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Sylter Chronist C.P Hansen : Ein kindlicher Blick auf Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Historischer Schatz: Buch zeigt bislang unbekannte Beschreibungen der Insel und unveröffentlichte Landschaftszeichnungen von C.P.Hansen

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2015 | 06:30 Uhr

Er führte schon von Kindesbeinen an regelmäßig Tagebuch – dabei schienen die Vögel auf Sylt Peter Hansen besonders fasziniert zu haben. Kein Wunder: Der jüngere Bruder des berühmten Inselforschers Christian Peter Hansen, war beim Verfassen seiner jetzt veröffentlichten Berichte erst zwölf Jahre alt. Er schilderte die Insel aus geographischer, volkskundlicher und politischer Sicht. Bemerkenswert hier: Die Dichte und der Umfang des Wissens des Jungen über Sylt.

Anlässlich der Ausstellung „Sylt im Sinne. Der Chronist C.P. Hansen“, die im vergangenen Jahr im Sylter Heimatmuseum gezeigt wurde, hat die Söl’ring Föriining ein Werk herausgegeben, dass die bisher unveröffentlichte Texte der Insel von Peter Hansen mit erstmals farbig abgebildeten Zeichnungen von C.P. Hansens zusammenbringt.

„Die Entdeckung einer Landschaft. Sylt im 19. Jahrhundert. Zeichnungen von C. P. Hansen und eine Beschreibung der Insel von P. Hansen“, lautet der lange Titel des auf hochwertigem Papier gedruckten Bandes.

Die bislang eher unbekannten Beschreibungen der Insel des früh verstorbenen Bruders des Sylter Chronisten aus dem Jahre 1824, eröffnen einen neuen, besonderen Blick auf die Insellandschaft – verfasst aus der Sicht eines Zwölfjährigen. Sprachlich unterscheiden sich seine Ausführungen vom heutigen Deutsch – Sylt heißt bei ihm beispielsweise Silt. Ergänzt werden die Beschreibungen Peter Hanens und die Zeichnungen C.P.Hansens mit Texten von Albert Panten und der Kunsthistorikerin Dörte Ahrens sowie der Söl’ring Föriining.

„Das Buch ist wunderschön – es ist niedlich wie Hansen die Insel in den verschiedenen Jahreszeiten beschreibt“, sagt Kunsthistorikerin Dörte Ahrens. Die Museumsleiterin hat die Redaktion des Bandes übernommen. Der Bruder des berühmten Chronisten galt als sehr klug , so die Expertin. „Geistig war er freilich mehr als gewöhnlich begabt, hatte einen hellen Verstand, ein lebhaftes Gefühl für alles Schöne und Gute, namentlich auch fürdie Natur und die Musik“, schrieb C.P. Hansen über seinen kleinen Bruder.

Transkribiert wurden die für den Laien nur schwer zu entziffernden von Peter Hansen mit Feder mal dick mal dünn geschriebenen Handschriften vom Geschichtsforscher Albert Panten. Dieser beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit C.P. Hansen und dessen Leben.

So beschreibt der Junge die einzelnen Jahreszeiten auf der Insel: „Der Frühling ist eine merkwürdige, obgleich traurige Jahreszeit für Silt. Man sieht hier keine Wälder grünen, weil da keine sind. [...] Auch fahren die meisten Seeleute dann von Silt. Es fahren in einem Schiff 10, 20 bis 30 und mehrere weg, nach Hamburg und Altona um Nahrung zu suchen.“

Der Mittelteil der Publikation ist gefüllt mit erstmals farbig abgebildeten und mittlerweile restaurieren Zeichnungen C.P. Hansens. Dünenberge, Heideflächen und Wiesen die einander abwechseln – das Wattenmeer und die Nordsee liegen offen da. Mit seinem stets wachen Blick hat der Keitumer Lehrer und Organist C.P. Hansen im 19. Jahrhundert die außergewöhnliche Sylter Landschaft auch über die Inselgrenzen hinaus bekannt gemacht.

Mit seinen Zeichnungen schuf der Sylter ein Bild der Insel das diese bis heute prägt und kann als „Gedächtnis seiner Heimatinsel“ bezeichnet werden. Die in Originalgröße dargestellten Werke sind zwischen 1836 und 1870 entstanden und wurden dem Museum aus einem Privatbesitz geschenkt. Laut Traditionsverein gelten diese bis zu 160 Jahre alten Blätter als die frühesten Darstellungen der Sylter Landschaft.

Zeitgenössischen Landschaftsmalern war die Insel bis dahin noch unbekannt: Hansens Motivauswahl zeige ihn als Kenner der Gegend, denn „seine kleinformatigen Zeichnungen berühren den Betrachter mit ihrem detaillierten, der Insel liebevoll zugewandtem Blick“, teilte das Museum mit.

Sowohl die Zeichnungen als auch die Texte verdeutlichen die genaue Kenntnis der Brüder über ihre Heimatinsel sowie deren innere Verbundenheit mit der Landschaft, ihren Bewohnern, den Tieren und Pflanzen. „Die Dünen werden im Herbst, doch auch im Frühling, oft mit Halm bepflanzt und es werden bisweilen, Wälle, [...]aufgeschossen um das Anrücken der Dünen etwas zu hemmen, den jedes Jahr schreiten die Dünen einige Fuß landeinwärts und nehmen an der Strandseite ab. Dadurch wird Silt immer kleiner [...]“, schreibt Peter Hansen.

Der Nachlass von C.P. Hansen wurde nach dessen Tod nicht gebündelt verwaltet und liegt an verschiedenen Orten der Welt verstreut. Neue Quellenfunde können so wahre Schätze sein und zu neuen Erkenntnissen über den Sylter Heimatforscher führen.

 

 

„Die Entdeckung einer Landschaft. Sylt im 19. Jahrhundert. Zeichnungen von C.P. Hansen und einer Beschreibung der Insel von P.Hansen“. Söl’ring Föriining; Autoren: Albert Panten, Söl’ring Föriining, Dörte Ahrens; ISBN 978–3–925735–165; erhältlich m Sylter Heimatmuseum und im Buchhandel, 18,50 Euro.

 

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