zur Navigation springen

Ein polnischer Journalist auf Reinefarths Spuren

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

von
erstellt am 07.Mai.2014 | 13:04 Uhr

Eigentlich hätte Bartosz Wieliski gar nicht erwartet, dass so viele Menschen mit ihm sprechen würden. Der Redakteuer der „Gazeta Wyborcza“, der auflagenstärksten Tageszeitung in Polen, war vergangene Woche für ein paar Tage nach Westerland gekommen, um zum Thema Reinefarth zu recherchieren – und vor allem darüber, wie die Insel mit diesem Teil ihrer Geschichte umgeht. „Ich habe mir vorher natürlich durchgelesen, was meine deutschen Kollegen zum Umgang von Sylt mit Reinefarth geschrieben haben“, sagt der 35-Jährige, „und dabei hatte ich schon das Gefühl, dass das Thema auf Sylt ein Tabu ist. Mit einigen Journalisten wollte ja niemand aus dem Rathaus sprechen.“ So ein Verhalten, so ein Wegdrängen der Vergangenheit, entspräche leider der Vorstellung, die viele Polen von Deutschen hätten – „dass hier mit der Geschichte nicht ehrlich umgegangen wird“.

Dass es ihm nun anders erging, hat Wieliski gefreut und erstaunt: Während der vergangenen Tage traf er sich nicht nur mit Inselhistorikerin Silke von Bremen oder dem ehemaligen SPD-Landtagsabgeordneten Ernst-Wilhelm Stojan, sondern auch mit Mitarbeitern der Westerländer Verwaltung.

Mit Reinefarth beschäftigt sich Wieliski anlässlich des 70. Jahrestages des Warschauer Aufstands im August. Für den Journalisten, der einige Jahre für seine Zeitung als Deutschland-Korrespondent in Berlin tätig war, ist es nicht das erste Mal, dass er über die deutsche Nazi-Zeit und ihre Aufarbeitung schreibt: Er verfolgte in München den Prozess um den Kriegsverbrecher Josef Scheungraber, der für seine Taten als Leutnant der Gebirgstruppe 2009 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. „Damals habe ich auch das Dorf besucht, in dem Schungraber gelebt hat – dort war es sehr schwer, jemanden zu finden, der mit mir über das Thema sprechen wollte.“

Auch wenn er in Westerland nun andere Erfahrungen gemacht hat – bei einer Frage sei den Syltern die Antwort schwer gefallen: Warum sich die Insel erst so spät mit Reinefarth auseinander setzt. Wieliski selbst drückt es positiv aus: „Ein Prozeß, der in deutschen Metropolen in den 60-er oder 70-er Jahren stattgefunden hat, ist nun auch auf dieser Insel angekommen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen