„Ein hervorragender Erfolg“

Hinter dem Bahnhof Klanxbüll müssen sich die Züge bis Niebüll bislang ein Gleis teilen.
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Hinter dem Bahnhof Klanxbüll müssen sich die Züge bis Niebüll bislang ein Gleis teilen.

Touristiker, Politiker und Pendler äußern sich zum Beschluss des Bundes, die Bahnstrecke Niebüll-Klanxbüll zweigleisig auszubauen

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06. November 2018, 18:44 Uhr

Auf der Insel Sylt herrscht ebenso wie auf dem nahen Festland übereinstimmend große Freude über die gestern getroffene Entscheidung des Bundes, die Bahnstrecke zwischen Niebüll und Klanxbüll zweigleisig auszubauen (siehe Artikel auf den Seiten 1 und 5).

„Das ist ein hervorragender Erfolg“, sagt Moritz Luft, der Geschäftsführer der Sylt Marketing GmbH (SMG). „Es ist sehr erfreulich, dass nunmehr die dringend notwendigen Grundlagen geschaffen worden sind, um den Ausbau der Strecke zu ermöglichen.“

Luft dankt ausdrücklich allen Unterstützern der erfolgreichen SMG-Kampagne „Catapult Air“ und der damit verbundenen Marschbahnpetition. „Bund, Land und Region ziehen jetzt endlich an einem Strang. Ich danke allen, die dabei mitgeholfen haben, deutlich zu machen, dass es sich keineswegs um ein nur regionales Problem handelt, sondern dass diese Bahnverbindung essenziell wichtig ist für die touristische Bedeutung der Insel Sylt in ganz Deutschland und sogar weit über die Grenzen hinaus.“

Der SMG-Chef erachtet es auch als sinnvoll, den zweigleisigen Ausbau nicht nur auf dem Festland, sondern auch auf Sylt – also zwischen Morsum und Tinnum – zumindest langfristig in Angriff zu nehmen. Gleiches gelte für die Machbarkeitsstudie zur Verlagerung der Sylter Autoverladung. „Wir sollten sämtliche Optionen prüfen und müssen dabei alles im Zusammenhang betrachten.“

„Wir sind natürlich begeistert, dass unsere jahrelangen Bemühungen endlich Früchte getragen haben“, erklärt Karl Max Hellner, der Vorsitzende des Vereins Sylter Unternehmer (SU). Die Topurlaubsdestination Sylt bekomme endlich die Anbindung, die sie verdiene. Auf der Insel selbst müssten nun allerdings die „Schularbeiten“ gemacht werden. Ernsthaft diskutiert werden müsse etwa, die Autoverladung raus aus Westerland zu verlagern, so Hellner.

„Feiern können wir auf alle Fälle“, sagt Achim Bonnichsen von der Pendler-Initiative, der man laut Wirtschaftsminister Bernd Buchholz den Erfolg maßgeblich mit zu verdanken hat. Grund zur Skepsis sieht Bonnichsen nicht: „Die Entscheidung ist da, und das Geld ist da.“ Die Frage sei nun, wann es mit der Umsetzung losgehe. „Fünf Jahre Planung, zwei Jahre Bauzeit. 2025, 2026 wird es so weit sein“, schätzt der Niebüller. Diese Zeit werde erfahrungsgemäß benötigt bei solchen Vorhaben. Für die Pendler-Initiative bedeute die Entscheidung allerdings nicht, dass man jetzt die Hände in den Schoß legen könne. „Wir werden das Projekt unterstützen, aber auch weiter Druck machen“, kündigte Achim Bonnichsen an.

„Ich freue mich sehr über die Entscheidung zum zweigleisigen Ausbau – und darüber, dass wir es nach Jahrzehnten endlich gemeinsam geschafft haben“, erklärt Nikolas Häckel. Der Bürgermeister der Gemeinde Sylt begrüßt ausdrücklich auch die Überlegungen für einen zweigleisigen Ausbau der Strecke auf der Insel selbst. „Dabei anstehende Fragen und Probleme müssen wir jedoch gemeinsam beantworten und lösen. Natürlich zusammen mit der Deutschen Bahn AG, aber auch mit Anwohnern oder Grundstückseignern – und nicht nur in der Gemeinde Sylt, sondern gesamtinsular.“ Auch die Machbarkeitsstudie zur Verlagerung der Autoverladung auf Sylt müsse auf jeden Fall in Angriff genommen werden, so Häckel. Die Studie würde ja im Auftrag des Landes erstellt und sei völlig ergebnisoffen. „Wir sollten mit dabei sein, wir werden sicher auch gefragt, aber nach der ablehnenden Entscheidung aus der Politik können wir leider nicht mehr Impulsgeber sein, sondern sind nur noch Zuarbeiter.“

