Auslandsjahr : Ein Keitumer in Singapur

Fußball und Kaffeetrinken – die beiden Leidenschaften des Sylters Florian Wulff.
Fußball und Kaffeetrinken – die beiden Leidenschaften des Sylters Florian Wulff.

Der Sylter Gymnasiast Florian Wulff besuchte das „United World College“ in dem fernöstlichen Insel- und Stadtstaat

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22. Juni 2018, 04:41 Uhr

In der einen Hand den Fußball, in der anderen die Kaffeetasse. So kommt er mir im Schulflur des Westerländer Gymnasiums entgegen. Die Rede ist von Florian Wulff, der in einem Jahr hier sein Abitur ablegen wird. Fußball und Kaffeetrinken – das scheinen (auch) seine Leidenschaften zu sein. Quasi in einem Nebensatz erwähnt er, dass er so richtig auf den Geschmack des Gebräus erst beim Besuch des „United World College“ in Singapur gekommen sei. Das Stichwort war gefallen. Über Florians Auslandsschuljahr an dieser renommierten internationalen Schule des fernöstlichen Stadtstaates soll hier berichtet werden.

Es begann mit einer Reise im Familienverband nach Singapur. „Da sahen wir uns auch diese Schule an, denn meine Eltern befürworteten von Anfang an ein Auslandsschuljahr. Und ich wollte es auf jeden Fall auch.“

So einfach aber war das alles nicht. Voraussetzung neben einem guten Schulenglisch wegen der Unterrichtssprache war ein Aufnahmetest, der über das Westerländer Gymnasium absolviert werden konnte. In den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch wollte die ferne Schule Naheliegendes wissen: Welchen Leistungs- und Wissensstand weist der Kandidat auf? Welchen Kursen kann er zugewiesen werden? Das Aufnahmegespräch absolvierte Florian damals gleich an Ort und Stelle. Und er spürte bereits zu diesem Zeitpunkt: Leistung und Persönlichkeit sind die entscheidende Eintrittskarte zu diesem Institut.

Mit vollgepackten Koffern und in Begleitung beider Eltern ging es auf die Reise in eine fremde Welt. Gleich auf dem Airport in Singapur bekam der Sylter sie zu spüren. „Kaugummi raus!“ hieß es da, denn der Stadtstaat achtet peinlichst auf die Sauberkeit im öffentlichen Raum. „Ich wusste sofort, wie es hier läuft.“

Nicht minder rigoros auch der alltägliche Schulbetrieb. „Die Disziplin war sehr streng,“ berichtet Florian. „Kam jemand zu spät in den Unterricht, wanderte ein Zettel in die Schülerakte. Häuften sie sich, wurden die Eltern benachrichtigt. Unter Umständen führte das auch zur Aberkennung des Jahrgangsabschlusses.“

Bei hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen von im Schnitt über 30 Grad wurde täglich von 8 bis 15 Uhr gelernt. In Arbeitsräumen, in denen jeder Schüler seinen eigenen Arbeitsplatz hatte, wurden sodann von 16.30 bis 18 Uhr unter Aufsicht Hausaufgaben gefertigt oder Referate vorbereitet. Fiel diese Stillarbeitsphase etwa freitags aus, wurde sie Sonntagabends nachgeholt.

Im Nelson-Mandela-Haus, einem der Schule angeschlossenen Internat, fand Florian in einem Vierbettzimmer seine neue Bleibe. Asiaten, Afrikaner und Europäer fast aller Nationen – eine bunt gemischte internationale Schülerschaft lebte hier auf engem Raum zusammen. Der Sylter schwärmt noch heute von seinen neuen Freundschaften. Bald wird in Keitum entsprechender Besuch erwartet.

Obligatorisch: die Schuluniform. Die graue Hose mit blauem Polohemd, daran waren die Mittelstufenschüler zu erkennen, während die Oberstufe sich mit schwarzer Hose und weißem Oberteil zeigte. Viele Sorgen, die manche Eltern vielleicht hegten, nahm die Schule ihnen ab: Eine Schulklinik gab es ebenso wie eine Kantine mit Rundum-Versorgung und perfekt ausgestattete Räume für die Wäschepflege.

Diskussionsrunden, häufige Gruppenarbeit, die Konzentration auf lediglich sechs Kernfächer, digitale Schulbücher, Online-Hausaufgaben und die Arbeit mit dem Laptop waren bestimmend. Und auch das sei deutlich vermerkt: „Hausaufgaben gab es in allen Fächern!“

Gefordert wurde aber auch Einsatz für sozial Schwache und Benachteiligte. Die Glitzerwelt der Wirtschaftsmetropole Singapur hat auch Schattenseiten. „Nach nur wenigen Bushaltestellen waren wir in einer ganz anderen Welt. Mit geistig behinderten Kindern spielten und malten wir regelmäßig. Und auf unserer Klassenfahrt stand Spaß nicht an erster Stelle. Im Norden Thailands legten wir für eine Grundschule ein Fußballfeld an, schlugen Bäume und bauten Tore. Die Toilettenräume der Schule wurden von uns ebenso renoviert wie wir unter Anleitung einen Schulweg betonierten, der bisher nur aus Schlamm bestand.“ Das Fazit des jungen Sylters: „Uns allen hat es Spaß gemacht und es gab uns eine Menge, denn alle haben sich so sehr gefreut.“

Nun ist der Gymnasiast zurück in Deutschland. Der Aufenthalt in Singapur wirkt nach, denn Erfahrungen und Eindrücke, Begegnungen und soziales Engagement sind prägend und nicht einfach wegzuwischen. „Ich denke daran, mit Kindern in einem Sportverein zu arbeiten. Mich für sie einzusetzen.“ Ob das mit zunehmenden schulischen Anforderungen und mit Blick auf die Reifeprüfung zu realisieren ist, steht noch dahin. Aber die Zeit in Singapur war eine durchgreifende, in die Tiefe gehende Lektion für diesen jungen Mann. „Ich habe so viel gelernt,“ heißt es von ihm abschließend. Und auch, dass er es jedem nur raten kann, für eine Zeit ins Ausland zu gehen.

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