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Ringreiten : Ein echtes Stück Sylter Brauchtum

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Mit den Feierlichkeiten zum 150. Bestehen des Archsumer Ringreitervereins nimmt die Saison auf Sylt nur ihren Anfang

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 08:26 Uhr

Sylt | Mit einem Paukenschlag nimmt die diesjährige Ringreitsaison ihren Anfang: An diesem Wochenende feiert der Archsumer Ringreiterverein sein 150-jähriges Bestehen. Mit besonderer Spannung wird daher erwartet, welcher der 24 Aktiven sich am Pfingstsonntag die Königswürde sichert. Eine Zugabe gibt es Pfingstmontag: Dann werden auf der Archsumer Festwiese die Ehren- und Stiftungspreise ausgeritten.

Bis zum August geht es dann munter weiter: Sieben Ringreitvereine tragen ihre Turniere aus, den Abschluss bildet traditionell das Amtsringreiten, bei dem jeder Verein eine Abordnung von vier Reiterinnen respektive Reitern stellt.

Alle Termine im Überblick: Am 2. Juni reitet das Amazonencorps Weiße Lanze in Archsum, am 16. und 17. Juni das Morsumer Ringreitercorps in Morsum und vom 29. Juni bis 1. Juli das Sylter Ringreitercorps in Keitum. Es folgen am 7. und 8. Juli das Corps der Amazonen zu Morsum in Morsum, am 14. und 15. Juli der Keitumer Ringreiterverein in Keitum, am 4. und 5. August der Morsumer Ringreiterverein in Morsum, am 18. August die Sylter Amazonen in Keitum und am 25. August das Amtsringreiten in Morsum.

Das Ringreiten ist ein echtes Stück Sylter Brauchtum. Rund 200 Männer und Frauen sind in den acht Vereinen aktiv, wobei der älteste bereits aus dem Jahre 1861 datiert. Damals gründeten elf Pferdefreunde das Sylter Ringreitercorps, zugleich der erste Verein auf der Insel überhaupt.

Früher wie heute steigt die Spannung abrupt, wenn die Königs-, Kronprinzen- und Prinzen-Würde respektive die weiblichen Analogien ausgeritten werden. Um die Trefferquote zu erhöhen, ist auch schon mal ein "Satteltrunk" gestattet - der wird in den Pausen traditionell in Form von heißem Teepunsch oder Bowle eingenommen.

Doch bitte in Maßen - sonst fällt nicht der Ring, sondern der Reiter. Im 19. Jahrhundert notierte der Schriftführer eines Sylter Ringreitervereins launig: "Der Wein fließt in Strömen, doch die echten Ringreiter nehmen sich in Acht und vermeiden einen vorzeitigen Rausch, indem sie die Becher in einem unbemerkten Augenblicke elegant nach hinten entleeren."

Kein Wunder also, dass bei den Turnieren selten trübe Stimmung aufkommt. Doch es gab auch andere Zeiten. Etwa die Kriegsjahre, in denen das Naziregime die Ausübung dieser Tradition verbot. Und einige Jahre zuvor drohte die Inflation die Vereinskassen zu sprengen: 10 000 Reichsmark betrug beispielsweise 1923 der Jahresbeitrag in einem Ringreiterverein. Wahlweise durfte auch in Naturalien gezahlt werden. Das kostete pro Mann ein Pfund Butter, passive Mitglieder hatten drei Hühnereier zu entrichten.

Die Philosophie des Ringreitens indes hat im Laufe der Jahrzehnte an Aktualität nichts eingebüßt: "Zu unserer Tradition gehört vor allem die Kameradschaft untereinander und die Verbundenheit mit dem besten Freund des Reiters. Auch im technischen Zeitalter räumen wir dem Pferd seinen angestammten Platz als treuer Begleiter ein", lautet der erklärte Grundsatz der Sylter Ringreiter und Ringreiterinnen.

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