Ein Mann für museale Pflegefälle

Ein königliches Sitzmöbel aus dem 18. Jahrhundert: Uwe Smedt hat den Stuhl von Prinzessin Caroline Mathilde aufgearbeitet.  Foto: Bergmann
Ein königliches Sitzmöbel aus dem 18. Jahrhundert: Uwe Smedt hat den Stuhl von Prinzessin Caroline Mathilde aufgearbeitet. Foto: Bergmann

Seit einem Jahr ist Uwe Smedt bei der Sölring Foriining für alle Ausstellungsstück zuständig, an denen der Zahn der Zeit zu sehr genagt hat

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28. Mai 2011, 11:00 Uhr

Keitum | Er sagt ja nicht viel. Aber das was er sagt, ist immer mit Begriffen wie "schön", "sehr schön", "Traumjob" oder auch "schöne Puzzlearbeit" verbunden: Uwe Smedt (71).

Seit einem Jahr ist der gebürtige Keitumer und gelernte Tischler als 400-Euro-Kraft bei der Sölring Foriining beschäftigt. 50 Stunden soll er dafür jeden Monat arbeiten. Aber Smedt ist fast täglich im Altfriesischen Haus, im Heimatmuseum oder in der dahinter stehenden Gartenhütte, seiner Werkstatt, zu finden.

Er ist der Mann für alle Fälle, genauer gesagt für alle Pflegefälle, die bei dem Heimatverein so eintrudeln: Ein Stuhl aus dem Besitz der dänischen Prinzessin Caroline Mathilde (1751 bis 1775), dessen Polsterung zerschlissen, die Holzschnitzereien brüchig waren. Ein Schiffsmodell aus Alabaster (ein Mineral) mit abgebrochenen Kanonen. Eisenspitzen von Harpunen, denen die Holzstile fehlten oder, wie beim Hängen der am 1. Juni beginnenden Ausstellung "Mensch und Meer" ein Gemälde mit zu großem Rahmen... Smedt nimmt sich ihnen an: Beim königlichen Sitzmöbel, das auch mal dem Sylter Chronisten C.P. Hansen gehörte, drechselte ("Das hat Peter Jansen mir mal gezeigt") er die marodesten Teile neu und fütterte die Rückenlehne aus. Das Schiffsmodell zerlegte er teilweise mit einer Pinzette in alle Einzelteile und baute es dann ganz neu zusammen. Die Harpunen bekamen Griffe aus alten Holzstücken und das Ölbild "Meeresbrandung" von Eugen Dücker sicherte Smedt mit Winkeln und Hölzern. "Ich puzzle einfach gern an solchen Sachen, fühle mich aber genauso dafür verantwortlich, wie es in den Gebäuden und auf den Grundstücken aussieht. Ich bin mir auch für Gartenarbeit nicht zu schade."

Er lächelt und betont einmal mehr: "Es ist eine schöne, eine sehr schöne Aufgabe die ich hier habe."

Im Winter restaurierte er gemeinsam mit Maren Jessen Holzverkleidungen und Türen im Altfriesischen Haus, vergangenes Jahr strich er mit Hilfe des damaligen Zivildienstleistenden Theide Andersen Fenster und Türen des Heimatmuseums... Die Zivis hätten Spaß daran, von ihm die Kniffe und Tricks zu lernen, die man sich in einem langen Berufsleben so aneignet.

Und das besonders, wenn die Grenzen zwischen Arbeit und Hobby so fließend sind, wie bei Smedt: "Das Restaurieren und Instandhalten alter Sachen macht mir die meiste Freude." Eine Freude, von der Museumsbesucher und Heimatverein profitieren. Sölring Foriining-Geschäftsführer Sven Lappeohn: "Uwe ist jemand, der fast alles kann. Mit Geduld und ruhiger Hand restauriert er alte Sachen, die wir sonst in Werkstätten auf dem Festland geben müssten."

Die "ruhige Hand" nutzt Smedt auch für sein eigentliches Hobby: das Malen. In einem Künstlerkreis auf dem Festland stellt er die Bilder - vor allem Stillleben und Landschaften - aus, die er auf seinem, natürlich eigenhändig renovierten Resthof in Risum gemalt hat. Vor acht Jahren ist von Sylt dorthin gezogen - und jetzt treibt ihn die Sehnsucht wieder zurück: "Meine Wurzeln sind einfach auf Sylt. Deshalb suche ich hier dringend eine kleine Wohnung." Dann wäre er auch wieder näher bei seiner Familie: Sohn Uwe wohnt in Morsum, dessen Tochter Clarissa, eine von sechs Enkelkindern, in Tinnum. Sie hat im November Smedts zweiten Urenkel zur Welt gebracht. Seine Cousine ist die Keitumerin Traute Meyer... "Auch wegen der Familie zieht es mich zurück."

Wegen der Familie und natürlich wegen der Pflegefälle, die den Keitumer Museen bestimmt nicht ausgehen werden: "Bei jedem Gang durch die Räume sehe ich etwas, was ich in Ordnung bringen oder noch schöner machen könnte." Und das ist ein Glück! Denn die Freude darüber, die leuchtet Smedt auch dann aus jedem Knopfloch, wenn er einfach nur schweigend vor sich hin bastelt.

Der Mann für alle Pflegefälle

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