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Kommunalwahl 2013 : Ein-Parteien-System: "Wir machen es für das Dorf"

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Seit fünf Jahren regiert in Kampen die KWV ohne Opposition: Während Kritiker Geklüngel vermuten, stellt die Wählergemeinschaft ihr effizientes und angenehmes Arbeiten heraus

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erstellt am 18.Mai.2013 | 08:25 Uhr

Kampen | Zum zweiten Mal nach 2008 wird es in Kampen nur eine einzige Liste geben, die bei der Kommunalwahl am 26. Mai kandidiert. Wie vor fünf Jahren sind alle politischen Kräfte des kleinen Ortes in der Kampener Wähler-Vereinigung (KWV) gebündelt. Was Kritiker gerne mal als "Ein-Parteien-System" ohne echte Wahlmöglichkeit verspotten, ist aus Sicht der handelnden Personen eher ein Erfolgsmodell. Anders als andere Gemeinden gibt es in Kampen kein Nachwuchsproblem und statt politischer Machtspielchen fast schon demonstrativ zur Schau gestellte Harmonie. "Ich kann nichts Negatives daran finden", sagt Dirk Erdmann, der vor 2008 noch für die CDU im Gemeinderat saß. Sein Urteil nach vier oppositionslosen Jahren "Der Gemeinde geht es gut."

Dass die CDU-Vertreter vor der letzten Wahl geschlossen in die KWV eingetreten sind, lag damals vor allem daran, dass beide Gruppierungen Probleme hatten, genügend Kandidaten zu finden, erinnert sich Steffi Böhm, die seit 2008 das Amt der Bürgermeisterin bekleidet. "Und wirkliche Kontroversen wie in früheren Zeiten gibt es schon länger nicht mehr." Diesmal bietet die KWV 22 Listenkandidaten auf, aus denen sich nicht nur die neun Gemeindevertreter rekrutieren, sondern weitere Mitglieder für die verschiedenen Ausschüsse und Gremien.

"Da gibt es durchaus auch eine Streitkultur. So etwas wie einen Fraktionszwang kennen wir nicht, jeder redet und handelt, wie er es für richtig hält", betont Dirk Erdmann. Zumindest so lange, wie es niemand Außenstehendes mitbekommen kann. Große Kontroversen im öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzungen sind im Kaamp-Hüs verpönt. "Da stimmen wir uns vorher natürlich ab", erteilt Erdmann dem in anderen Gemeinderäten zelebrierten "Entertainment für die Öffentlichkeit" eine klare Absage.

Liegt es daran, dass Kampen das mit Abstand jüngste Dorfparlament aufweist? Die beiden ältesten Mandatsträger sind hier gerade einmal 50 Jahre alt. Ohne öffentliche Streiterei und Hickhack lässt sich nun einmal viel Zeit und Energie sparen, die alle Gemeindevertreter besser für den Job und die Familie aufwenden können. In der Gemeinde Sylt wird eine Legislaturperiode lang über mehr Effizienz diskutiert, in Kampen wird sie praktiziert. Oder wie Dirk Erdmann es ausdrückt: "Wir wissen alle, dass wir es für das Dorf machen."

Auch wenn die Kampener Geschlossenheit und das fast schon ans bayrische "Mia san mia" heranreichende Selbstbewusstsein nach außen oft wie Mauschelei und Geklüngel wirkt, herrscht - zumindest in den öffentlichen Sitzungen - keineswegs schulterklopfende Selbstgefälligkeit, sondern nüchterner Pragmatismus und ein freundschaftlicher Umgang. Auch wenn die Kommunalwahl am 26. Mai unter diesen Rahmenbedingungen nicht gerade Spannung verspricht.

Nicht fehlen darf in einem Gespräch über die "Kampener Verhältnisse" natürlich ein Satz, dem selbst die schärfsten Kritiker einfach nicht widersprechen können: "Wer mit dem, was wir machen, unzufrieden ist, kann jederzeit selber antreten."

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