Living History auf Sylt : Ein Dorf wird zur Bühne

Ein österreichischer Soldat trifft auf einen königstreuen Sylter: Bei der Living History schlüpfen Insulaner in historische Rollen.
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Ein österreichischer Soldat trifft auf einen königstreuen Sylter: Bei der Living History schlüpfen Insulaner in historische Rollen.

Bei der Keitumer Living History erwachen die wechselvollen Geschichten der Sylter an Originalschauplätzen zu neuem Leben.

shz.de von
17. Juni 2014, 10:36 Uhr

Im schönsten Dorf der Insel, dessen verschlungene Wege von Jahrhunderte alten Friesenhäusern gesäumt sind, verbergen sich hinter alten Mauern erstaunliche Geschichten. Von den Bewohnern und ihren spannenden Schicksalen in den vergangenen Jahrhunderten handelt das 2013 gestartete Living-History-Projekt Keitum, das die Gästeführerin Silke von Bremen mit rund 20 ehrenamtlichen Spielern „authentisch, berührend und friesisch“ zurück in die Straßen des Dorfes bringt.

Auf einem Rundgang treffen die Teilnehmer der Führung zum Beispiel auf den ersten Arzt der Insel, den Lehrer und Chronisten C.P. Hansen, den Volkshelden Uwe Jens Lornsen sowie auf Seefahrer, Soldaten und Sylterinnen. Eine lebendige Zeitreise, die bei Speisen nach Original Sylter Rezepten im Hotel-Restaurant Benen-Diken-Hof endet. In diesem Jahr gibt es drei Termine, an denen das Schauspiel wieder aufgeführt wird. Erstmals durchs Dorf geht es am kommenden Sonntag, 22. Juni.

„Wir werden auf kleinen Bühnen an den Originalschauplätzen spielen – dort, wo die Personen auch im wirklichen Leben gelacht, geliebt und gelitten haben“, sagt Silke von Bremen. „Zwar sind die Dialoge erdacht, aber immer auf Grundlage überlieferter Fakten.“ Die Kennerin der Sylter Historie hat dafür umfangreiche Hinterlassenschaften wie Chroniken, Kirchenbücher, Briefe und auch Steuerlisten analysiert. „Wir werden Menschen erleben, die das Dorf bis heute prägen, obwohl sie ihr Leben vor über 200 Jahren ausgehaucht haben.“

Die kurzen Schauspielstücke erzählen von Menschen, von denen es oftmals nicht einmal mehr Bilder gibt. Das gilt zum Beispiel für Inge und Uwe, die das repräsentative Heimatmuseum am Kliff einst gebaut haben, genauso wie für Bleick und Christen, denen das Altfriesische Haus in seiner jetzigen Schönheit zu verdanken ist. Auch der Lehrer und Chronist C.P. Hansen kommt zu Wort. Er steht im Garten der Schule, die 1786 im Dorfzentrum erbaut wurde und zwei Klassenräume für die Kinder bot. „Etwas frustriert wirkt er schon“, so von Bremen. „Doch er würde sich sicherlich freuen, dass sein Name heute auf Sylt so präsent ist.“

Der zweistündige Rundgang, der Mitte des 18. Jahrhunderts startet, findet seinen Abschluss 100 Jahre später im Jahre 1864 – als durch den Krieg, den die Preußen gemeinsam mit den verbündeten Österreichern gegen Dänemark führten, die über 400-jährige mit dem Nachbarland eng verbundene Geschichte der Insel endet. Die Sylter wurden preußisch und gehörten damit bald darauf zum Deutschen Reich, mit allen Konsequenzen. 

Tickets zum Preis von 28 Euro (exkl. Getränke) sind bei allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. Die erste Tour startet am 22. Juni um 11 Uhr – mit vorheriger Reservierung. Wer es diesen Sonntag nicht schafft: im Sommer wird Keitum am 24. August und am 31. August erneut zur Living-History-Bühne.







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