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Künstlerisches Erbe : "Eigentlich wollte er viel lieber malen"

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Als Bleicke Bleicken, Sylts großer Fotograf 1973 verstarb, schwor sich seine Tochter Anke, später einmal sein Lebenswerk zusammenzufassen. Das Ergebnis ist jetzt im Sylter Heimatmuseum zu begutachten.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2008 | 09:04 Uhr

Keitum | "Und abends baute er in unserer kleinen Küche sein Labor auf - dann durfte keiner mehr rein." Schmunzelnd erinnert sich Anke Bleicken an die große Passion ihres Vaters Bleicke Bleicken: Die Fotografie. Von Kindesbeinen an war die gebürtige Sylterin, die heute wechselweise in Kiel und Schweden lebt, mit dem Hobby des Vaters verbunden: "Er hat mich oft mitgenommen, schenkte mir auch eine kleine Kamera. Als dann auch noch ein Foto von mir in einem Keitumer Werbeprospekt veröffentlicht wurde, war ich stolz wie Oskar."
Viele Sylter hatten Fotos von Bleicke Bleicken

Als Bleicke Bleicken 1973 verstarb, beschloss die Tochter: "Wenn ich eines Tages in Rente gehe, werde ich mich seines fotografischen Werkes annehmen." Der Vorsatz überdauerte bis 2001, als die Bibliothekarin pensioniert wurde und umgehend mit der Umsetzung begann: "Ich fragte bei Verwandten an und stieß bei vielen alten Syltern auf Fotografien meines Vaters."

Die Ausdauer lohnte sich: Inzwischen besitzt das jüngste der fünf Kinder von Bleicke Bleicken rund 4 000 Fotografien. Aus diesem stattlichen Fundus wählte Anke Bleicken 65 Bilder aus, die noch bis zum 4. Januar in einer Sonderausstellung im Sylter Heimatmuseum gezeigt werden. An den Wänden wird der Alltag im alten Keitum der Jahre 1925 bis 1936 wieder lebendig: Da tanzen Kinder einen Reigen unter einem Kastanienbaum, ernten Bauern das Feld ab, gehen Fischer auf Fang, sitzen Frauen beim Kartenspiel zusammen.
Seine Passion galt eigentlich der Malerei

"In den reizvollen Fotografien spiegelt sich wider, dass mein Vater ein großer Ästhet war", befindet Anke Bleicken, die die Fotografien für die Ausstellung gemeinsam mit ihrem Partner Eckart Kaeber und Dr. Gesine Thies von der Sölring Foriining aussuchte. Allein: Wenn es nach Bleicke Bleicken gegangen wäre, würden heute Gemälde statt Fotos die Ausstellung zieren: "Eigentlich wollte er viel lieber malen. Aber weil ihm das nötige Talent fehlte, verlegte er sich auf die Fotografie."

Für die Initiatorin ist es ein besonderes Vergnügen, immer wieder mal einige Tage im Sylter Heimatmuseum präsent zu sein: "Es ist spannend, wenn ältere Sylter vor den Fotografien in Erinnerungen schwelgen." Doch auch die Gäste spreche der Nachlass an: "Es sind ja reizvolle Zeitdokumente."

Zur Person Bleicke Bleicken:
Bleicke Bleicken wurde 1898 in Keitum geboren. Im Berufsleben als Lehrer tätig, wurde er nach seiner Pensionierung ehrenamtlicher Bürgermeister von Kampen und später auch Amtmann des Amtes Landschaft Sylt. Bleickens private Passion war die Fotografie. Der Autodidakt fotografierte von den 1920er Jahren bis zu seinem Lebensende; neben Veröffentlichungen in Zeitungen sowie Prospekten der Sylter Kurverwaltungen bestückte er aus seinem reichen Fundus auch Lichtbildervorträge für Sylt-Urlauber. Bleicke Bleicken verstarb 1973 in Niebüll.(fd)

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