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Bahnhof Keitum auf Sylt : Ein Platz für junge Kunsthandwerker?

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ortsbeirat und Tourismusdirektor wollen aus dem sanierungsbedürftigen Keitumer Bahnhof ein attraktives Zentrum für Kunsthandwerker machen. Jetzt werden Interessenten gesucht.

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erstellt am 03.Feb.2014 | 06:00 Uhr

Keitum | Wie soll das Keitumer Bahnhofsgebäude künftig genutzt werden? Mit dieser Frage beschäftigen sich derzeit der Keitumer Ortsbeirat und das Kommunale Liegenschafts-Management (KLM). Fest steht: Das 1926 erbaute und Ende 2007 von der damaligen Gemeinde Sylt-Ost für 292 600 Euro von der Bahn erworbene Gebäude ist baulich nicht im besten Zustand und bedarf einer umfassenden Sanierung.

Irritationen gab es im Ortsbeirat allerdings über das Vorgehen von KLM. Wie ein Mitarbeiter berichtete, gebe es für das Gebäude weder ordentliche Baupläne noch eine Baugenehmigung. Ehe man sich auf die Suche nach künftigen Mietern machen könne, müsse man jedoch genau wissen, welche Flächen wie genutzt werden können und was baulich möglich ist. Aus diesem Grunde habe KLM bereits im Dezember eine Bauvoranfrage an den Kreis gestellt. Wenn darüber Klarheit bestehe, müsste das Gebäude komplett entkernt und saniert werden, was sich zwangsläufig auf die Höhe der künftigen Mieten auswirken würde. Der KLM-Vertreter betonte aber auch, dass die touristische Nutzung von Gebäuden nicht das Kerngeschäft der Liegenschaftsverwalter sei.

Daraufhin erhoben sich im Ortsbeirat parteiübergreifend Stimmen, die diesen Weg für den falschen halten. „Es wäre schlauer, erst nach geeigneten Interessenten zu suchen, um sie in die Sanierungs- und Nutzungspläne einzubinden“, sagte Peter Peters. Und Cornelia Kamp verwies darauf, dass es bei der Nutzung nicht darum gehen dürfe, wer eine hohe Miete zahlen könne, sondern welche Nutzung von den Keitumern gewünscht sei. „Wir sind das Dorf der Kunsthandwerker, und dafür interessieren sich auch viele Gäste“, plädierte Kamp dafür, Nutzer zu finden, die den Ort attraktiver machen. So wie der bereits seit Jahren in einem Teil des Bahnhofsgebäudes arbeitende Glasbläser Hans Jürgen Westphal. Unterstützt wurde Kamp von der Morsumer Goldschmiedin Edda Raspé, die an den Ortsbeirat appellierte, jungen Kunsthandwerkern die Chance zu geben, sich in Keitum zu etablieren. „An diese Tradition anzuknüpfen ist auch für die Gäste interessanter als ein reines Shopping-Dorf.“ Allerdings könnte kein Kunsthandwerker die ortsüblichen Ladenmieten in Keitum zahlen.

Den Ansatz des Keitumer Ortsbeirates hält auch Tourismusdirektor Peter Douven für absolut richtig: „Das Kunsthandwerk ist ein touristisches Zugpferd, weil es das authentischste Angebot ist und zur historischen Bausubstanz Keitums passt.“ Angesichts der Diskussion in Keitum selbst warnt er allerdings vor einer Verteufelung der Boutiquen. „Der Urlauber möchte sicherlich beides, Kunsthandwerk und Boutiquen. Es kommt also auf die Mischung und nicht auf eine Monostruktur an – und auf ein hochqualitatives Angebot, für das die Kunsthandwerker ja stehen.“

Wie Teile des Ortsbeirates hält auch Peter Douven eine aufwendige und teure Sanierung des Bahnhofsgebäudes nicht für die beste Lösung. „Es wäre sicher nicht geschickt, es hinterher teuer vermieten zu müssen“, stimmt er Überlegungen zu, künftige Nutzer des Gebäudes von Anfang an in die Sanierungspläne einzubinden, um ihnen die Räume zu vertretbaren Bedingungen zur Verfügung stellen zu können. In seinen Überlegungen geht der Tourismusdirektor sogar noch einen Schritt weiter als der Ortsbeirat. „Vielleicht kann man ja so eine tolle Idee wie die des Hundertwasserbahnhofs in Uelzen in kleinerer Form aufgreifen und den Bahnhof gemeinsam mit den Kunsthandwerkern zu einem echten Erlebnisbaustein für das touristische Angebot in Keitum machen.“ Der Bahnhof in Uelzen wurde im Zuge der Expo 2000 zum Umwelt- und Kulturbahnhof umgebaut und von dem österreichischen Maler Friedensreich Hundertwasser künstlerisch umgestaltet.

Im Ortsbeirat war man sich einig, dass es jetzt darauf ankomme, die richtigen Akteure zu finden, um den Bahnhof attraktiver zu machen. „Wer Interesse hat, kann sich gerne auch ohne offizielle Ausschreibung jetzt schon melden“, betonte der Beiratsvorsitzende Oliver Ewald.

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