Neue Ausstellung : Ein Fenster in eine andere Zeit

„Den westlichen Theil des Morsumkliffs mit dem rothen Sandsteinriff“ bannte C.P. Hansen 1862 auf Papier.
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„Den westlichen Theil des Morsumkliffs mit dem rothen Sandsteinriff“ bannte C.P. Hansen 1862 auf Papier.

Christian-Peter Hansen ist der bekannteste Sylter des 19. Jahrhunderts. In der neuen Ausstellung der Söl’ring Foriining stehen noch unbekannte Facetten des berühmten Insel-Chronisten im Mittelpunkt.

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12. November 2013, 11:34 Uhr

Christian-Peter Hansen war Chronist, Historiker, Heimatforscher, Maler, Lokalpolitiker, Autor, Lehrer, Organist, Küster und noch einiges mehr. Kein Wunder, dass Dörte Ahrens, Leiterin der Museen der Söl’ring Foriining, den vielseitig begabten Autodidakten als die zentrale Figur auf Sylt im 19. Jahrhundert bezeichnet.

Am Sonntag fand im Heimatmuseum in Keitum die Eröffnung der Ausstellung „Sylt im Sinn. Der Chronist C.P. Hansen“ statt. „Diese Ausstellung war schon lange geplant“, erklärt Ahrens, „Hansens Nachlass war schließlich der Gründungsanlass für die Söl’ring Foriining.“ Zusammen mit der vor einem Jahr eröffneten Dauerausstellung zu C.P. Hansen im Altfriesischen Haus ist mit der „Sylt im Sinn“ ein rund 20 Jahre andauernder Prozess abgeschlossen.

Die Ausstellung zeigt insbesondere zwei Facetten des Chronisten, die die Söl’ring Foriining aus der ersten Ausstellung bewusst herausgehalten hat: C.P. Hansen als Maler und als Schulmeister. So werden erstmals über 30 Originalzeichnungen des 1803 geborenen Sylters gezeigt. Sie gehören zu den ersten mit dem Pinsel festgehaltenen Ansichten der Insel überhaupt und wurden mit Mitteln aus dem Bundesministerium für Kultur und Medien aufwändig restauriert. Allerdings: Diese Aquarelle haben weniger künstlerischen als vielmehr dokumentarischen Charakter. Hansen malte unter anderem Ereignisse, die er für spätere Generationen festhalten wollte, wie etwa einen Schiffbruch vor Rantum oder eine Überschwemmung der Keitumer Wiesen.

Hansen trug auch viel zum Bekanntheitsgrad der Insel bei. Er verfasste Artikel für den Altonaer Kurier und auch der erste Reiseführer über Sylt stammt aus Hansens Feder. Als Originalausgabe kann er in der Ausstellung bewundert werden. Darin stellt er nicht nur die Sehenswürdigkeiten der Insel vor, sondern beschreibt auch erinnerungswürdige Ereignisse. Wie etwa als das Wattenmeer zufror und die Einwohner Keitums in zwei Wochen 80 000 Austern verspeisten, weil diese nicht aufs Festland transportiert werden konnten. „Das ist das, was mir an Hansen so imponiert: Er beschäftigte sich nicht nur mit der Vergangenheit, sondern auch mit der Gegenwart der Insel, ihren Vorzügen und Problemen“, so Museumsleiterin Ahrens.

Beruflich jedoch war C.P. Hansen in erster Linie Lehrer. „Das war damals ein sehr hartes Geschäft, schlecht bezahlt und oft arbeiteten die Kinder lieber auf dem Feld als zur Schule zu gehen“, erklärt Ahrens. Hansen stellte ein Schulgesetz auf, stiftete eine Bibliothek und gründete den Sylter Lehrerverein.

„Die Sylter werden in dieser Ausstellung viele Facetten von C.P. Hansen neu entdecken“, ist sich die Kunsthistorikerin sicher. Sie bewundert vor allem das Engagement, mit dem sich Hansen sein ganzes Leben lang für seine Insel stark gemacht hat – „auch wenn er kein Wissenschaftler war und vieles zu seinen Geschichten dazu gedichtet hat, wie viele kritisieren.“

Viele Menschen haben dazu beigetragen, die Ausstellung zu realisieren. Dazu gehören Ahrens Vorgängerinnen ebenso wie die Autoren und Historiker, die sich mit C.P. Hansen und seinem Leben intensiv beschäftigt haben. Darunter auch Albert Panten, der in diesem Jahr mit dem C.P.-Hansen-Preis ausgezeichnet wird.

Bei dieser Gelegenheit wird auch das Buch „Die Entdeckung einer Landschaft – Sylt im 19. Jahrhundert“ vorgestellt werden. Darin sind alle Grafiken Hansens in Originalgröße abgedruckt. Außerdem gibt es darin einen Text von Hansens Bruder Peter , der im Alter von 12 Jahren eine Beschreibung über Sylt verfasste. „Das ist der liebevoller Blick eines Kindes auf ganz alltägliche Dinge wie die Möweneiersuche, die Trachten der Frauen und die Mentalität der Sylter“, sagt Ahrens. Wie auch die Ausstellung erlaube das Buch spannende Einblicke in das Leben auf Sylt vor über 150 Jahren.


Die Ausstellung „Sylt im Sinn“ ist bis zum 23. Februar immer mittwochs bis sonnabends von 12 bis 16 Uhr im Heimatmuseum zu sehen.

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