Westerland/List : "Eigentlich wollte ich Schafe züchten"

 Dorfpastorin Petra Hansen: 'Manchmal muss man Dinge einfach machen.'  Foto: RIEDERER
Dorfpastorin Petra Hansen: "Manchmal muss man Dinge einfach machen." Foto: RIEDERER

Zuversichtliche Macherin mit norddeutscher Gelassenheit: Zu Besuch bei der neuen Lister Pastorin Petra Hansen

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01. September 2011, 07:30 Uhr

Westerland / List | Irgendwie konnte sich Petra Hansen schon immer für Schafe begeistern. Die gemächliche Art dieser Herdentiere verbunden mit einer gewissen Sturheit sei einfach sehr faszinierend. "Vielleicht treffen eben diese Eigenschaften ja auch auf mich zu", schmunzelt Hansen und serviert Ingwer-Tee. Bei einem Besuch in ihrem Westerländer Zuhause anlässlich ihrer Amtseinführung als Pastorin in List lernt man einen Menschen kennen, der sich aus Überzeugung für den Beruf "Dorf-Pastorin" entschieden hat.

Mit dem Tee kommt auch die Lebensgeschichte der Hamburgerin auf den Tisch. Sie berichtet, wie sie schon immer von der Weite des Landlebens und der Geselligkeit der Dorfstrukturen begeistert war. Wenn sie hingegen erzählt, wie sie in Hamburg studieren "musste", wird ihr sonst so weiches Gesicht ein wenig hart: "Das ist einfach nichts für mich. Das ist eine zu große Reizüberflutung."

Wenn sie jetzt am 18. September um 14 Uhr in ihr neues Amt eingeführt wird, scheint es so, als habe sie jetzt vielleicht ihren Platz gefunden. Sie ist verbunden mit Sylt, lebt mit ihrem Mann, dem dänischen Pastor Jon Hardon Hansen, in Westerland und hat in List schon als Aushilfe gearbeitet.

Ihr neuer Job wird voller Herausforderungen sein: Die Instandhaltung des Kirchengebäudes wird Hansens finanzielles Geschick fordern, die Gemeindearbeit ihre sozialen Fähigkeiten und die Integration der Touristen ihre diplomatischen Gaben. Es sind viele Aufgaben; zumal die Pastorenstelle auf eine Halbtagsstelle reduziert wurde. Möglicher Lichtblick: Da Hansen weiter in Westerland wohnen wird, kann das Lister Pastorat womöglich vermietet werden. Dann stünden wichtige zusätzliche Geldmittel zur Verfügung.

Sozial sein bedeutet für die Mutter eines 13-jährigen Sohnes mehr als Gemeindearbeit und Seelsorge. Sie engagiert sich im Tierschutz und hat selber bereits zwei ungarische Straßenhunde aufgenommen. "Toto und Moto sind jetzt auch Familienmitglieder."

Inzwischen ist der Ingwer-Tee ausgetrunken. Zeit für ein Bibelzitat: "Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird es wohl machen". Es ist der Trauspruch von Petra Hansen. Für sie drückt er aus, dass man manchmal Dinge "einfach machen muss", ohne lange hin- und her zu überlegen. Es ist so etwas wie der Vertrauensausspruch an ihr Leben. Dieses Lebensauffassung teilt sie ab jetzt in List.

"Nach der Schule wollte ich eigentlich Schafe in Neuseeland züchten", sagt Hansen, "aber das war irgendwie unrealistisch. Dann bin ich Pastorin geworden." Schweigen, dann fügt sie hinzu: "Na ja, Schafe gibt es ja auch viele in List..." Sie lächelt vielsagend. Die Gemeinde List hat eine neue Hirtin.

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