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Interview zum O-Heim in List : Ein Medical Spa „wäre ideal für Sylt“

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Tiroler Hotelier Christian Harisch spricht im Interview über sein Gesundheitshotel und die Pläne für das Grundstück des Lister Offiziersheim.

Er hat sich im Bieterverfahren unter anderem gegen die A–Rosa Resort und Hotel GmbH und gegen eine Investorengruppe um den Geschäftsmann Clemens J. Vedder durchgesetzt: Der Tiroler Hotelier und Jurist Christian Harisch will gemeinsam mit Geschäftspartnern das fünf Hektar große Grundstück des Lister Offiziersheim vom Bund kaufen. Nachdem das Finanzministerium dem Kauf zugestimmt hat, erklärt Harisch im Interview, was er sich für das Wattgrundstück in Traumlage vorstellt.

 

Herr Harisch, was genau planen Sie auf dem Grundstück?

Christian Harisch: Bevor wir etwas planen, werden wir zuerst mit der Gemeinde sprechen und hören, welche Überlegungen es dort gibt. Wir können deshalb von einer Planung noch nicht sprechen. Wir wollen etwas entwickeln, was eine Verbesserung für List darstellt, auch für die dortige Arbeitsmarktsituation. All das, ohne dass es ein riesiges Projekt mit hoher Verkehrsbelastung wird, wir denken in sehr kleinen Einheiten – wir reden von 30, 40 Gästen.

 

Sie sind Geschäftsführer des Lanserhofes in Tegernsee, einem sogenannten Medical Spa. Dieser Begriff ist im Zusammenhang mit List ja schon gefallen – ist es nicht das, was Sie dort planen?

Na, schon. Wenn die Gemeinde mit diesem Ziel einverstanden ist, ja. Am Tegernsee haben wir das erlebt, dort hat sich die Gemeinde darüber gefreut, dass dieses Projekt umgesetzt wurde. Wir denken schon lang darüber nach, so etwas auch in List zu machen. Natürlich wissen wir, dass das Zeit in Anspruch nehmen wird und wir wissen auch, dass es in einer ganz andere nGrößenordnung sein müsste als am Tegernsee.

 

Was kann man sich denn unter so einem Medical Spa vorstellen?

Der Lanserhof ist ein Haus, in dem sich Gäste einer medizinischen Behandlung unterziehen können. In erster Linie geht es hier um eine Kur, die Meyerkur, und das Lans-Med-Konzept, das darin besteht, dass moderne schulmedizinische Diagnostik mit Erkenntnissen aus dem Naturheilverfahren verbunden wird. Man gibt dem Menschen die Möglichkeit, während seines Aufenthaltes runter zu kommen, eine Diät zu machen, Selbstreinigung durchzuführen – dafür wäre Sylt natürlich ideal.

 

Warum, glauben Sie, dass so ein Konzept auf der Insel funktioniert?

Weil Sylt eine ganz spezielle Umgebung, eine ganz spezielle Natur bietet, weil es hier nicht einen Tourismus gibt, der auf Krawall ausgerichtet ist, sondern auf Erholung. Und weil dieses unglaubliche Klima vorhanden ist. Man entschleunigt auf der Insel per se, und dieses Entschleunigen ist ein ganz wesentliches Element unseres Lans-Med-Konzeptes.

Für uns sind vor allem die Winter- und Herbst- und Frühjahrsmonate wichtig, wenn es auf der Insel besonders ruhig ist. Unsere Saisonzeiten sind gegen die üblichen Saisonzeiten. Juli und August sind unsere schlechtesten Monate. Insofern harmoniert unser Konzept auch ganz gut mit dem Rythmus der Insel.

 

Auf der Insel wird ja gemunkelt, das O-Heim wäre zu dem sagenhaften Kaufpreis von 17 Millionen verkauft worden. Stimmt das?

Zu Kaufpreisen geben wir generell keine Auskunft.

 

Vor einer Weile hat einer ihrer Konkurrenten um das Grundstück, Clemens Vedder, gesagt, er verstehe nicht, was Sie sich da vorstellen: Zu dem Kaufpreis, den Sie gezahlt hätten, bräuchten Sie David Copperfield als Geschäftsführer – weil man zaubern müsste, um mit Ihrem Konzept Geld verdienen zu können. Was antworten Sie Herrn Vedder?

Ich kenne Herrn Vedder nicht persönlich. Ich meine, wir machen jetzt seit 30 Jahren den Lanserhof, meine Familie sind seit 1844 Hoteliers. Wir haben einige Herausforderungen, unter anderem zwei Weltkriege, überlebt. Ich bin recht zuversichtlich, dass es sich auch auf Sylt für uns gut gestalten wird. Wobei man natürlich sagen muss: Unsere Absichten sind nicht kurz-, sondern sehr langfristig. Wir denken generell in Generationen, nicht in Quartalen. Das ist sicherlich kein schnelles Geschäft, da braucht man Menschen, denen eine langfristige Perspektive zu eigen ist. Und das sind wir.

 

Wie geht es denn jetzt weiter? Sie werden doch schon mal bei der Gemeinde List angefragt haben, ob die sich Ihr Konzept vorstellen können.

Nein, es gab noch kein Gespräch. Das ist für die nächsten Wochen und Monategeplant. Wir werden, wie gesagt, zunächst bei der Gemeinde vorfühlen, was dort die Wünsche sind und dann erst mit der Planung beginnen.

 

Was wäre denn der früheste Zeitpunkt, wann wirklich etwas auf dem Gelände passieren könnte?

Vielleicht noch vor 2020, aber sicherlich nicht 2015 oder 2016. Das wird alles noch ein bisschen dauern. Wir wollen ja entschleunigen und nicht beschleunigen. Das wichtigste für uns ist, jetzt erst einmal zu lernen und zu horchen, was auf Sylt passiert. Wir werden versuchen, etwas zu planen, was auch eine breite Akzeptanz hat – das ist unser Ziel.

 

 

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erstellt am 12.Nov.2014 | 05:05 Uhr

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