Sylter Geschichte : Ehrung für einen Unbeugsamen

Bürgermeister Arno Kapp (Mitte rechts) neben Reichspräsident Paul von Hindenburg vor dem Westerländer Bahnhof anlässlich der Einweihung des Hindenburgdamms im Jahr 1927
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Bürgermeister Arno Kapp (Mitte rechts) neben Reichspräsident Paul von Hindenburg vor dem Westerländer Bahnhof anlässlich der Einweihung des Hindenburgdamms im Jahr 1927

Auf Antrag der Freimaurerloge “Frisia zur Nordwacht“ wird die Westerländer Westerstraße in „Bürgermeister Kapp Weg“ umbenannt

shz.de von
12. März 2018, 05:38 Uhr

Die „Wester- straße“ hinter den Dünen am Zugang zum Brandenburger Strand wird in „Bürgermeister Kapp Weg“ umbenannt. Das hat nach dem Ortsbeirat Westerland und dem Bauausschuss jetzt auch die Gemeindevertretung Sylt einstimmig bei drei Enthaltungen beschlossen. Die Umbenennung der kleinen, überwiegend nicht von Autos befahrbaren Straße am Arcona-Hotel „Haus Westerland“ erfolgt auf Antrag der Sylter Freimaurer „Frisia zur Nordwacht“, die im März 2019 ihr 100-jähriges Jubiläum begeht und aus diesem Anlass „unserem verstorbenen Bruder Arno Kapp postum eine besondere Ehrung zukommen lassen“ möchte.

Der im Jahr 1878 geborene Thüringer arbeitete zunächst in mehreren Orten Deutschlands im kommunalen Verwaltungsdienst, ehe er 1905 als Stadtsekretär nach Westerland entsandt wurde. Das Nordseebad hatte erst just in diesem Jahr den Status einer Stadt erhalten. 1916 wechselte Arno Kapp als Bürgermeister ins heute dänische Lügumkloster, ehe er dann 1920 vom Regierungspräsidenten als Westerlands Bürgermeister eingesetzt wurde.

In Kapps Amtszeit fiel unter anderem die Einweihung des Hindenburgdamms – am 1. Juni 1927 begrüßte er Reichspräsident Paul von Hindenburg am Westerländer Bahnhof und fuhr anschließen mit ihm in einer offenen Limousine durch die Stadt. Bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 übte Arno Kapp die Tätigkeit als Bürgermeister der Inselmetropole gewissenhaft aus. Seine Weigerung, der NSDAP beizutreten, kostete ihn dann allerdings das Bürgermeisteramt. Bis Kriegsende arbeitete Kapp als einfacher Angestellter im Landratsamt, wurde 1945 von der britischen Besatzungsmacht jedoch kurzzeitig erneut als Westerlands Bürgermeister eingesetzt.

„Gestern Nachmittag“, vermeldet die Sylter Zeitung im Jahre 1958, „wurde unser Bürgermeister a.D. Arno Kapp in der Strandstraße bei einem seiner täglichen Spaziergänge von einem Unwohlsein befallen und nach Hause gebracht. Am Abend des 15. März versagte das Herz seinen Dienst und dieser an Verdiensten um Westerland so reiche Mann schlief für immer ein.“

Mit Arno Kapp verlor Westerland eine honorige Persönlichkeit, die 1955 im Rahmen der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Stadtjubiläum die Ehrenbürgerwürde verliehen worden war. Als „untadeligen Menschen und vorbildlichen Beamten“ charakterisierte ihn der damalige Bürgervorsteher Richard Tamblé. Als „kollegialen Menschen und Vorgesetzten, der auch nach der Pensionierung kleinsten Veränderung in Westerland immer Beachtung schenkte“ würdigte ihn die Presse.

Seit Dezember 1924 war Kapp engagierter Freimaurer in der Loge „Frisia zur Nordwacht“, deren Auflösung 1933 von den Nazis betrieben wurde. Die 1949 neu konstituierte Loge habe die Westerstraße bewusst ausgewählt, weil sich dort bis 1934 das „Alte Rathaus“ befand, in dem Kapp als Stadtsekretär und als Bürgermeister tätig war, erklärt Logenmeister Jochen Lemke. Außerdem seien bereits alle benachbarten Straßen nach honorigen Bürgern wie Johann Möller, Johann Ehlert Bomhoff oder Andreas Dirks benannt.

Einer der Nachfahren von Arno Kapp ist Nikolas Häckel. Der heutige Bürgermeister der Gemeinde Sylt weißt auf Anfrage der Sylter Rundschau aber ausdrücklich darauf hin, dass die Straßenumbenennung auf Antrag der Freimaurerloge erfolge und nicht in Zusammenhang mit seiner Person stehe. Anlässlich des Besuches einer polnischen Delegation im Rathaus Westerland sagte Häckel im September 2015: „Ich persönlich bin erleichtert und auch dankbar, dass mein Urgroßvater Arno Kapp, der von 1920 bis 1933 Bürgermeister von Westerland war, den Mut hatte, der NSDAP nicht beizutreten, was ihm damals das Amt kostete.“

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