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Stadtkirche St. Nicolai : Ein erhebendes Konzert-Erlebnis

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Kirchenmusiker Martin Stephan, die Kantorei St. Nicolai, das Mitteldeutsche Kammerorchester und drei Solisten boten das musikalische Saison-Highlight in der Stadtkirche.

von
erstellt am 23.Sep.2013 | 12:00 Uhr

Du lieber Himmel: diese Superlative! Von Starbesetzung und Spitzenklasse, gar vom musikalischen Höhepunkt des Jahres war vor dem Kirchenkonzert am Sonnabendabend in der Stadtkirche St. Nicolai zu lesen und zu hören. Diese Kompaktheit an Vorschusslorbeeren warf Fragen auf: Vermag das dieser Abend einzulösen? Oder schießen die Ankündigungen weit über das Ziel hinaus?

Um es gleich vorweg zu sagen: Der Abend hielt, was versprochen wurde. Der Programmzettel war erste Bestätigung. Signalisierte er doch eine vorzüglich ausgewählte musikalische Kost. Etwa Johann Sebastian Bachs Motette „Lobet den Herrn, alle Heiden“, die viele Bach-Kenner zu den Höhepunkten der Chormusik zählen. Und deren Bewältigung für viele kirchenmusikalisch Engagierte seit jeher zum Ziel ihres Ehrgeizes gehört.

Überzeugend vermittelte hier die Kantorei an St. Nicolai in überaus klarer und kraftvoller Artikulation die dem Stück inne wohnende geistliche Strenge. Das muss einmal mehr hervor gehoben werden, welche Leistung der von Kirchenmusiker Martin Stephan geschulte und in langer Probenarbeit „geschliffene“ Chor vor allem auch sprachlich zeitigt. Zu würdigen gilt daneben natürlich insbesondere das gesangliche Können. Etwa die überzeugende Modulationsbreite. Sie wurde beispielhaft bei Georg Friedrich Händels „Foundling Hospital Anthem“ unter Beweis gestellt, wo die Sängerinnen und Sängern – mal eindringlich, dann bewegt, schließlich beim „Hallelujah“ am Ende jubilierend und strahlend – das Werk dadurch für den Hörer hilfreich interpretierten.

Gleiches gilt für den Einsatz der Solisten. Die immer wieder aufs Neue überzeugende Sopranistin Martina Rüping (die eine gehörige Portion an gesanglicher Leistung absolvierte) sowie Susanna Franck (Mezzosopran) trugen kraftvoll und volltönend ihren jeweiligen Part vor. Ebenfalls der Tenor David Frankhauser, bei dem man sich noch ein wenig mehr gesangliche Durchsetzung gewünscht hätte.

Und Martin Stephan? Er führte nicht nur die Kantorei und das Mitteldeutsche Kammerorchester routiniert durch das Programm. Wobei ihm die Musiker mit ihrem 1. Konzertmeister, Prof. Andreas Hartmann, erneut verlässliche und vertraute Begleiter waren. Stephans Stunde schlug ganz speziell bei Händels Konzert für Orgel und Orchester g-Moll. Das 16-Minuten-Werk sah Westerlands Kirchenmusiker auf der Orgelbank und in seinem Element. Nicht nur bei manch ausgedehnter spielerischen Solopartie im Allegro, sondern vor allem auch im Larghetto. Grund: Hier kam das leidenschaftliche Improvisationstalent des Kirchenmusikers (wieder einmal) voll zur Geltung.

Von der Bach-Motette dieses Abends sagt mancher Kenner, dass sie sowohl „Virtuosität“ als auch „Begeisterung“ für ihre Darbietung erfordert. Das darf man getrost auf diesen Abend mit seiner gesamten Programmfolge und auf all seine Mitwirkenden übertragen.

Mit dem Fazit: Beides kam zur Geltung und wurde eingelöst. Zum lange anhaltenden Schlussapplaus erhoben sich viele Besucher. Das passte gut, war es doch ein in der Tat erhebender Abend.

 

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