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Morsum Kliff : Ein Paradies für Geologen auf Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Andernorts verzweifeln die Menschen an den Auswirkungen von Orkan Xaver – am Morsum Kliff hingegen freuen sich Experten über einmalige Einblicke.

shz.de von
erstellt am 18.Dez.2013 | 06:00 Uhr

„Herrlich – so gut hat man die drei Gesteinsschichten zum letzten Mal nach Anatol erkennen können.“ Der Geologe Dr. Ekkehard Klatt sieht gerade zum ersten Mal die Auswirkungen, die das Orkantief Xaver auf das Morsum Kliff hatte und ist begeistert. Am Fuß des Kliffs sind rund drei Meter des roten Limonitsandsteins abgebrochen. Dadurch sind filigrane Strukturen, die sich beim letzten großen Gletschervorstoß vor rund 200.000 Jahren entwickelt haben, sichtbar geworden. „Das Eis hat von oben auf den teilgefrorenen Untergrund gedrückt und ihn richtig verformt und gefaltet“, erklärt Klatt.

Zu sehen sind dadurch Gesteinsformationen, die an aufgebrochene Rohre erinnern. „So etwas sieht man nicht alle Tage“, meint Klatt. „Da könnte man über jeden Quadratmeter eine Doktorarbeit schreiben.“ Es liegt dem Geologen fern, die zwei bis fünf Meter, die fast über die komplette Breite des Kliffs am Fuß abgebrochen sind, zu bedauern. „Es macht keinen Sinn, darüber in Geschrei auszubrechen. Der Sturm gehört zu der Natur , die wir erhalten wollen. Das hier ist ein Kliff – es lebt vom Abbruch.“

Im Sommer allerdings werden die besonderen Formationen, die nun zu Tage getreten sind, nicht mehr „so jungfräulich“ aussehen, glaubt Klatt. „Dann hat der Frost einiges herausgesprengt, außerdem laufen die Leute darüber, brechen sich Stücke heraus oder kratzen ihren Namen darein. Sie sehen nicht ein, dass das hier Naturschutzgebiet ist und erhalten werden muss.“

Auch der schwarze Glimmerton, die mit sechs bis zehn Millionen Jahren älteste Schicht am Morsum Kliff, ist seit dem Sturm am Ostrand des Kliffs gut zu erkennen. „Das liegt daran, dass der ganze Bewuchs von den Flutwellen fortgewaschen worden ist“, so Klatt. „Dem Glimmerton selber hat das Meer aber kaum etwas anhaben können. Dafür ist ist der Ton viel zu zäh und kompakt.“

Am meisten angegriffen worden ist der weiße Kaolinsand, die mit drei bis vier Millionen Jahren jüngste der drei Gesteinsschichten. Hier ist eine steile, bis zu fünf Metern hohe Abbruchkante entstanden. „Das hier ist das gleiche Material wie an der Hörnum Odde“, sagt Klatt. „Aber am Morsum Kliff ist es wesentlich älter, und dadurch fester. Deshalb ist der Kaolinsand kliffartig abgebrochen, statt fortgeschwemmt zu werden.“

Unten am Kliff zeigen sich die Spuren, die Xaver zurück gelassen hat, auch an den angetriebenen Bergen von Reet, Gräsern und Müll. Da liegt ein dicker Holzpfosten, an dem wohl einmal in einem Hafen Schiffe befestigt wurden, mehrere Metallfässer und sogar ein rotes Snowboard. Dieser Müll wird demnächst von der Naturschutzgemeinschaft Braderup weggeräumt werden. „Im Moment suche ich dafür Helfer, die mit anpacken“, erklärt Leiterin Margit Ludwig. „Ganz toll finde ich, dass Remondis sich bereit erklärt hat, den Müll kostenlos zu entsorgen.“

Sie empfiehlt Spaziergänger, sich selber ein Bild von den Veränderungen am Kliff zu machen. „Gerade jetzt kann man sehen, dass wir hier ein sehr dynamisches Kliff haben“, sagt sie und weist gleichzeitig darauf hin, dass Besucher auf den Wegen bleiben sollten, um die Natur zu schützen. Außerdem empfiehlt sie für den Weg unterhalb des Kliffs das Tragen von Gummistiefeln. „Dort ist es oft sehr matschig.“

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