Historischer Sylt-Kalender : Ein ganzes Jahr Sylter Geschichten

Die vollbesetzte Promenade mit der alten Musikmuschel (links) im Jahr 1934.
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Die vollbesetzte Promenade mit der alten Musikmuschel (links) im Jahr 1934.

In Zusammenarbeit mit dem Sylter Foto-Sammler Dirk Jacobsen entstand der Kalender „Historisches Sylt“.

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23. November 2018, 17:59 Uhr

Betrachtet man  die Facebookseite von Dirk Jacobsen ist es, als reise man in die Sylter Vergangenheit: Tanzlokale,  Menschen, die lachend vor der alten Musikmuschel sitzen,  ein nahezu unbebautes Sylt. Lange ist es her. Doch in 15 Bildern gelingt es dem  Kalender „Historisches Sylt“, das Lebensgefühl vergangener Zeiten einzufangen.

Angefangen habe  alles mit Bildern seiner Urgroßmutter, sagt Jacobsen. „Ich habe die Bilder gesehen und konnte mich plötzlich wieder erinnern. Ja, stimmt, so sah  es damals aus, dachte ich.“ Daraufhin beschloss er, auch andere Menschen an den alten Fotografien teilhaben zu lassen. „Ich wollte auch anderen die Möglichkeit geben, sich zu erinnern. Erzählungen reichen oftmals nicht, man muss es  vor sich sehen.“ Auch für die Nachwelt möchte er die Geschichte Sylts erhalten. „Ich wollte, dass meine Kinder wissen, wie es hier früher einmal ausgesehen hat.“

Westerländer Strandkorbwächter Anfang des 19. Jahrhunderts.
Westerländer Strandkorbwächter Anfang des 19. Jahrhunderts.

Mittlerweile ist Dirk Jacobsen im Besitz von etwa 150000 Bildern. Leute, die seine Seite kennen, kommen auf ihn zu, bringen alte Familienalben und Fotografien vorbei. Viele seiner Bilder erwirbt er auch über Seiten wie Ebay, wo er ganze Alben und Dias ersteigert.

Claudia Telle  wurde im Rahmen ihrer Arbeit für die „Kalender Manufaktur“ in Verden   auf Dirk Jacobsens Seite aufmerksam. Sie sei auf der Suche nach Bildern deutscher Inseln für einen historischen Kalender gewesen und die Facebookseite habe sie sofort begeistert. „Intuitiv habe ich mir die 15 spannendsten Motive ausgesucht und bei Herrn Jacobsen angefragt“, so Telle.

Der Kalender zeigt  Alltagssituationen. Er zeigt die Menschen, das Leben auf der  Insel.  „Historisches Sylt“ öffnet und schließt mit  alten Sylter Bauwerken und zeigt das Innere des Altfriesischen Hauses in Keitum und die Halle des legendären Tanzlokals „Trocadero“ mitsamt Einrichtung und Musikinstrumenten.  Das Klappholttal ist mehrfach vertreten, unter anderem  mit einer  Fotografie   der Inselbahnhaltestelle und den Menschen, die fröhlich ein- und aussteigen aus dem  Jahr 1926.  Ein beliebtes Motiv der 20er Jahre auf Sylt ist die Westerländer Strandstraße. Eine Fotografie zeigt die Straße belebt und beinahe überfüllt beim Festumzug zur Einweihung des Hindenburgdamms 1927. Des Weiteren ist das Friseurgeschäft Emil Gesing in der Strandstraße 4 zu sehen, vor dem zwei junge Männer stehen, die Arme hinter dem Rücken verschränkt, in Anzug und weißen Kitteln. Ein weiteres Mal ist die Strandstraße im historischen Kalender  vertreten, diesmal jedoch 20 Jahre früher. Die einzige bunte Aufnahme im Kalender, die um 1906  entstanden ist, zeigt einige Spaziergänger.

Carl Brüggen und Ernst Eggert in der Strandstraße 1929.
Carl Brüggen und Ernst Eggert in der Strandstraße 1929.

Der Kalender macht seinem Namen zudem alle Ehre und zeigt historische Ereignisse wie den Bau des Hindenburgdamms und schließlich die erste Zugfahrt am 1. Juni 1927.

Der September zeigt eine weitere  geschichtliche Besonderheit: Ein Foto des am 19. Oktober 1935 gestrandeten französischen Frachters „Adrar“, der zehn Monate am Wenningstedter Strand lag, da er  nicht freizubekommen war.    

Es ist ein etwas anderer Syltkalender  –  keine Sonnenuntergänge, Meer- oder Leuchtturmbilder. Eindrucksvoll und authentisch sind die Fotografien, die einen Einblick in die vergangenen 100 Jahre der  Geschichte Sylts gewähren, jedoch allemal.

Erhältlich ist der Kalender für 18 Euro bei Voss und in der Badebuchhandlung in der Friedrichstraße in Westerland.
Erhältlich ist der Kalender für 18 Euro bei Voss und in der Badebuchhandlung in der Friedrichstraße in Westerland.
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