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Serie Sylter Sammler : Ein Auge für verschollene Bälle

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In unserer Serie geht es heute um Burkhard Kosin, der seit 30 Jahren Golfbälle sammelt, die er beim Spielen findet

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2015 | 05:30 Uhr

Nagellack-Fläschchen, Knöpfe, Fingerhüte: Sammeln kann man so ziemlich alles. Neben den klassischen Sammelleidenschaften gibt es auch Menschen, die ihr Herz an eher ungewöhnliche Gegenstände verloren haben. Die Sylter Rundschau widmet sich in einer Serie den Sammlungen der Insulaner und ruft alle Sammelwütigen auf, sich zu melden und ans Licht zu holen, was sich in den Kisten, in den Kellern oder in den Vitrinen befindet.

 

„Ich bin kein Schön-Wetter-Golfer, aber bei Sonne ist es schon angenehmer“, sagt Burkhard Kosin, der seine Platzreife vor mehr als 30 Jahren gemacht hat und seitdem begeisterter Golfer ist. „Bei dem Sylter Wind landen allerdings viele Bälle im Gebüsch, das lässt sich nicht vermeiden.“

Eben diese Bälle fand Kosin und stellte fest, dass einige Bälle mit Vereins-Logos oder lustigen Sprüchen versehen waren. Die Bälle waren ihm zum Spielen zu schade, sodass sich nach und nach einige ansammelten – zunächst war es nur ein kleiner Sack, der sich aber rasch füllte. „Mittlerweile sind es 3000 Bälle und ich habe den Überblick schon etwas verloren“, sagt der gebürtige Berliner, der vor 45 Jahren auf die Insel versetzt wurde.

Seitdem lebt er hier und spielt viel auf dem Golfplatz des Golfclubs Budersand in Hörnum. „In Sylts sonnigem Süden ist es am besten“, sagt er stolz, „auch wenn die Bunker die tiefsten sind.“

Selbst mit 76 Jahren geht der Wahl-Sylter noch mindestens drei bis vier Mal in der Woche auf den Golfplatz und spielt mit einem Handicap von 18,7 auch einen ordentlichen Ball. „Das schöne ist“, so sagt er, „dass man beim Golf nie auslernt.“ Auch den ein oder anderen Tipp aus der Fachpresse lässt er in sein Spiel mit einfließen und verbessert sich so. Er betont, dass man gerade im Golfsport demütig sein müsse, auch wenn es mal nicht so klappt. „Turniere spiele ich nur ganz selten, aber beim letzten haben wir den zweiten Platz belegt“, sagt er lächelnd und verweist auf einen großen Pokal, der vor seiner beeindruckenden Golfball-Wand steht.

Welcher der erste Ball seiner Sammlung war, weiß er nicht mehr genau. „Ich kann die Leute nicht verstehen, die mit wirklich besonderen Bällen aus aller Welt unsere windigen Plätze spielen - dafür wäre ich zu geizig.“

Zu seiner Sammlung zählen Bälle von großen Firmen, Vereinsbälle mit Club-Logo und Bälle, mit lustigen Bildern und Texten. So musste er schon gut staunen, als er einen Ball vom Ryder Cup 1997 gefunden hat. Auch einen Ball aus Abu Dhabi aus dem Jahre 2014 hat seinen Weg ins Aus des Hörnumer Golfclubs gefunden. „Ich freue mich natürlich über so einen Ball, aber für mich als Sammler gehört ein Exemplar, der ja auch durchaus mit Erinnerungen versehen ist, ins Regal.“

Ans Aufhören denkt Kosin nicht. „Wenn ich einen Ball mit Logo finde, weiß ich oft nicht, ob ich ihn schon habe und nehme ihn erstmal mit.“ Dank seiner Abmachung mit seinen Enkeln, die einen Euro bekommen, wenn sie doppelte Bälle in der Sammlung ihres Großvaters finden, werden überschüssige Bälle meist schnell aussortiert.

Wie jeder Sammler hat auch Burkhard Kosin einen Lieblingsball, den er von einer Reise mitgebracht hat. Gemeinsam mit Head-Pro Allan Owen und einigen anderen Sportlern fuhr er zum Mekka und der Geburtsstätte der Sportart: dem schottischen St. Andrews. Als einziger aus der Gruppe startete Burkhard Kosin in den Abendstunden noch die Runde, da der Platz tagsüber gnadenlos voll war. Zwar hat er nicht alle achtzehn Löcher geschafft, allerdings „muss man die Chance auch wahrnehmen, wenn man schon dort ist.“ Der bedruckte Ball des Platzes, auf dem man sich laut Kosin wie ein Star fühlt, stammt allerdings aus dem Shop und wurde noch nie gespielt – auch wenn er auf dem Marine-Golfplatz schon einen Ball des Traditionsvereins gefunden hat.

„Mit den Jahren habe ich ein Auge für verschollene Bälle entwickelt, denn man liegt ja doch hin und wieder mal im Rough.“ Das ließe sich aber nicht vermeiden, denn wenn der Ball ein Mal im Wind ist, sei er so gut wie verloren. Nicht umsonst lautet der kürzeste Golfer-Witz: „Ich kann’s.“

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