Neubau der Lebenshilfe Sylt : Ein Refugium für Menschen

Unter KLM-Regie sind am Bastianplatz 20 Wohnungen für die Lebenshilfe entstanden.
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Unter KLM-Regie sind am Bastianplatz 20 Wohnungen für die Lebenshilfe entstanden.

Lebenshilfe-Geschäftsführer Oliver Marco Pohl erläutert die Ziele des Projekts 22plus

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21. Juni 2018, 04:37 Uhr

Großer Tag für die Lebenshilfe Sylt: Am Freitag wird der Erweiterungsbau am Bastianplatz mit geladenen Gästen eingeweiht. Im Interview schildert Lebenshilfe-Geschäftsführer Oliver Marco Pohl, wie das Projekt entstanden ist und wer in die neuen Wohnungen einzieht.

Morgen ist Einweihung, der Minister hat sich angemeldet. Wie laufen die Vorbereitungen, Herr Pohl?

Ach, ganz gut, wir lieben es ja, Gastgeber zu sein: Wir feiern die Einweihung mit dem KLM zusammen und freuen uns darauf. Dass der Minister kommt, ist sicherlich etwas sehr Besonderes und zeigt, dass hier auf Sylt auf dem Bastianplatz etwas entstanden ist, was auch in Kiel wahrgenommen wird. Im Allgemeinen haben wir keine Berührungsängste, im Gegenteil – Herr Grote kann hier wunderbar teilhaben.

Was verbirgt sich hinter dem Projekt 22plus, was war die Idee?

Projekt 22plus ist eine inklusive Wohnform, die es ermöglicht, dass Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen in einer Hausgemeinschaft wohnen, sich kennen und füreinander auch da sind. Das ist das eigentlich Besondere. Dass Menschen umeinander wissen, ein gemeinsames Anliegen haben und auf die Besonderheiten vorbereitet sind. Es macht den Wohnenden keine Angst, wenn im Flur der Nachbar laut mit sich spricht, weil alle wissen, warum er es tut. Die Voraussetzungen dafür sind optimierte barrierearme und zum Teil rollstuhlgerechte Wohnungen, die grundsicherungsfähig gebaut worden sind. Die Idee ist, Selbstständigkeit zu fördern und Menschen, denen es viele aufgrund von mannigfaltigen Handicaps nicht zutrauen, ein Refugium zu schaffen, sich auszuprobieren und zu wachsen. Solch eine besondere Form des Wohnens fehlte auch als Angebot für die Inseln.

Warum wird das Projekt jetzt erst eingeweiht? Die Mieter leben doch schon ein halbes Jahr darin.

Das hat viele Gründe: Zum einen hat dieses Projekt allen viel Kraft gekostet; wir haben oft als Lebenshilfe Sylt Neuland betreten dürfen. Und wir konnten mit dem Einzug nicht innehalten, denn dann ging ja das Zusammenleben los. Und es gibt immer noch Menschen, bei denen wir in Vorleistung gehen müssen, weil Kassen und andere nicht zahlen und Vorgänge verschleppen. Dann haben wir uns natürlich sehr gefreut, dass der Innenminister sein Interesse bekundet hat, zu kommen. Da haben wir gern Rücksicht genommen und als der 22. Juni vorgeschlagen wurde, da fanden wir das ein gutes Omen. Projekt 22plus am 22. Juni – das passte.

Gab es Unterstützer des Projektes?

So etwas gelingt nur gemeinsam und ist auch so eine Grundphilosophie von uns als Lebenshilfe. Menschen und Institutionen zu begeistern. Gemeinsam etwas aufzubauen. Am liebsten würde ich hier die ganzen Förderer aufzählen, statt die Fragen zu beantworten: Aber dass die Gemeinde Sylt zusammen mit dem KLM sich so eingebracht hat, ist schon sehr einmalig. Auch der Kreis Nordfriesland mit seinem Sozialraumprojekt für die Eingliederungshilfe hat uns fachlich und menschlich sehr begleitet. Die Zusammenarbeit mit den Sylter Werkstätten, mit denen wir auch das Baucafé als Vorbereitung gestaltet haben, war klasse. Dann die wunderbaren Sylter Unternehmer und Privatiers, die das Projekt ideell und monetär gefördert haben, hier nur einige wie Familie Gülcher von Steffi Moden, Volker Kiose und sein Team, Jan Schwarze mit der Firma Tesch, Antiquitäten Hiltraut Dick, Sylter Seifenmanufaktur mit Kirsten Deppe, Familien in Not, den Rotariern, Hans Joachim Grobusch und und und… Ich darf hier leider nicht alle aufzählen, aber das macht uns so dankbar und ist so notwendig, um so etwas zu realisieren.

Seit wann gibt es die Lebenshilfe Sylt und was zeichnet den eingetragenen Verein aus?

Genau genommen seit 53 Jahren und unsere DNA gleicht der einer Organisation für Menschenrechte. Wir hatten schon immer Lust, in Menschen das Besondere zu sehen und zu fördern. Und wir wollen das Trennende beseitigen.

Wie ist die Perspektive für das Projekt 22plus? Klappt das Zusammenleben zwischen den Mietern?

Nun, wir hoffen, dass der Projekttitel irgendwann weg fällt. Weil es sich so etabliert hat und in der sozialen Landschaft kein Alleinstellungsmerkmal mehr hat. Das Zusammenleben zwischen den Mietern ist ein Prozess, die leisten untereinander großartiges und werden durch unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen grandios unterstützt. Aber natürlich gibt es Probleme im Umgang, die behutsam begleitet und moderiert werden. Aber dazu ist ja die Lebenshilfe Sylt da.

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