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Sylter kaufen Niebüller Wasserturm : Ein Eldorado für Bahn-Liebhaber

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Zwei Sylter haben den Niebüller Wasserturm gekauft und bieten nun Übernachtungen in dem historischen Bauwerk an.

Der Ausblick aus dem dritten Stockwerk in zehn Metern Höhe ist fantastisch: Das Bahnhofsgebäude, vier Bahnsteige und unzählige Gleise, die mechanischen Stellwerke, gegenüber der Kleinbahnhof mit den Zügen nach Dagebüll und am Horizont die Autoverladung – ein Eldorado für Eisenbahnfreunde. Eine gigantische Modelleisenbahn liegt den Besuchern im Wasserturm zu Füßen. Zwei Sylter sorgen nun dafür, dass jeder im Niebüller Wasserturm übernachten kann – dem wohl kleinsten Hotel der Region.

Für Sylter ist der Niebüller Bahnhof quasi das Tor zum Festland, da brennt sich der historische Wasserturm ins Bewusstsein ein. Als das Bauwerk vor zwei Jahren zum Verkauf stand, waren sich die Insulaner Öger Akgün und Henning Lehmann denn auch spontan einig – „den müssen wir haben.“ Akgün ist Unternehmer, betreibt unter anderem einen großen Autopflegedienst und eine Autovermietung. Lehmann ist Architekt. Beide kennen sich seit Jahren, sind im Lions-Club aktiv und teilen offenbar eine Leidenschaft für ungewöhnliche Bauwerke.

Schlüsselübergabe: Olaf Behrmann von der Kreishandwerkerschaft, die neuen Eigentümer Öger Akgün und Henning Lehmann, Betreiber Boy Oldigs, Kreishandwerksmeister Ingwer Christophersen und Georg Böhm von der IG Baupflege (von links).
Schlüsselübergabe: Olaf Behrmann von der Kreishandwerkerschaft, die neuen Eigentümer Öger Akgün und Henning Lehmann, Betreiber Boy Oldigs, Kreishandwerksmeister Ingwer Christophersen und Georg Böhm von der IG Baupflege (von links). Foto: Henningsen

Das ist der Niebüller Wasserturm in der Tat: „Wasserthurm mit einem Bottich von 50 cbm Inhalt“ ist der Original-Bauplan der Preußischen Eisenbahndirektion Altona von 1898 überschrieben, den Eisenbahn-Historiker Georg Böhm ausfindig gemacht hat. Die Marschbahnstrecke Altona-Tondern-Ribe erreichte Niebüll 1887, also musste genauso wie in Husum, Bredstedt und Tondern auch in Niebüll ein Wasserturm für die Versorgung der Dampflokomotiven mit Kohle und Wasser errichtet werden. Der erste (rechteckige) Turm war bis 1908 in Betrieb und wurde 1950 abgerissen. Weil er für die 1889 neu hinzugekommene Strecke nach Flensburg nicht mehr ausreichte, wurde er 1908 durch einen Neubau ersetzt – im Stil der neuen Industriearchitektur, mit Sichtfachwerk und Klinkerausfachung am oberen Turmende, wo auch der Wassertank untergebracht war. Als der Hindenburgdamm noch mehr Zugverkehr nach Niebüll bringen sollte, wurde der Turm 1921 modernisiert – mit einem Aufsatz aus Eisenbeton, so wie ihn die meisten Niebüller bis 2012 kannten. 1972 endete in Niebüll die Dampflok-Ära, der Wasserturm hatte ausgedient.

Die Bundesbahn hätte ihn damals abgerissen, wenn nicht die Stadt Interesse an dem Baudenkmal gezeigt und das Bauwerk übernommen hätte. 2007 stand wieder der Abriss des baufälligen Gebäudes zur Diskussion, doch diesmal regte sich heftiger Widerstand. Gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft Nordfriesland-Nord entwickelte Bauunternehmer Sven Vogt die Idee, das Gebäude durch Auszubildende wieder herzurichten. Der Wasserturm ging für einen symbolischen Betrag von einem Euro an die Kreishandwerkerschaft und die Stadtvertretung unterstützte den Plan mit 20  000 Euro. Von 2012 bis 2015 machten sich die Lehrlinge der verschiedenen Innungen freiwillig daran, das Bauwerk wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzen und bewohnbar zu machen.

„Nun sind wir froh, dass wir neue Besitzer gefunden haben, die mit Schwung und Elan den Wasserturm beleben“, freute sich Kreishandwerksmeister Ingwer Christophersen am Dienstag bei der Schlüsselübergabe an die Käufer Akgün und Lehmann. „Der Wasserturm war für uns auch ein Leuchtturm – ein tolles Projekt für unsere Azubis, das unserem Handwerk gut getan hat.“

Die beiden Sylter hatten gleich die Idee, den Rundbau an Gäste zu vermieten. 50 Quadratmeter Wohnfläche, aufgeteilt auf vier Ebenen, mit Dusche und WC, einer kuscheligen Fernsehecke, einem Schlafzimmer und einer kleinen Küche – das passt perfekt für zwei Übernachtungsgäste. Für die Vermietung suchten Akgün und Lehmann einen Betreiber vor Ort, der sich um das Wohl der Gäste kümmern kann. Dabei fanden sie in Boy Oldigs einen begeisterten Unterstützer für ihr Projekt – der Niebüller betreibt ein paar Ecken weiter das Hotel Inselpension.

Am 14. August geht der Betrieb los – dann ziehen die ersten Hotelgäste in das runderneuerte Bauwerk ein. 129 Euro kostet die Nacht. Fantastischer Ausblick inbegriffen.

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