Höchste Sylter Auszeichnung : Ein Leben für die Insel und die Musik

Wilhelm Borstelmann auf seinem Grundstück am Keitumer Wattenmeer
Wilhelm Borstelmann auf seinem Grundstück am Keitumer Wattenmeer

Wilhelm Borstelmann erhält C.P. Hansen-Preis 2018 / Verleihung am 9. Dezember im Muasem Hüs

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10. September 2018, 18:09 Uhr

Der Sylter Wilhelm Borstelmann feierte am 15. September 1987 sein 35-jähriges Jubiläum als Organist der Kirche St. Severin zu Keitum. Er hatte das von ihm mit viel Engagement ausgeübte Amt bis 1992 inne. Die Schleswig-Holstein-Medaille erhielt er im Jahre 1990 für sein musikalisches Wirken auf Sylt aus den Händen des damaligen Ministerpräsidenten Björn Engholm. Die höchste Auszeichnung des Nordfriesischen Instituts, die Ehrenmitgliedschaft, wurde ihm 2015 verliehen.

Der Verlag Nordfriisk Instituut gab 2001 die von Wilhelm Borstelmann und seinem Neffen Dr. Daniel Ihonor zusammengestellte genealogische Arbeit „Die Sylter Familien Wögens und verwandte Geschlechter“ heraus, die weit über seine direkte Familie hinausgeht und einen wichtigen Beitrag für die genealogische Forschung auf Sylt darstellt. Ebenfalls gemeinsam schrieben sie für das „Nordfriesische Jahrbuch“ 2006/2007 einen Aufsatz über die Munkmarscher Werft des Großvaters mütterlicherseits, Christian Thomsen (1855– 1936).

Durch sein großes Interesse an der Genealogie und der dazu nötigen Forschungsarbeit wuchs ein Wissen, das er gerne weitergibt. So sind im Hause Borstelmann die Türen auch stets offen für Menschen, die Fragen zur Keitumer Geschichte und zur Genealogie haben. Gern nimmt Willy Borstelmann jede Gelegenheit wahr, Sölring zu sprechen und bei Zusammenkünften friesisches Liedgut auf dem Klavier zu begleiten.

Dem verdienten Keitumer soll nun im 92. Lebensjahr auch mit der höchsten Auszeichnung seiner Heimatinsel Sylt gedankt werden. Das Kuratorium wird Wilhelm Borstelmann am Sonntag, 9. Dezember, im Muasem Hüs mit dem C.P. Hansen-Preis der Sylter Gemeinden ehren. Der seit 1960 ausgelobte Kultur-Preis wird im Angedenken an den Sylter Lehrer und Chronisten Christian Peter Hansen (1803–1879), der das Amt des Keitumer Organisten ebenso viele Jahre innehatte, jährlich im Dezember verliehen.

Wilhelm Borstelmann wurde 1927 auf dem Bauernhof in Keitum geboren, wo er noch heute mit einer Tochter, dem Schwiegersohn sowie mit zwei Enkeln wohnt. Die Eltern ermöglichten ihm und seinem Bruder Hans bereits im Kindesalter Klavierunterricht, so war bei beiden der Grundstein für eine lebenslange Passion – die Musik – früh gelegt.

Die Ermordung seines Vaters Ludwig am 9. Oktober 1942 im KZ Groß-Rosen sollte den bis heute überzeugten Pazifisten Wilhelm Borstelmann stark prägen. Nach dem Krieg erhielten die Brüder Klavierunterricht bei Paul Hasenclever in Westerland und wurden vom Organisten der Flensburger Marienkirche Eugen Simmich an der Orgel unterrichtet. Wilhelm blieb an der Seite seiner Mutter Sophie auf dem Hof und hielt die Familie mit der Landwirtschaft über Wasser. Das angestrebte Studium an der Musikakademie in Lübeck konnte nur vom jüngeren Bruder Hans verwirklicht werden. Doch der Musik gehörte weiter Willy Borstelmanns Leidenschaft.

So fügte es sich, dass im Herbst 1952 die Stelle des traditionell nebenamtlichen Organisten in Keitum vakant wurde. Der im Jahre 1787 in St. Severin errichteten und 1895/96 umgebauten, dem romantischen Klangideal angepassten Orgel, verschrieb er sich nun traditionsbewusst und beharrlich mit ganzer Liebe und Sorgfalt, denn das Instrument war in einem stark renovierungsbedürftigen Zustand. Die finanzielle Situation der Kirchengemeinde erlaubte eine aufwändige Restaurierung nicht, so initiierte der Landwirt Wilhelm Borstelmann mit Unterstützung seines Bruders Hans ab 1954 abendliche Konzerte mit hochkarätigen Musikern, um die Mittel für den Erhalt und Unterhalt der historischen Orgel einzuspielen.

Bis 1992 lockten sowohl die Attraktivität der Insel als auch Borstelmanns Engagement mehr als 350 Musiker in die Kirche zu Keitum und der Erfolg ließ nicht auf sich warten. Bereits 1959 konnte die mit 20 000 D-Mark restaurierte Keitumer Orgel mit einem Konzert eingeweiht werden.

Im gemischten Chor in Keitum begegnete ihm seine Ehefrau Waltraut. 1966 wurde geheiratet und es kamen drei Kinder. Nach den Konzerten in der Keitumer Kirche waren die Musiker gern gesehene Gäste und ließen häufig den Abend bei Familie Borstelmann ausklingen.

Die weit über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus populären Mittwochskonzerte wurden durch Wilhelm Borstelmann zum festen Bestandteil des Sylter Kulturlebens und namhafte Künstler aus Europa und Übersee geben bis heute ihr Inseldebüt.

Es wurden Ende der 1970er Jahre Übertragungen im NDR gesendet und es konnten Schallplatten der St. Severin-Konzerte erworben werden, deren Verkauf neben den Eintrittseinnahmen eine weitere Renovierung der Orgel im Jahre 1983 für 200 000 D-Mark möglich machen sollte.

Bis im Jahr 1999 eine neue Orgel errichtet wurde, war die Erhaltung des historischen Kircheninstrumentes in St. Severin zu Keitum, auf dem bereits C.P. Hansen spielte, ein wichtiger Teil des Lebenswerkes Wilhelm Borstelmanns.

Neben der Leitung der gemischten Chöre von Keitum und Kampen war er mit großer Unterstützung seiner Frau Waltraut auch maßgeblich an der Gründung der Musikschule Sylt beteiligt, um den Kindern der Insel den Zugang zur Musik zu eröffnen, den er schon früh durch sein Elternhaus erfahren durfte und der sein Leben so sehr bereicherte.


























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