren immer mein Ding. Viel mehr als Strandurlaub und Partytourismus.“

Aber auch, wenn er aufgrund von Studium, langen Reisen und Beruf nicht permanent auf der Insel lebte, zog es ihn immer wieder nach Sylt zurück. Denn die Liebe zur Ferne aber auch zur Heimat ließen sich wunderbar verbinden, sagt er. „Mir geht es immer darum, bis zur nächsten Ecke zu gucken um zu schauen, was dahinter verborgen ist. Und auch wenn ich es auch schon Tausend Mal gesehen habe, ist es immer wieder spannend zu sehen, ob es gleich geblieben ist oder sich verändert hat“, erklärt er. Aus diesem Grund fahre er auch immer wieder zu den gleichen Punkten auf der Insel. „Denn ich weiß, auch wenn ich nach nur einem Tag wiederkomme: irgendetwas ist anders.“ Für so eine Erkenntnis sei gar keine Distanz nötig, „es muss nicht der Zehn-Stunden-Langstreckenflug sein, sondern es reicht der Spaziergang oder eine Fahrradtour, die einem etwas Neues zeigt.“

Apropos Fahrradtour: Ekkehard Klatt fährt fast immer mit dem Rad: „Dann kann ich richtig gut nachdenken. Viel besser als im Auto“. Die Fahrradtour von Westerland zum Weißen Kliff nach Morsum und wieder zurück nimmt er nach eigenen Angaben „zum Entspannen“. „Selbst wenn ich am Ziel wie verrückt keuche, habe ich über wichtige Dinge nachgedacht.“

Dass er einmal Gruppen über die Insel oder durch Skandinavien führen wird, hat er seiner Freundin zu verdanken: „Du kannst doch gut reden und du kennst Skandinavien“, sagte sie vor 20 Jahren zu ihm, als beide in der Zeitung eine Anzeige sahen, in der Reisebegleiter für Skandinavien gesucht wurden. Nach vielen geführten Reisen in Bussen ist er seit 2015 auch als Reisebegleiter für die Hurtigruten in Norwegen tätig. Und er weiß, was das wichtigste in diesem Beruf ist: „Die Leute müssen immer wissen, wo das Klo ist, keiner darf verloren gehen und sie müssen immer wissen, was es zu essen gibt.“ Auf einer Hurtigruten-Reise geriet er auch schon in eine brenzlige Situation: „Im vergangenen Jahr sollte ich in Spitzbergen die Gäste vor Eisbären beschützen. Mit fast abgefrorenen Fingern wusste ich nicht einmal, ob ich das Gewehr überhaupt noch bedienen konnte“, erinnert er sich. „Das war wirklich grenzwertig.“ Aber auch nach solchen Erlebnissen: Heimweh habe Ekkehard Klatt nie, sagt er: „Ich versuche so gut es geht in der Gegenwart zu leben und den Moment so zu leben, dass ich wirklich da bin. Dadurch schaffe ich es gut, ohne Heimweh auszukommen.“

Fünf Jahre will er die Touren noch anbieten. „Wenn ich 70 bin reicht es“, sagt er. „Ich möchte nicht, dass mir mal jemand raten muss, endlich aufzuhören.“

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