Für Niebüll sei dies „einfach nur ein guter Tag“, kommentiert Wilfried Bockholt die Entscheidung – „wohlwissend, wie lange so etwas dauern kann“. Dies sei „ein Riesenschritt“, so der Bürgermeister. Auch die Pläne der Stadt in der Gather Landstraße, wo eine Brücke den Bahnübergang ersetzen soll, hingen mit der Zweigleisigkeit zusammen.

Sein Kollege Friedhelm Bahnsen spricht von einem „guten Signal“ für die Pendler. „Ich denke, wir freuen uns hier alle in Nordfriesland“, sagt der Klanxbüller Bürgermeister. „Nun harren wir der Dinge, die da kommen“, fügt er an – und meint damit die Ungewissheit, die der zeitliche Aspekt der Realisierung in sich birgt.

Heinz Maurus rechnet damit, dass die Planungen für den zweigleisigen Ausbau des Streckenabschnitts Niebüll-Klanxbüll bis 2022 fertig sind und es anschließend zügig an die Ausführung der erforderlichen Arbeiten gehen kann. Grundsätzlich herrsche auch bei ihm große Freude, sagt der Kreispräsident. „Das ist einfach toll und eine Bestätigung jahrzehntelanger Bemühungen – ich erinnere nur daran, dass ich schon bei meiner Wahl in den schleswig-holsteinischen Landtag im Jahr 1996 dazu erstmals Vorschläge gemacht habe.“ Der Kreispräsident betont auch, die jetzige Entscheidung gehe über das hinaus, „was wir ursprünglich gefordert hatten. Wir sollten deshalb jetzt nicht überziehen, sondern zunächst das Machbare einfordern.“ Eine Umsetzung der Zweigleisigkeit auf Sylt sieht Maurus dagegen skeptisch und verweist beispielsweise auf den Bereich Eibenweg am Bahnübergang Ingewai in Tinnum: „Das wäre dort ja extrem schwierig wegen der engen Bebauung.“

Für den CDU-Politiker und langjährigen Sylt-Oster Bürgermeister Ingbert Liebing ist das Votum für den zweigleisigen Ausbau „ein Meilenstein und der entscheidende Durchbruch“, für den er als Bundestagsabgeordneter zwölf Jahre lang in Berlin engagiert gekämpft habe. „Wichtig ist, dass der Bund nunmehr die Abschaffung des Engpasses auf der Marschbahn als vordringlichen Ausbaubedarf anerkennt und sich endlich selbst in der Pflicht sieht, etwas zu tun“, so Liebing. Wie Heinz Maurus rechnet er mit einem Abschluss aller Planungen für den Ausbau des Abschnitt Niebüll-Klanxbüll bis spätestens 2022 – „das halte ich für machbar und durchaus realistisch.“

Auch Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen verweist auf einen lange andauernden Kampf, der endlich zum Erfolg geführt habe. „Dies ist ein außerordentlich guter Tag für Nordfriesland. Seit den 90er Jahren hat unser Kreistag die Zweigleisigkeit der Marschbahn gefordert“, sagt Harrsen. Sein Dank gelte allen, die sich in den letzten Jahren vor und hinter den Kulissen für dieses Ziel eingesetzt hätten. Nun müssten die Planungen für die Zweigleisigkeit zwischen Niebüll und Klanxbüll „unverzüglich beginnen“. Es sei sehr zu begrüßen, dass auch die Strecke Morsum-Tinnum zweigleisig ausgebaut werden soll. Die Planungen auf Sylt würden aber sicherlich länger dauern als die für die Festlandsstrecke, erwartet Harrsen. Doch wie man aus Berlin höre, solle in Stufen vorgegangen werden, so dass die Planungen auf Sylt die Arbeiten auf dem Festland nicht verzögern würden.

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