Syltshuttle : „Ein Imageschaden für die Insel“

Hans Leister, Chef von RDC Deutschland, und Henry Posner III, der Begründer des amerikanischen Unternehmens, vor ihrem Autozug.
Hans Leister, Chef von RDC Deutschland, und Henry Posner III, der Begründer des amerikanischen Unternehmens, vor ihrem Autozug.

Reaktionen zu den Autozügen für Sylt, die das amerikanische Eisenbahnunternehmen RDC vorgestellt hatte.

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07. Mai 2015, 05:45 Uhr

„Ich bin irritiert, verärgert, traurig – und das ist noch lieb ausgedrückt“, sagte Nikolas Häckel gestern, nachdem er sich die Bilder der Waggons angesehen hatte, mit denen RDC ab Mitte Dezember den Autozugverkehr übernehmen will. „Ich denke dabei auch an unsere Außendarstellung“, so der Bürgermeister der Gemeinde Sylt angesichts der geradezu historisch und schlicht anmutenden Waggons: „Wir sind eine Urlaubsdestination und wollen unseren Gästen auch bei der Anreise eine schöne Urlaubserfahrung bieten. Deshalb kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass sie auf solchen Fahrzeugen die Insel erreichen sollen.“

Moritz Luft, Chef der Sylt Marketing GmbH (SMG), blickt nüchtern, aber sehr skeptisch auf das Vorhaben der amerikanischen Eisenbahnbetreiber was deren Fahrplanüberlegungen und die Qualität der vorgestellten Autozüge betrifft: „Sylt ist bekannt für eine herausragende und innovative Ausstattungs- und Servicequalität (siehe z.B. die Bewertungen Hotellerie) - diese Qualität stärkt die Marke und lässt sie strahlen. Ein Sylt-Urlaub umschließt neben Unterkunft und Aufenthalt aber auch An- und Abreise. Insofern wird auch vom Autozug eine adäquate Qualität erwartet. Ich bin derzeit skeptisch, dass mit dem vorgestellten Material diese Ansprüche/Qualitätserwartungen erfüllt werden können. Ich hoffe nicht, dass das zukünftige Transportangebot für PKW-Anreisende eher Marken-schädlich vonstatten gehen wird. Immerhin: Das Thema Autozug bringt mit sich, dass man sich auf der Insel auch mal stärker mit der momentanen Umsetzungsqualität der DB beschäftigt, und dass diese auch entsprechend gewürdigt wird.“

Finja Fröhlich, Kurdirektorin in Hörnum: „Natürlich muss man auch dem neuen Anbieter erst einmal eine Chance geben.“ Allerdings tröste sie der Verweis darauf nicht, dass ab 2017 auch RDC doppelstöckige Züge fahren lassen würde: „Wir brauchen doch ab Dezember dieses Jahres ein seriös agierenden Anbieter, der das Image der Insel würdig vertritt.“ Ohnehin stünden Sylt genügend infrastrukturelle Probleme – B5 und A7-Ausbau – ins Haus. Da könne man sich einen eventuell unzuverlässigen Autozug-Betreiber nicht auch noch leisten.

Peter Schnittgard, Bürgervorsteher der Gemeinde Sylt, ist schlicht entsetzt von den neuen Autozügen und wertet sie unter Touristischen Gesichtspunkten als „Imageschaden für die Insel, die ja nicht irgendein Ferienort, sondern eine Premium-Destination ist“. Schnittgard will auf der Insel einen runden Tisch initiieren, der sich mit den Möglichkeiten befassen soll, wie sich die Insel zukünftig in das Vergabeverfahren der Autozüge mit eigenen Interessen einbringen kann.

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