"Westerland" : Ein Film über Freundschaft, Liebe, Sylt

Eindrucksvolle Bilder der winterlichen Insel sorgen für die Stimmung des Kinofilms mit Burak Yigit und Wolfram Schorlemmer.
1 von 2

Eindrucksvolle Bilder der winterlichen Insel sorgen für die Stimmung des Kinofilms mit Burak Yigit und Wolfram Schorlemmer.

Mit "Westerland" feiert Regisseur Tim Staffel (46) bei der Berlinale sein Debüt und freut sich über das Glück, Sylt auch im Winter kennen gelernt zu haben

Avatar_shz von
04. Februar 2012, 09:12 Uhr

Sylt / Berlin | Nach dem Song "Westerland" von den Ärzten gibt es jetzt auch einen Kinofilm, der den Namen der Inselmetropole trägt. Während der Song der Berliner Punk-Popper die gängigen Insel-Klischees kräftig auf die Schippe nimmt, zeigt der Film von Regisseur Tim Staffel (lebt ebenfalls in Berlin) ein Sylt-Bild jenseits dieser Klischees.

Wann "Westerland" in den Kinos zu sehen sein wird, steht zwar noch nicht fest, doch seine Uraufführung wird er am 15. Februar bei der Berlinale erleben. Neben zwölf weiteren Filmen wird das Spielfilm-Debüt Staffels in der Sektion "Perspektive Deutsches Kino" gezeigt. "Das ist natürlich eine unglaublich große Auszeichnung und wird dem Film hoffentlich gut tun", sagt der Regisseur, von dem auch die Romanvorlage zum Film stammt. Das bereits 2008 im Transit-Verlag erschienene Buch "Jesus und Muhammed" handelt von zwei sehr unterschiedlichen jungen Männern, der eine mit türkischen, der andere mit spanischen Wurzeln. Nachdem der beim Ordnungsamt jobbende Muhammed (der im Film Cem heißt), der eigentlich Landschaftsarchitekt werden will, den auf der Insel gestrandeten Jesus vom Selbstmord abhält, entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft, aus der eine komplizierte Liebe wird.

Dass diese Geschichte nicht in irgendeiner deutschen Großstadt spielt, sondern ausgerechnet auf Sylt, ist der Verdienst der Stiftung "kunst:raum sylt quelle", bei der Staffel mehrfach zu Lesungen und als Stipendiat zu Gast war. "Dabei hatte ich das Glück, die Insel auch im Winter kennen zu lernen und zu sehen, es gibt hier auch ein anderes Leben, eines jenseits des Tourismus’." Der Sylter Winter sorgte nicht nur für die Kulisse und Stimmung von Buch und Film, sondern ließ Staffel auch "sehr mit den Menschen auf der Insel sympathisieren".

Nachdem ihm schon beim Schreiben des Romans am Rantumbecken klar war, dass daraus auch ein Kinofilm werden soll, hatte er vor einem Jahr bei den Dreharbeiten dann erneutes Winterglück auf Sylt: "Der Schnee und das tolle Wetter haben für großartige Bilder gesorgt." Hinzu kam eine große Hilfsbereitschaft der Insulaner, von denen Staffel in seiner Geschichte ein bisweilen skurriles aber keineswegs wirklichkeitsfernes Bild zeichnet, wenn ein anatolischer Immobilienmakler auftaucht, der mit einer deutschen Naturschützerin verheiratet ist, oder ein fürsorglicher Anarchist am Steuer einer Straßenkehrmaschine...

"Die eindrucksvollen Bilder erzählen auch von der Einsamkeit in den Herzen der Protagonisten. Was sie umtreibt, wie sie verzweifelt versuchen, endlich irgendwo anzukommen und doch immer wieder scheitern - am Leben und letztlich auch an sich selbst", sagt Indra Wussow, Vorsitzende der kunst:raum-Stiftung, die Co-Produzent des Filmes ist. Ein 85-minütiges Leinwandwerk, das Staffel als "sehr leisen Film" bezeichnet, der in der ersten Hälfte langsam erzählt. In dem Moment, wo die Geschichte von Cem und Jesus komplizierter wird, kippt das Tempo. Staffel: "Mir geht es darum, den schleichenden Prozess der Abhängigkeit voneinander zu zeigen." Tim Staffel hofft, möglichst bald auch dem Sylter Kinopublikum zeigen zu können, mit welch coolem Abgang das zeitgemäße Abenteuer von Cem und Jesus endet.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen