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Wohnimmobilien auf Sylt : „Ein erstklassiges Eigentor“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Verkauf des Reiber-Hauses durch die EVS entzweit Kommunalpolitiker. SWG und Insulaner-Piraten kritisieren Zustimmung der Aufsichtsräte

Der Verkauf des Reiber-Hauses an ein Hamburger Ehepaar schlägt hohe Wellen. Gestern berichtete unsere Zeitung, dass die Energieversorgung Sylt (EVS) das Haus der ehemaligen Bürgermeisterin in der Uthlandstraße 23 für 1,56 Millionen Euro verkauft hat. Der 14-köpfige Aufsichtsrat hatte zugestimmt – darunter auch Gemeindepolitiker, die sich sonst vehement für Dauerwohnraum auf der Insel einsetzen. Doch so einstimmig war das Votum nicht – es gab mehrere Enthaltungen, erfuhr unsere Zeitung gestern aus der nichtöffentlichen Sitzung.

„Stinksauer“ über den Beschluss der EVS zum Verkauf des Reiber-Hauses ist Erik Kennel. „Vor dem Hintergrund, dass wir sonst Dauerwohnraum sichern und jegliche Verkäufe verhindern wollen, kann ich die Entscheidung der Mehrheit unserer Gemeindevertreter im Aufsichtsrats überhaupt nicht nachvollziehen“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Sylter Wählergemeinschaft gegenüber der Sylter Rundschau. „Für gemeindliche Objekte erlauben wir das jetzt, für private Hauseigentümer dagegen nicht. Wie sollen wir das erklären?“ Der Grundsatz „Eigentum verpflichtet“ gelte ganz offensichtlich nur für einen Teil der Menschen, so Kennel. „Unsere Haltung als SWG ist und bleibt ganz klar, dass gemeindliche Wohnimmobilien nicht verkauft werden dürfen.“ Der SWG-Fraktionschef kritisiert auch die Äußerung von Nikolas Häckel, dem Vorsitzenden des EVS-Aufsichtsrats, dass „zum Wohle des Betriebes“ entschieden werden musste. „Ich verstehe ganz und gar nicht, wie er als Bürgermeister der Gemeinde Sylt zu solch einer Haltung kommen kann.“ Eher noch die Position von EVS-Geschäftsführer Georg Wember – dessen Verantwortung sei es tatsächlich, wirtschaftlich zu handeln. „Aber das kann doch nicht die Aufgabe unserer Politiker im Aufsichtsrat sein“, so Kennel.

„Es war eine schwere Entscheidung, die uns allen nicht leicht gefallen ist“, meinte gestern Maria Andresen, die als Grünen-Fraktionschefin im EVS-Aufsichtsrat sitzt. Aber die Gemeinde Sylt sei nun einmal nicht alleiniger Eigentümer der EVS, 47 Prozent gehörten der Münchner Thüga AG. Daher könne der Grundsatzbeschluss der Gemeindevertretung, keine Liegenschaften zu verkaufen, hier nicht durchgesetzt werden. Wichtig sei für sie der Aspekt, dass das Geld auf der Insel bleibt – die 1,56 Millionen Euro würden laut Beschluss für die Sanierung der EVS-Verwaltung eingesetzt. Ein Bauprojekt, das nächstes Jahr in Angriff genommen werden soll. Zudem schreibe der Bebauungsplan für den Bereich Uthlandstraße die Nutzung als Dauerwohnraum vor, erläutert Maria Andresen. Tatsächlich zählt der Bebauungsplan 57 das Haus Uthlandstraße 23 zum Sondergebiet Typ 1, der nur das Dauerwohnen zulässt und die Touristenbeherbergung ausschließt.

Trotz der öffentlichen Debatte bewahrte die Geschäftsführung der EVS auch gestern Stillschweigen über die Details des Immobilienhandels. „Herr Wember ist seit heute auf Geschäftsreise“, ließ sein Sekretariat verlauten.

„Ich kann nachvollziehen, dass die Diskussion hochkocht“, sagte Wolfgang Jensen (CDU), der die Gemeinde Sylt in der EVS-Gesellschafterversammlung vertritt. Doch die EVS habe das Haus 1998 allein auf Wunsch der Stadt gekauft, um der Bürgermeisterin eine entsprechende Wohnung zu beschaffen. Der Verkauf wäre nur konsequent, weil die EVS kein Wohnungsunternehmen sei. Auch das kommunale Liegenschaftsmanagement KLM habe kein Interesse an dem Haus gehabt – dafür seien die Sanierungskosten mit geschätzten 800  000 Euro zu hoch.

„Ein erstklassiges Eigentor“ sieht die Fraktion der Insulaner und Piraten im Hausverkauf durch die EVS. Die Aufsichtsräte hätten den Verkauf nicht durchwinken dürfen, ohne ihre Entscheidung vorher mit der Gemeindevertretung oder dem Hauptausschuss abzuklären oder mit dem KLM nach Alternativlösungen zu suchen. Alle Inselgemeinden widersetzten sich dem weiteren Ausverkauf der Insel und sorgten für neuen Wohnraum. Das kommunale Liegenschaftsmanagement KLM baue mit aller Kraft Wohnungen und mache dabei auch großartige Fortschritte, lobt die Insulaner- und Piraten-Fraktion. „Und nun beschließen einige Sylter Politiker selber hinter geschlossenen Türen, existierenden Wohnraum auch noch zu verkaufen!“ Ihr Fazit: „Allen Spekulanten wird damit eine perfekte Vorlage geliefert, an dem maßlosen Gezocke um unsere wenigen verbliebenen Flächen und Immobilien ebenfalls mitzumischen.“

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erstellt am 27.Apr.2017 | 22:42 Uhr

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