Sylter Maler : Ein Künstler auf Reisen

„Im Gegensatz zu meiner Arbeit auf Sylt musste ich meine Pinselführung zügeln, um der Atmosphäre gerecht zu werden“, sagt der Künstler über seine in der Schweiz entstandenen Bilder. Hier: „Morgenstimmung in Küssnacht“.
„Im Gegensatz zu meiner Arbeit auf Sylt musste ich meine Pinselführung zügeln, um der Atmosphäre gerecht zu werden“, sagt der Künstler über seine in der Schweiz entstandenen Bilder. Hier: „Morgenstimmung in Küssnacht“.

Lars Wiggert verbrachte den letzten Herbst in der Schweiz. Die Stadtgalerie zeigt bis Ende Juni 43 dort entstandene Bilder.

shz.de von
07. Juni 2018, 05:30 Uhr

Den Sylter Maler Lars Wiggert zog es im vergangenen Herbst in die Schweiz. Der Walchen- , vor allem aber der Zürichsee waren seine Reiseziele. Selbstkritisch fragte er sich vorab: „Verändert sich fortan meine Malweise? Kann ich mich im Süden von meiner nordfriesischen Prägung lösen, um künstlerisch Neues zu beginnen?“

Von jeher haben sich Künstler auf den Weg gemacht, gingen auf Reisen. Die Folge: Neue Eindrücke bedingten, dass sich ihr künstlerisches Schaffen wandelte. Vincent van Gogh etwa verschlug es von Flandern ins südfranzösische Arles – da begannen seine Bilder auf einmal in glühendem Gelb zu leuchten. Den Greifswalder Caspar David Friedrich zog es in die heitere böhmische Landschaft – da löste er sich sowohl von seinen Motiven als auch von der oftmals wie verzaubert anmutenden Düsternis seiner nördlichen Bilder. Sanft und in hellen Farben kamen Böhmens Hügel und Felder auf einmal daher. Welch ein Wandel!

Gemälde „Blauer Tag am Zürichsee“.
Gemälde „Blauer Tag am Zürichsee“.

Die aktuelle Ausstellung Wiggerts, unter dem Titel „Reiseimpressionen“ von Bürgermeister Nikolas Häckel am Dienstagabend in Westerlands Stadtgalerie „Alte Post“ eröffnet, bleibt die Antwort auf die Fragen des Künstlers nicht schuldig.
Da tut sich eine Werkschau mit insgesamt 43 Bildern voller Überraschungen auf. Den bislang allzu vertrauten Motiven aus Wiggerts künstlerischem Schaffen, etwa „Brandung vor Kampen“ oder „Dünental im Listland“ gesellen sich jetzt Bilder hinzu, die stimmungsvoll und anmutig zugleich Landschaften einfangen, die zwar nicht direkt dem europäischen Süden zuzurechnen sind, ihn aber unschwer erspüren lassen. Lässt doch der Blick über den Zürichsee das Tessin und die italienische Lombardei erahnen, gar sehnsuchtsvoll suchen. Trotz des Alpenmassivs, das sich in oftmals gleissendem Licht zeigt.

Da zaubert Wiggert mit Werken wie „Morgenstimmung in Küsnacht“ oder „Blauer Tag am Zürichsee“ meisterlich eine Stimmung herbei, die sich fern aller nordisch-kompakten Wolkenbänke oder düsterer Nebeldurchtränktheit hier dem sehnenden Auge erschließt. Dem sehenden Künstlerauge sowieso. Selbst sein „Herbsttag am Küsnachter Horn“ erfreut mit Farben, wie sie die Fülle des Oktobers oftmals allein unter südlicherer Sonne hervorzuzaubern vermag. Allenfalls in pfälzischen oder badischen Weindörfern mag dieses Farbenspektrum anzutreffen sein.

Der Künstler Lars Wiggert.
Der Künstler Lars Wiggert.

Und Wiggert bekennt: „Im Gegensatz zu meiner Arbeit auf Sylt musste ich meine Pinselführung zügeln, um der Atmosphäre gerecht zu werden. Auch meine Farbpalette wurde um mindestens einen Blauton reicher“.

Man mag Wiggert als Ergebnis dieser neuen Ausstellung weitere Reisen anraten. Allen Kunstinteressierten aber sollten sich auf den Weg zu dieser Ausstellung begeben, die noch bis zum 29. Juni zu sehen sein wird.

Lars Wiggert: Reiseimpressionen, Stadtgalerie „Alte Post“, 25980 Sylt/OT Westerland, Stephanstr. 4, Mo – Fr 11-13 und 15-18 Uhr
Sa 11-16 Uhr



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